Fußball-Kolumne Es gibt nicht nur Ultras und Allesfahrer in der Fußball-Welt

Von Udo Muras

Meine Nachrichten

Um das Thema Fussball Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Frankfurt. Das die Bundesliga nun auch am Montag spielt, sorgt bei einigen Fans vor allem aus der Ultraszene für Unmut. Aber sie sind nicht die Einzigen, die mit Begeisterung Fußball schauen. Es gibt Millionen Fans, die vielleicht froh über den neuen Spieltermin sind - wenn sie jeder schauen könnte, ohne mehrere Abos abzuschließen…

In der Halbzeit flogen auch noch Tennisbälle, einige verfehlten Leipzigs Torwart Gulasci nur um Zentimeter. Vor dem Montagabendspiel hatte sich eine Hundertschaft Eintracht-Ultras mit Genehmigung des Vereins im Innenraum hinter dem Tor aufgebaut, Plakate gehisst, skandiert und den Anpfiff verzögert. Auch die Halbzeit dauerte 10 Minuten länger, bis der Strafraum von Tennisbällen und anderem Unrat befreit worden war.

„Ein absolut friedlicher Protest“

Für Bundesligasender Sky war es dennoch ein „absolut friedlicher Protest“. Eben irgendwo noch tolerable Grenzüberschreitungen, die freilich andeuteten: Sie können noch ganz anders, die Wutbürger auf den Rängen unserer Bundesligastadien.

Für sie ist es einfach. Auf die Frage „Wann soll die Bundesliga spielen?“ würden sie immer antworten: „Wenn es uns passt.“ Und Montagabend passt nun mal gar nicht, da ist doch 2. Liga.

Es war übrigens das 16. Montagsspiel der Liga und nicht das allererste, wie sorglos daherplappernde Ansager uns erzählen wollten. Der Unterschied zu den Vorgängern: Diesmal geschah es mit voller Absicht. Zuvor waren es Nachholspiele oder kurzfristige Verschiebungen – mal dem Fernsehen, mal der Polizei zuliebe. Und die Hälfte fiel auf den Ostermontag, wenn sich niemand einen Tag Urlaub nehmen musste. Jetzt sollen sie in Serie gehen, fünf pro Saison, an Werktagen. Drei Jahre, bis zum nächsten TV-Vertrag. Nicht des Geldes wegen, wie die DFL beteuert, sondern den im Europacup donnerstags beschäftigten (zwei) Teams zuliebe. Und den Amateuren, die bei ansonsten bis zu drei Sonntagsspielen ihren Kassierern gleich freigeben könnten. Gute Argumente hüben wie drüben.

Nicht nur Ultras und Allesfahrer

Doch eine dritte Gruppe wird vergessen – und das ist die mit Abstand größte. Die Fernsehzuschauer, zu denen auch alle gehören, deren Team an diesem Tag nicht spielt. Und alle, die selten oder nie ins Stadion gehen und trotzdem dabei sein wollen. Es sind Abermillionen, es gibt ja nicht nur Ultras und Allesfahrer in der heterogenen Fußballwelt. Und die sind vielleicht ganz dankbar über ein Fernsehspiel am sonst so öden Montagabend, so wie am Dienstag und all den anderen Tagen auch. Gäbe es nicht das Ärgernis mit dem Eurosport-Player, auf dem Montagspiele exklusiv laufen, es hätte bei Sky vorgestern wohl eine Rekordquote für das Spitzenspiel gegeben. ( Weiterlesen: Zeit für Retro in der Bundesliga)

Dass der Großteil der Fußballfans von diesen Spielen ausgeschlossen ist, dagegen darf und soll sich Unmut rühren. Fußball ist ein einfaches Spiel, das ist sein Erfolgsgeheimnis. Derzeit wird einiges getan, es zu verkomplizieren, das bedroht seinen Erfolg. Auf und neben dem Platz. Wenn man sich als Fan plötzlich mehrere Abos leisten soll, ist das einfach nur lästig, zumal wenn die Technik nicht klappt. Aber die reflexartige Abwehr der Ultras gegen alles, was von oben kommt (siehe auch Videobeweis), ist zu undifferenziert. Die meisten Fußballfans im Land sind nicht so fixiert wie sie, haben noch andere Lebensinhalte, sind im Übrigen auch nicht mehr 20 – und kommen klar damit, mal ein Spiel zu verpassen. Und sogar damit, wenn ihr Klub absteigt. Jedenfalls rufen sie nicht gleich dazu auf, die Versager durch die Stadt zu jagen. ( Weiterlesen: Wollen wir den Videobeweis wirklich)

DFL muss alle Interessen im Blick behalten

Wir werden wie in jedem Frühjahr an Orten, an denen das Abstiegsgespenst herumspukt, wieder Entsprechendes zu lesen und hören bekommen. Von diesen Fanatikern sollte sich die DFL nicht vorschreiben lassen, wann wo gespielt wird. Da geht’s ums Prinzip. Und trotzdem sei ihr geraten, die Interessen aller im Blick zu haben. Die Bundesliga hat auch deshalb eine solche Erfolgsgeschichte geschrieben, weil sie seit 1963 immer dann gespielt hat, wenn fast alle Zeit hatten – am Wochenende. Aber schon in der ersten Saison wurde bis auf Sonntag an allen Tagen gespielt. Sie hat’s überlebt.

Hier finden Sie alle Folgen der Fußball-Kolumne


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN