Punktabzug in Nachlizenzierung droht Ganz Ostwestfalen soll Arminia Bielefeld retten

Nicht zu beneiden um die Schwere der Aufgabe ist der neue Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek.Foto: Wolfgang RudolfNicht zu beneiden um die Schwere der Aufgabe ist der neue Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek.Foto: Wolfgang Rudolf

Bielefeld. Bis zum kommenden Montag muss Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld dringend frisches Kapital besorgen. Ansonsten droht im Nachlizenzierungsverfahren der DFL ein Punkteabzug und eine Geldstrafe. Im Hintergrund arbeitet ein Finanzkonsortium an der Entschuldung des ostwestfälischen Traditionsvereins.

Offenbar gut 22 Millionen Euro Verbindlichkeiten und eine aktuelle Etatunterdeckung, die 5,8 Millionen betragen soll: Fast schon gewohntermaßen drücken den Verein Liquiditäts- und Lizenzierungssorgen. Und wie in vielen Vorjahren droht erneut bei der Lizenzierung die Zeit davonzulaufen.

Offenbar hat der Neunte der Zweitliga-Tabelle beim Lizenzantrag für diese Saison in seiner finanziellen Not zu optimistisch kalkuliert. Die tatsächlichen Einnahmen im Marketing und Merchandising liegen deutlich unter den Planzahlen. Die genauen Zahlen werden auf der Jahreshauptversammlung am 28. Januar erwartet. Bereits bis zum kommenden Montag müssen die Bielefelder finanziell nachbessern, ansonsten droht ihnen ein Verlust von zwei Punkten und eine Geldstrafe seitens der DFL. Zwischen zwei und vier Millionen Euro sind offenbar vonnöten. Spielerverkäufe in der Winterpause will der Verein, der sechs Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, dabei unbedingt vermeiden.

Die Hauptlast der Gesamtschulden lagert derweil in der seit 2011 bestehenden Stadiongesellschaft Alm-KG, einer Tochtergesellschaft der Arminia. Diese wurde mit dem Ziel gegründet, Darlehen in KG-Anteile umzuwandeln. Nach dem Neubau der Osttribüne in der Ära des ehemaligen Geschäftsführers Roland Kentsch (2006 bis 2008) und dem Abstieg aus der Bundesliga 2009 hatte die Schuldenlast sogar 34 Millionen Euro betragen.

Die als Entschuldungsinstrument geplante Alm-KG hat nicht gegriffen. Bislang gibt es nur zwei Investoren, die Stadiongesellschaft erzeugte weitere Verbindlichkeiten. In der Folge entließ der Ex-Bundesligist Ende 2017 den aus Melle stammenden Gerrit Meinke als Geschäftsführer der Stadion-KG. Schon Monate zuvor war Meinke von seinen Aufgaben als Finanzgeschäftsführer der Arminia entbunden worden.

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Seit September 2017 ist Markus Rejek für die Finanzen der Profifußballer zuständig – und nun auch für die Stadion-KG. Die Auswüchse der Finanzkrise haben den 49-Jährigen überrascht. „Hätte ich von dem Ausmaß gewusst, wäre ich wohl mit meinem Koffer in München geblieben“, sagte Rejek, der zuvor bei 1860 München und Borussia Dortmund gearbeitet hatte.

Der Geschäftsführer arbeitet nun an den Problemen in der Nachlizenzierung und an einer nachhaltigen Lösung des Gesamtschuld-Problems. Schließlich habe sich bei der Arminia ein Konstrukt gebildet, in dem zur Finanzierung der Gegenwart immer ein Stück Zukunft habe verkauft werden müssen. „Und so etwas führt irgendwann zum Kollaps“, betont Rejek.

Der Geschäftsführer kann dabei auf die Unterstützung eines Konsortiums vor allem aus einheimischen Firmen zählen. Das „Bündnis Ostwestfalen“ will das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Bielefeld und private Sponsoren überzeugen, auf einen Großteil ihrer Forderungen zu verzichten. Die millionenschwere Landesbürgschaft soll aufgelöst werden. Hier hat die Arminia bereits die ersten positiven Signale erhalten. Die Stadt soll mit einem Ratsbeschluss im Februar auf 400000 Euro verzichten. Auch Privatsponsoren haben angedeutet, dem Verein finanziell entgegenzukommen.

Falls alle drei Parteien wie notwendig zustimmen, könnten rund drei Viertel der Stadionschulden abgelöst werden. Die Schüco-Arena könnte so endlich für Sponsoren interessant werden – und die Arminia somit zukunftsfähig. Zuvor gilt es, einen schmerzhaften Punkteabzug im Zuge der Nachlizenzierung zu vermeiden.

Mit Material von der Neuen Westfälischen und von dpa


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