Weihnachten mit Familie Alle Jahre wieder: Weihnachten von Familie zu Familie

Von Corinna Berghahn

Driving home for Christmas. Ja, schon. Aber wo ist Zuhause, wenn alle Familien besucht werden wollen? Foto: Colourbox.deDriving home for Christmas. Ja, schon. Aber wo ist Zuhause, wenn alle Familien besucht werden wollen? Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Wenn zwei sich finden und eine Familie gründen, heiraten sie meist den Anhang des Partners mit. Normalerweise ist das kein Problem. Doch wenn Weihnachten vor der Tür steht, muss es allen gerecht gemacht werden. Also ab ins Auto!

Manchmal beneide ich meine Eltern: Beide sind Einzelkinder, beide wohnten in unmittelbarster Nähe zu ihren Eltern, meinen Großeltern. Da war es keine Frage wo Weihnachten gefeiert wird, denn wenn alle unter einem Dach leben, variierte man höchstens in den Stockwerken. (Beliebt bei uns: Das Erdgeschoss, denn da hatte die Oma väterlicherseits immer etwas Süßes im Schrank)

Wir hingegen wohnen nicht einmal mehr in derselben Stadt wie unsere Eltern, sondern genau zwischen unseren Heimatorten. Als wir „nur“ ein Paar waren, war dieses Distanzproblem noch leicht zu lösen: Ich brachte meinen Freund zu seiner Familie, und noch am Heiligabend fuhr ich nach dem Frühstück von dort aus zu meiner Familie. Dann konnte jeder seinen Traditionen frönen.

Mit Kindern wurde es schwierig

Seitdem wir Kinder haben, ist es schwierig. Denn die Großeltern wollen die Kinder sehen. Die Kinder wollen die Großeltern sehen. Ich will meine Eltern sehen, mein Mann seine Mutter. Dazu kommen bei mir noch drei weitere Geschwister, die über Europa verstreut leben – und deren Patchwork- und Familienstrukturen für weitere Herausforderungen bei der Terminplanung sorgen.

Die zwei Geschwister meines Mannes wohnen ebenfalls nicht in der Nähe seiner Mutter, sein Bruder mitsamt Frau – die ihre Familie ja auch noch sehen will – und Kind sogar rund 600 Kilometer entfernt.

Treffen wird zum Weihnachtswunder

Bei all den Verpflichtungen und Verflechtungen ist es ein wahres Weihnachtswunder, dass wir es bis dato geschafft haben, in den vergangenen Jahren alle irgendwie zu treffen und niemanden zu verstimmen. Allerdings verlangt dies Planung – und Zugeständnisse.

Spätestens ab dem Tag vor Heiligabend sind wir unterwegs. Zuerst geht es zur Familie meines Mannes, denn dort ist dann auch der weit entfernt wohnende Bruder samt Familie anzutreffen. Und der erste Weihnachtsbaum.

Am ersten Weihnachtstag geht es nach dem Frühstück dann zu meiner Familie, wo der zweite Weihnachtsbaum inspiziert wird. Praktisch ist, dass für uns zuhause noch nie ein Baum besorgt, geschmückt und später entfernt werden musste.

Familie wartet vor dem Baum aufs Christkind: So war es schon immer und so geht Weihnachten – jedenfalls nach Meinung unserer Autorin. Foto: Berghahn

Andere Familien, andere Traditionen

Andere Familien feiern anders Weihnachten. Das ist schwer zu verstehen, schließlich ist Weihnachten in jeder Familie komplett durchritualisiert. Familie Hoppenstedt lassen grüßen.

Bei mir bedeutete dies: Erst Kirche, dann Warten aufs Christkind bis das Glöckchen klingelt, dann liest mein Vater die Weihnachtsgeschichte, dann Singen, dann Geschenke, dann Essen, dann durfte mit den Sachen gespielt werden, untermalt mit klassicher Musik.

Bei meinem Mann lief und läuft natürlich alles anders. Beispielsweise kommt dort der Weihnachtsmann, wer auspacken darf, muss sich dieses Privileg erwürfeln – und der Kirchgang ist kein Pflichtprogramm. Stattdessen erklingt „Last Christmas“ aus den Lautsprechern.

Neue Familien-Rituale schaffen

Aber Leben ist Veränderung – und gerade als junge Familie muss man sich seine Rituale selbst schaffen. So wie das seit drei Jahren fest angesetzte Backen der Plätzchen am 23. Dezember in der Küche der Omi. Und auch das Gefühl, zwischen den Jahren zwischen den Orten zu sein. Hauptsache, man sieht so viele liebe Menschen wie möglich, aber – um Stress zu sparen – auch nicht mehr als nötig.

Zugegeben, eigentlich beneide ich meine Eltern auch nicht um ihren Status als Einzelkinder, sondern um ihren Mut, vier Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Und um ihr Glück, dass diese sich trotz unterschiedlicher Wohnorte und Lebensumstände gerne bei den Eltern an Weihnachten treffen.

Eines ist jedenfalls sicher: Irgendwann einmal werden meine eigenen Kinder entsetzt reagieren, wenn ihre Partner von ihren Familien-Traditionen berichten, die sie für so gar nicht weihnachtlich halten.