Fußball-Talks unter der Lupe – ZDF-Sportstudio am 20. Januar 2018 Jürgen Klopp: Was Mehmet Scholl sagt, ist nicht wichtig

Von Lutz Hölker

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Lächeln nach der Niederlage: Hannes Wolf, der Trainer des VfB Stuttgart, war Gast im Aktuellen Sportstudio des ZDF und wurde von Moderator Jochen Breyer ausführlich interviewt. Foto: imago/Martin HoffmannLächeln nach der Niederlage: Hannes Wolf, der Trainer des VfB Stuttgart, war Gast im Aktuellen Sportstudio des ZDF und wurde von Moderator Jochen Breyer ausführlich interviewt. Foto: imago/Martin Hoffmann

Osnabrück. Hannes Wolf, Cheftrainer des VfB Stuttgart, sprach beim aktuellen Sportstudio im ZDF mit Moderator Jochen Breyer über das Spiel gegen Mainz 05, die Ziele mit seiner Mannschaft und die Kritik von Mehmet Scholl zur neuen Trainergeneration. Außerdem gab HSV-Sportdirektor Jens Todt im Exklusivinterview einen Einblick zur aktuellen Lage des kriselnden Nordklubs.

„Gutaussehend, voller Leben, ganz viel Fußballsachverstand“ Mit diesen Worten wurde Studiogast Hannes Wolf in einem Einspieler von seinem Trainerkollegen und ehemaligen Mentor Jürgen Klopp vorgestellt. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Borussia Dortmund. Im Gespräch mit Moderator Breyer ließ Wolf diesen Sachverstand ein ums andere mal aufblitzen, vor allem in der analyse der Niederlage gegen Mainz 05.

Stuttgart ungewohnt schwach in der Defensive

Als vermeintlich schlechteste Saisonleistung bezeichnete Moderator Breyer das Spiel in Mainz. Der Grund dafür lag laut Wolf in der ungewohnt schwachen Defensivleistung seiner Mannschaft.“ Es war anders als die anderen Auswärtsspiele. Es ist kein Geheimnis, dass wir uns diese Saison schwer tun Tore zu erzielen, aber wir haben bisher immer eine sehr gute defensive Stabilität gehabt. Heute war das ein bisschen anders, weil wir extrem viele Situationen zugelassen haben und keinen Zugriff auf Mainz bekommen haben.

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Für die anhaltende Auswärtsschwäche seines Teams (nur einen ihrer 20 Punkte holten die Schwaben auswärts) hatte Wolf keine Erklärung: „Das nervt uns natürlich auch. Es gibt in der Vorbereitung keinen inhaltlichen Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen, Fußball kann man manchmal einfach nicht erklären.“

Nur noch vier Punkte Abstand zum Relegationsplatz hat der Aufsteiger der vergangenen Saison. Trotzdem zeigt Wolf sich optimistisch, was das Ziel Klassenerhalt angeht: „Wir haben das heute als Chance gesehen, uns ein bisschen da unten abzusetzen, aber wir haben die Chance nicht genutzt. Das ist erstmal total ärgerlich und tut weh. Wir haben trotzdem noch eine lösbare Situation für die Mannschaft und da werden wir alles reinlegen“ erklärt der 36-Jährige. Den Verbleib in der ersten Liga mit seinem Team bezeichnet er zuvor als seinen aktuell größten Traum als Trainer.

Scholls Kritik prallt an Wolf ab

Auf die Kritik von Mehmet Scholl an die von ihm so genannten „Laptoptrainer“ reagierte Wolf gelassen. „Ich kenne Mehmet sehr gut, wir haben den Fußballlehrer zusammen gemacht. Er ist ein total sympathischer Typ, der einen etwas anderen Blick auf den Fußball hat. Dass er Dinge kritisch hinterfragt, das ist sein gutes Recht. Das kann jeder machen wie er will. Solange er das offen sagt, habe ich da überhaupt kein Problem mit.“ Jürgen Klopp kommentierte die Aussagen des Ex-Nationalspielers gelassen: „Was Mehmet Scholl sagt, ist nicht wichtig.“

Seinen Werdegang sieht der VfB-Coach viel mehr als Vorteil: „Ich könnte nicht mit 36 Jahren 13 Jahre Trainererfahrung haben, wenn ich ewig gekickt hätte. Aus der Spielerkarriere kannst du sehr viel draus ziehen, du musst aber trotzdem einen Beruf neu lernen und das ist nicht einfach. Es gibt im Fußball nicht den einen Weg.“

HSV-Sportdirektor Jens Todt quälen unangenehme Fragen

Im Exklusivinterview nach der erneuten Pleite seines HSV gegen Schlusslicht Köln stellte sich Sportdirektor Jens Todt den unangenehmen Fragen im Sportstudio. Über die Zukunft von Trainer Markus Gisdol machte er auch nach mehrmaligen Nachhaken keine Angabe. Viel mehr stellte er das fehlende Glück seiner Mannschaft in den Vordergrund.

„Wir wollen heute abend nicht über den Trainer sprechen. Wir haben gerade ein sehr emotionales Spiel gesehen, in dem unsere Mannschaft alles probiert hat, sich total bemüht hat, dann leider durch eine Standardsituation in Rückstand gerät und dann noch in einen Konter reinläuft. Das ist wahnsinnig bitter, vor allem, weil sich die Mannschaft sich viel vorgenommen hat und weil das Herz der Mannschaft stimmt und die Einstellung stimmt“, analysierte Todt die schwierige Situation des HSV.

Kein Bekenntnis zu Markus Gisdol

Auf die Frage ob der Verein nun reagieren müsse, gab Todt keine klare Antwort. „Wir werden es analysieren, wie immer. Wir werden natürlich darüber sprechen, das ist doch logisch. Wir haben eine denkbar schlechte Bilanz mit 15 Punkten nach 19 Spielen. Das ist so.“ Nach einem Bekenntnis zum Trainer klang dies nicht. Warum das so war, wurde am Sonntag um kurz nach zehn klar, als der HSV die Trennung von Gisdol verkündete.

Als Todt gefragt wurde, ob sich der HSV einen Trainerwechsel überhaupt leisten könne, wiederholte sich der Sportdirektor: „Unsere Mittel sind natürlich begrenzt, aber ich möchte erneut sagen, dass ich nicht über einen Trainerwechsel sprechen möchte. Weitere Verstärkungen hält Todt nicht für zwingend notwendig: „Was Transfers betrifft ist es ja so, dass im Winter immer nach dem großen Heilsbringer gesucht wird, der die Wende bringt. Unsere Mannschaft ist meiner Meinung nach aber grundsätzlich in Takt.

Todt appelliert an die HSV-Fans

Das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft beschrieb Todt als wichtigen Faktor im Kampf um den Verbleib in der ersten Liga. „Die Fans haben uns immer überragend unterstützt, auch heute. Natürlich ist Unruhe da, das kann ich verstehen. Die Enttäuschung ist riesig bei allen, vor allem bei der Mannschaft. Aber ich denke das Verhältnis zwischen der Mannschaft und der Fans ist der Schlüssel zum Klassenerhalt.


ZDF Sportstudio

Jeden Samstag ab 23 Uhr auf ZDF. Moderator: Jochen Breyer/Sven Voss/Katrin Müller-Hohenstein. Zu sehen auch im Internet live im Stream und anschließend in der ZDF Mediathek (dort allerdings ohne Szenen vom aktuellen Spieltag).

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