Einfluss von Investoren Es geht an den Kern der 50+1-Regel

Von Harald Pistorius

In den Fankurven der Bundesliga-Stadien wird die Meinung für den Erhalt der 50+1-Regel immer wieder artikuliert. Foto: WittersIn den Fankurven der Bundesliga-Stadien wird die Meinung für den Erhalt der 50+1-Regel immer wieder artikuliert. Foto: Witters

Osnabrück. Der deutsche Profifußball steht vor der wichtigsten Grundsatzdebatte seiner Geschichte. Das Präsidium der Deutschen Fußballliga fällte keine Entscheidung, ob für Martin Kind und Hannover 96 eine weitere Ausnahme von der 50+1-Regel genehmigt wird. Kind zog seinen Antrag zurück und machte damit den Weg frei für eine grundsätzliche Diskussion über die Frage: Lässt sich der Einfluss von Investoren so steuern und kontrollieren, dass der Fußball keinen Schaden nimmt?

Geht das überhaupt? Einen Kompromiss zu finden, wenn sich zwei Ideen derart kompromisslos gegenüberstehen? Hier die Panik, dass der deutsche Fußball den Anschluss verliert, wenn sich die Vereine nicht umgehend Investoren öffnen. Da die Angst, dass mit dem nächsten Schritt auf der Kommerzleiter alle Werte, Traditionen und Tugenden verloren sind.

Die DFL will es versuchen – so, wie sie es bisher geschafft hat, viele Entwicklungen des modernen Fußballs abzufedern und moderat zuzulassen. Anstoßzeiten, Eintrittspreise, Kommerz – natürlich gibt es das rund um die Bundesliga, aber es ist anderswo schlimmer.

Jetzt aber geht´s ans Eingemachte. Die DFL tut gut daran, alle 36 Proficlubs in eine Grundsatzdebatte zu bringen und auf dieser Grundlage ein Modell zu entwickeln, das auch in dieser zentralen Frage Kommerz und Kultur halbwegs zusammenhält – auch, wenn´s knirscht.

Hier ist jeder Verein gefordert, seine Fans an dem Meinungsbildungsprozess zu beteiligen. Denn sie sind die Basis des Profifußballs – und nicht die Mächtigen aus Business und Medien, die sich derzeit gebärden, als sei die Bundesliga ihr Eigentum.