Fußball-Talks unter der Lupe: Kicker-TV-Talk Experte Urs Meier: Videobeweis macht die Bundesliga nicht gerechter

Von Fabian Pieper

Weiter umstritten: Der Videobeweis in der Fußball-Bundesliga. Foto: WittersWeiter umstritten: Der Videobeweis in der Fußball-Bundesliga. Foto: Witters

Osnabrück. Der Freitagabend bewies einmal mehr: Kein Fußball-Talk ohne den Videobeweis. Beim kicker.tv Talk wurde kontrovers diskutiert, am Ende kamen jedoch sämtliche Studiogäste zu einer überraschend einstimmigen Meinung.

Zu diesem Anlass hatte sich Moderator Marco Hagemann mit dem Schweizer Urs Meier einen fernseherprobten ehemaligen FIFA-Schiedsrichter eingeladen. Daneben gaben auch Ex-Bundesligatrainer Huub Stevens (u.a. FC Schalke und Hamburger SV), Augsburg-Torhüter Andreas Luthe, Ex-Bundesligamanager Thomas Eichin (Werder Bremen, 1860 München) und kicker-Redakteur Thomas Hiete ihre Einschätzungen zur Thematik ab.

Das Deutsche Eishockey-Wunder

Doch zunächst startete die Runde mit dem VfL Wolfsburg, der kurz zuvor im ersten Spiel nach dem Rücktritt von Trainer Martin Schmidt beim 1:1 in Mainz den ersten Punkt unter Bruno Labbadia geholt hatte. FCA-Torhüter Andreas Luthe fällte trotzdem ein hartes Urteil über den VW-Cub: „Beim VfL Wolfsburg ist keine klare Philosophie erkennbar, bei Mainz sieht das anders aus.“

Kein Vorbeikommen gab es am Thema Eishockey, zumal mit Thomas Eichin der langjährige Manager der Kölner Haie in der Runde saß. „Ich hoffe, dass das Eishockey in Deutschland dadurch in Zukunft mehr Wertschätzung erhält“, kommentierte der zuletzt bei Werder Bremen und München 1860 tätige Fußball-Manager den sensationellen Einzug der DEB-Auswahl ins Olympische Finale.

Macht der Videobeweis das Spiel gerechter?

So richtig heiß lief die Runde dann beim Top-Thema, der weiterhin strittigen Umsetzung des Videobeweises. Besonders Huub Stevens echauffierte sich darüber, dass solch ein System mitten im Wettbewerb der Bundesliga getestet wird – und dass dessen Testphase demnächst sogar auf die Weltmeisterschaft ausgeweitet wird.

Urs Meier hingegen kritisierte vor allem Teile der technischen Umsetzung: „Der Video-Referee gehört ins Stadion und nicht in eine kleine Kammer in Köln!“ Außerdem behauptete Meier, es gehe durch den Videobeweis nicht gerechter in der Bundesliga zu.

Hier erhielt er Gegenwind von Thomas Eichin und Andreas Luthe, die dafür mit der technischen Umsetzung haderten. Luthe bemängelte: „Man bekommt als Spieler überhaupt nicht mit, was da passiert.“ Dennoch ist sich Eichin sicher: „Wir werden in den letzten Spielen des Abstiegskampfes froh über den Videobeweis sein!“

Abseitsentscheidungen per Videobeweis – eine enge Kiste

Als besonders strittig erwiesen sich Abseitsentscheidungen. Während Luthe und Eichin sich dafür aussprachen, dass der Linienrichter im Verdachtsmoment lieber erst einmal laufen lassen solle, da man ein so erzieltes Tor später ja immer noch zurücknehmen könne, forderte Kicker-Redakteur Thomas Hiete hier ein schnell und fehlerlos funktionierendes System: „Du rüstest ja auch nicht jeden Winkel deines Hauses mit teurer Überwachungstechnik aus, um dann aber die Kellertür unbewacht zu lassen.“ Außerdem forderten vor allem Meier und Stevens, dass sich Fans im Stadion per Videowand direkt selber ein eigenes Bild über strittige Szenen machen sollen, da nur so die Akzeptanz des Videobeweises steigen könne.

Einigkeit am Ende: Videobeweis soll bleiben

Dennoch sind sich am Ende alle einig: Der Videobeweis soll weiterhin Einzug im Profifußball erhalten – mit der Einschränkung, dass man weiterhin an der technischen Umsetzung feilen müsse. Und mit Eichins Schlusswort zum kommenden Nordderby („Ich bin mir sicher, dass der SV Werder Bremen die bessere Mannschaft hat!“) endete nach einer Stunde eine lebhafte Debatte über den Videobeweis – und es war sicher nicht die Letzte ihrer Art.


kicker.tv Talk

Jeden Freitag ab 22.45 Uhr auf Eurosport 1. Moderator: Marco Hagemann. Zu sehen auch im Internet (kicker.de) und anschließend in der Mediathek.