Privat vs. gesetzlich versichert Kind krank: Wer darf daheim bleiben – und wer zahlt dafür?

Das Kind ist krank und muss zu Hause versorgt werden. Klingt naheliegend, ist aber arbeitsrechtlich oft gar nicht so einfach. Foto: dpaDas Kind ist krank und muss zu Hause versorgt werden. Klingt naheliegend, ist aber arbeitsrechtlich oft gar nicht so einfach. Foto: dpa

Osnabrück. Soll ich mein Kind besser privat oder gesetzlich krankenversichern? Wie viele Tage kann ich von der Arbeit fernbleiben, wenn mein Kind krank ist – und von wem bekomme ich Kinderkrankengeld? Was Familien rund ums Thema Krankheit und Krankenversicherung wissen sollten – und warum es kompliziert wird, wenn ein Partner privat versichert ist.

Soll ich mein Kind privat oder gesetzlich versichern?

Der einfachste Fall ist sicher dieser: Die Eltern sind beide gesetzlich versichert. Dann kann das Kind kostenlos familienversichert werden – wobei es egal ist, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht. Nicht möglich ist eine Familienversicherung dann, wenn alle folgenden Punkte zutreffen, erläutert Kai Kirchner von der niedersächsischen Verbraucherzentrale:

  • Die Eltern sind verheiratet
  • Ein Elternteil ist privat versichert
  • Der privat Versicherte verdient mehr als der gesetzlich Versicherte
  • Der privat Versicherte verdient mehr als 56.250 Euro im Jahr

Aber ist eine private Versicherung nicht ohnehin besser für das Kind? „Wenn eine kostenfreie Familienversicherung möglich ist, bedeutet eine zusätzliche private Krankheitskostenvollversicherung nur eine unnötige finanzielle Mehrbelastung“, sagt Kirchner. „Über die Familienversicherung bekommt das Kind alle notwendigen Leistungen. Wenn es wichtig ist, einen Privatpatienten-Status zu haben und ein Ein- oder Zweibett-Zimmer im Krankenhaus, dann kann eine zusätzliche private Versicherung sinnvoll sein.“

Beamte bilden allerdings eine Ausnahme – denn bei ihnen greift die Beihilfe, sodass eine Privatversicherung deutlich günstiger wird.

Das Kind ist krank – und nun?

Arbeitsrechtlich kompliziert wird es, wenn das Kind krank wird. Der einfachste Fall lautet auch hier: Beide Partner sind gesetzlich versichert.

  • Für gesetzlich Versicherte gibt es beim Kinderarzt einen „blauen Schein“, der dem Arbeitgeber vorgelegt und bei der Krankenkasse eingereicht werden muss. Die Krankenkasse kommt dann für die Fehltage auf.

Jeder Elternteil darf für die Betreuung des kranken Kindes zehn Arbeitstage im Jahr freinehmen. Alleinerziehende haben Anspruch auf 20 Tage. Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Zahl der Krankheitstage. Bei weiteren Kindern gibt es aber eine Obergrenze von 25 Tagen pro Elternteil und 50 Tagen bei Alleinerziehenden. Voraussetzung für die Freistellung nach §45 SGB V ist, dass das Kind noch keine zwölf Jahre alt ist, die Betreuung aus ärztlicher Sicht erforderlich und durch ein ärztliches Zeugnis bestätigt ist und im Haushalt keine andere Person lebt, die das Kind betreuen kann.

  • Regelung für privat Versicherte: Für Kinder, die privat versichert sind, erhalten die Eltern kein Kinderkrankengeld. Hier zieht der §45 SGB V nicht, dafür gilt ein anderer Paragraf: §616 BGB – „Vorübergehende Verhinderung“ . Der Paragraf legt fest, dass ein Arbeitnehmer in bestimmten Notfällen bezahlt fehlen darf. Mit Notfällen sind Todesfälle im engsten Familienkreis gemeint, zudem Gerichtstermine, die eigene Hochzeit – wobei hier der Begriff „Notfall“ etwas kurios erscheinen mag – und die Erkrankung eines Kindes.

Um die Notwendigkeit der Betreuung zu belegen, genüge es, eine formlose Bescheinigung des Kinderarztes beim Arbeitgeber vorzulegen, sagt Kai Kirchner von der Verbraucherzentrale. (Weiterlesen: Wenn Eltern kranke Kinder in die Kita bringen)

Der Haken an der Sache

Ganz so einfach ist es mit der „vorübergehenden Verhinderung“ nach §616 BGB aber doch nicht: „Der Haken an der Sache ist die Länge der Freistellung. Eine ausdrückliche gesetzliche Regelung gibt es tatsächlich nicht“, sagt Prof. Marcus Bieder vom Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht an der Universität Osnabrück. Der Begriff der „verhältnismäßig nicht erheblichen Zeit“ in § 616 BGB beschreibe keine starre Grenze, sondern hänge im Einzelfall davon ab, wie lange das Beschäftigungsverhältnis schon besteht und noch bestehen wird, erläutert der Jurist. Bei fest Angestellten mit unbefristeten Verträgen orientieren sich viele Arbeitgeber an den Vorgaben, die für gesetzlich Versicherte gelten – also an den zehn Tagen. Jedoch: „In der einzigen höchstrichterlichen Entscheidung, die mir bekannt ist, hielt das Bundesarbeitsgericht fünf Tage im Regelfall für ausreichend lang“, so der Professor. (Weiterlesen: Wann muss ich ein Baby nach der Geburt krankenversichern?)

Und noch ein Haken

Eltern sollten unbedingt einen Blick in ihren Arbeitsvertrag werfen – denn es ist gut möglich, dass der §616 BGB hier ausgeschlossen wurde. „Relevant sind die einschlägigen tariflichen Regelungen einer Branche und die freiwilligen Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber“, sagt Dominik Heck vom Verband der Privaten Krankenversicherung.

Sonderfall Beamte

Bundesbeamte haben Anrecht auf einen Sonderurlaub von gerade einmal vier Tagen für die Pflege ihrer kranken Kinder, das allerdings bei vollem Lohn. Bei den Beamten der Bundesländer variieren die Regelungen je nach Region, aber meistens gilt auch hier die Vier-Tage-Regel. Zudem haben alle Beamten die Möglichkeit, unbezahlten Sonderurlaub zu nehmen. (Hier geht es zur Niedersächsischen Sonderurlaubsverordnung)

Weiterlesen: Worüber sich Erzieher ärgern

Keine gute Idee: sich selbst krank schreiben lassen

Zwölf Infekte sind bei einem Kindergartenkind pro Jahr durchaus üblich –aber was sollen Eltern tun, denen keine freien Tage mehr zur Verfügung stehen? Manch einer mag auf seiner Verzweiflung auf die Idee kommen, sich selbst krankschreiben zu lassen. Das kann im Zweifel aber ein Grund für eine fristlose Kündigung sein.


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