Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Von wegen Pubertät erst als Teenie! Es gibt sie schon ab zwei Jahre

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„Alles doof hier“, mag dieses Kind denken. Wer weiß, vielleicht ist es in der Erste-Zähne-Pubertät. Foto: Colourbox.de„Alles doof hier“, mag dieses Kind denken. Wer weiß, vielleicht ist es in der Erste-Zähne-Pubertät. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Unsere Eltern-Kolumnistin ist überzeugt: Es gibt mehr als eine Pubertät. Der Beweis: ihre noch kleinen Kinder, die sich jetzt schon gerne mal in seltsame Wesen verwandeln.

In der vergangenen Woche hat der Wahl-Berliner Daniel Benedict darüber berichtet, wie es sich angefühlt hat, 2016 fast zur falschen Zeit auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gewesen zu sein – und dann unsere Kolumnistin gefragt: „Deine große Tochter ist sechs. Wie lange dauert’s da eigentlich noch bis zur Pubertät?“ Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

ganz klar Antwort: minus vier Jahre. Allerdings nur dann, wenn man die Pubertät nicht automatisch mit der Geschlechtsreife gleichsetzt, sondern mit der plötzlichen Verwandlung des süßen Kindes in ein launisches und gerne auch brüllendes rotköpfiges Wesen. Das passiert bei Kind 1 schon mit weniger als zwei Jahren.

Nun ist es sechs Jahre – und die Launigkeit kommt nach zwei guten, ausgeglichenen Jahren zurück. Vielleicht ist es auch das Wesen des Kindes, das zugegeben dem meinem nicht unähnlich ist in dem Alter. Nur weiß ich ja, dass es sich damit oftmals im Weg steht, wenn es aus einem uns Eltern und der Umwelt nicht nachvollziehbaren Grund traurig, beleidigt oder wütend ist.

Allerdings scheint es egal, was ich weiß, denn das Kind nimmt meine Tipps nicht an, kann vielleicht auch gar nicht aus seiner Haut. Das ist ok, denn jeder Mensch muss seine eigenen Erfahrungen machen – und Eltern sind höchstens da, bei Bedarf zu unterstützen.

Nachbarn werden wachgebrüllt

Kind 2 hat – ich berichtete ja schon einmal – einen noch weitaus ausgeprägteren Dickkopf als die große Schwester: Bei uns wird es daher oftmals sehr laut. Zum Leidwesen der Nachbarn leider schon dann, wenn wir Kind 2 in aller Frühe durchs Treppenhaus bugsieren. Nicht selten wird diese die kompletten 70 Stufen lang zusammengebrüllt. (Tschuldigung dafür, liebe Nachbarn!)

Der Grund dafür liegt zumeist in der Kleiderwahl: Entweder ist es die falsche Jacke, oder wir haben sie dem Kind angezogen, oder wir haben sie nicht angezogen, oder es fehlt die (richtige!) Mütze, die wir anziehen sollen – oder eben doch nicht. Oder so. Irgendwas ist eben immer. Und wir verlieren allmorgendlich ein paar Nerven.

Es gibt mehrere Pubertäten

In Eltern-Fachkreisen nennt man diese Phase bei Kind 2 Trotzphase – ich nenne sie erste Pubertät. Darauf gebracht hat mich eine Freundin, die irgendwo gelesen hat, dass Kinder drei Pubertäten haben: Die erste in der Zeit, wenn die letzten Milchzähne kommen, die zweite, wenn die ersten Milchzähne ausfallen und die bekannte dritte, wenn die Geschlechtsreife beginnt und die Hormone in Kopf und Körper Samba tanzen.

In der gelesenen Hypothese hieß es laut Freundin auch, dass nur eine dieser drei Pubertäten wirklich schlimm sei. Die Frage ist allerdings: Wie soll man das vergleichen? Besonders als Eltern, die aufgrund von Müdigkeit und Liebeshormonen eh alles Negative vergessen, jedenfalls in den ersten Jahren.

Trotzdem tröstet mich der Gedanke. Bei mir war die dritte Pubertät wenig ausgeprägt; es besteht also Hoffnung für Kind 1. Kind 2 hingegen kommt sehr nach meinem Mann. Es bleibt also spannend, und wird wahrscheinlich immer mal wieder sehr laut ...

Deine Corinna

PS: Schaust Du mit Deinen Kindern schon Weihnachtsfilme? Und wenn ja: Welche?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist erhältlich in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung sowie telefonisch unter 05 41/310-10 44.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer einen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die andere ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine fast zwei und vier Jahre alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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