Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Gibt es uns Eltern – und wenn ja, wie viele von uns?

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Ja, unsere Elternkolumnistin gibt es wirklich. Sie sieht allerdings anders aus als diese Frau, deren Bild man erhält, wenn man bei einer Bildseite „Xanthippe“ eingibt. Foto: Colourbox.deJa, unsere Elternkolumnistin gibt es wirklich. Sie sieht allerdings anders aus als diese Frau, deren Bild man erhält, wenn man bei einer Bildseite „Xanthippe“ eingibt. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. In der Urlaubszeit kann man als Eltern einfach mal wild vor sich hin philosophieren, findet unserer Eltern-Kolumnistin.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über seine Lieblings-Elterntypen berichtet und unserer Elternkolumnistin geschrieben: Eine Leserin hat gefragt, ob es uns beide wirklich gibt. Was meinst Du? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

eine schöne Frage für den Urlaub! So außerhalb des Alltags kann man sich über derlei Existentielles endlich einmal richtig Gedanken machen, ohne sich von diversen Arbeits- und Haushaltsdingen ablenken zu lassen. Passend dazu vertrete ich die Theorie, dass es deshalb weniger klassische Philosophinnen gibt, weil die zu sehr in die Hausarbeit eingebunden waren – um dank ihrer Tatkraft dann auch noch als ewige „Xanthippen“ gelten. Aber das ist ein wohl zu weites Feld.

Erst einmal kann ich die Leserin beruhigen: Diese Kolumne entspringt nicht dem fantasievollen Gehirn eines einzigen Schreibers, der womöglich ungebunden und ohne Kinder in einem Kellerloch haust. Denn es gibt uns wirklich. Wir kennen uns sogar schon seit dem Studium, arbeiten seit Längeren bei derselben Zeitung und pflegen auch außerhalb dieses Briefwechsels Kontakt. Unsere Kinder und die nur selten erwähnten Partner gibt es ebenfalls, wenn wir sie auch verfremdet darstellen.

Ich zerstöre, also bin ich

Ob ich Dich, lieber Daniel, und Deine Kinder jedoch jemals wieder in unsere Wohnung lassen werde, ist unklar: Beim letzten Besuch wurde der Kassetten-Rekorder zerstört, mit dem ich einmal ein Interview mit Adam Green aufnahm. (Wo bleibt der versprochene Ersatz, lieber Daniel? Kind 1 kann keine Fünf-Freunde-Kassetten mehr hören und nervt uns mit den Lego-Elves.)

Andererseits kann nur jemand etwas zerstören, der wirklich da ist. Sehr frei nach dem Philosophen René Descartes gilt daher: Ihr zerstörtet, also seid ihr.

Steuernummer und Existenz

Manchmal denke ich trotzdem, mich gibt es gar nicht – oftmals, wenn ich sehr, sehr müde bin und einen Virus weiterbrüte, den eines der Kinder aus der Kita mitgebracht hat. Meine Kinder jedoch lassen keine Zweifel daran, dass sie an meine Existenz glauben, denn sie wollen gerne immer irgendetwas von mir. Vielleicht gibt es mich sogar mehrmals: Als liebevolle Mami, konsequente Erzieherin, grundgütige Gattin, engagierte Angestellte, aufopferungsvolle Tochter und so weiter (einige dieser Attribute sind eventuell etwas übertrieben – aber das gibt es eben auch beim Philosophieren).

Meine Kinder gibt es ebenfalls, das beweisen nicht allein die Spuren, die sie hinterlassen, sondern ihr sogar staatlich anerkanntes Sein: Der allererste Brief, den beide jeweils bekamen, war ihre Steuernummer. Aus langjähriger Erfahrung mit dem Finanzamt weiß ich: Was eine Steuernummer hat, das existiert – und muss irgendwann zahlen. Basta.

Deine Corinna

PS: Ab welchem Moment wusstest Du, dass Du jetzt wirklich Vater bist?

Das Buch zur Kolumne gibt es jetzt auch:

Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist erhältlich in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung, online unter noz.de/shop sowie telefonisch unter 05 41/310-10 44 (Mo.–Fr. 9–16 Uhr).


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer einen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die andere ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine fast zwei und vier Jahre alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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