Fußbll-Kolumne Warum die Bundesliga nicht mehr spannend ist

Von Udo Muras

Von oben grüßt immer der FC Bayern – die Bundesliga leidet unter Langeweile im Titelkampf.Foto: imago/ActionPicturesVon oben grüßt immer der FC Bayern – die Bundesliga leidet unter Langeweile im Titelkampf.Foto: imago/ActionPictures

Frankfurt. Früher war das Rennen um den Meistertitel in der Fußball-Bundesliga noch spannend, findet unser Kolumnist. Es gab Regeln, die für Chancengleichheit sorgten. Und die Bayern konnten nicht wahllos Spieler verpflichten.

Vielleicht wird man eines Tages feststellen dürfen, dass der erneut ausgefallene Titelkampf der Bundesliga anno 2018 die Wende zum Guten war. Denn das Gefühl, dass sich etwas ändern muss, bricht sich immer stärker Bahn. Gegen manches Ärgernis wie die jetzt kommenden Montagsspiele und Streik-Profis werden auch Fan-Proteste nichts helfen. Aber muss man auch die Dominanz der Bayern hinnehmen? Wenn die Bundesliga weiter in ihrem bisherigen Gewand daherkommt und die Champions League weiter mit Millionen nur so um sich wirft, dann wohl leider ja. Darum machen sich nun viele, die sich berufen fühlen, laut Gedanken. In gewissen Fankreisen hat man beschlossen, die Bayern zu ignorieren. So singen sie in Frankfurt jetzt: „Deutscher Meister wird nur die SGE!“. Meister hinter Bayern – das neue Ziel der Abgehängten.

Idee für zwei Neuner-Ligen

Die Forderung nach Play-off-Spielen ist dem Deutschen fremd, dahinter steht zumindest der Mut, neu zu denken. Stefan Effenberg hat die Teilung der Liga in zwei Neuner-Gruppen gefordert, die das Los bestimmt. Die Besten spielen in der Rückrunde den Meister aus, die Schlechtesten die Absteiger. Wieder in Neuner-Ligen – und alle fangen bei null an. Für seine Idee auf T-online erhielt er 53 Prozent Zustimmung. Das ist zumindest ein Fingerzeig. Die Idee mit zwei Neuner-Ligen hatten übrigens schon 1973 Vertreter des 1. FC Köln, damals aus anderen Gründen. Die Stadien waren leer, und die Vereine wollten Reisekosten sparen.

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Mangel an Spannung

Im Mai 1989 beschloss der Ligaausschuss den Modus, Hin- und Rückspiel innerhalb einer Woche wieder zu spielen. Das scheiterte am Veto des DFB-Beirats und den Sicherheitsbedenken der Polizei. Leere Stadien sind heute nicht das Problem – noch nicht. Es mangelt an Spannung in der wichtigsten Frage: Wer wird Meister?

Aber wieso war es früher eigentlich spannend? Ganz einfach: Es gab Regeln, die für Chancengleichheit sorgten. Die Gehälter waren ebenso begrenzt wie die Ablösesummen, und jeder Verein durfte in den Sechzigern nur drei Spieler holen. Maximal zwei Ausländer waren erlaubt, vom Fernsehen bekamen alle das Gleiche. Und so wurde jedes Jahr ein anderer Meister, bis die Bayern ihr Olympia-Stadion bekamen und der Club mit den besten Spielern plötzlich auch der reichste wurde.

Kampf gegen Trikotwerbung

Und doch gab es kein totes Rennen. Überall saßen pfiffige Manager, und auch anderswo wurden die Stadien größer. Der DFB wachte wie ein strenger Vater über seine Kinder und versuchte, alle gleich zu behandeln, und der DFB kämpfte noch gegen Auswüchse wie Trikotwerbung und Live-Übertragungen.

Wesentlich war der Grundgedanke der Solidarität. Man brauchte die anderen, keiner war seine eigene Liga. So kam man in den Neunzigern überein, gewisse Spieler nicht zu verpflichten. Jeder Verein durfte zwei Spieler auf sogenannte Schutzlisten stellen. Bis 2008 waren laut DFL-Beschluss Talente an den Nachwuchsleistungszentren geschützt. Dann brachen die Bayern aus der freiwilligen Vereinbarung aus.

Wahlloses Verpflichten von Spielern

Was viele Fans an den Bayern stört, ist ja das scheinbar wahllose Verpflichten von Spielern, die sie dann doch nicht brauchen, während sie dem alten Club fehlen. Ist es zu viel verlangt, Selbstbeschränkung einzufordern zum Wohle aller? Vielleicht wäre dieser Weg zurück der bessere, als sich über das Aufheben von 50+1 Gedanken zu machen, das weder national für mehr Chancengleichheit sorgen wird noch für mehr Basisnähe.

(Weiterlesen: Bundesliga in der Kritik: Spielmodus, Konkurrenz und 50+1)

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