Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne „Nexo Knights“, oder: Der leider neue heiße Scheiß im Kinderzimmer

Die Filly-Entourage huldigt den „Nexo Knights“ im Zimmer von Kind 1 unserer Eltern-Kolumnistin. Foto: BerghahnDie Filly-Entourage huldigt den „Nexo Knights“ im Zimmer von Kind 1 unserer Eltern-Kolumnistin. Foto: Berghahn

Osnabrück. Ritter im Mittelalter, die per Computermagie böse Geister vertreiben? Willkommen bei den „Nexo Knights“, dem neuen heißen Scheiß im Kinderzimmer, wie unsere Elternkolumnistin seit Wochen leidvoll erfahren muss.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über den Urlaub mit Kinder (der für die Eltern keiner mehr ist) berichtet und unsere Elternkolumnistin gefragt: Dein Kind liebt „Nexo Knights“? Was ist das? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

freue Dich, dass Du noch im Tal der Ahnungslosen lebst. Als Mutter eines fast fünfjährigen Kindes habe ich schon so manchen Quatsch mitgemacht, doch dazu später… (Das Who-is-Who im Kinderzimmer: Von Conni über Schleich bis zur Monster High alle vorgestellt)

Die „Nexo Knights“ sind seit Winter 2015 auf dem Markt – und erobern immer mehr Kinderzimmer in der Republik. Leider auch das von Kind 1, denn seitdem es bei einer Freundin eine Folge der Trickserie gesehen hat, ist sie ein großer Fan. Seltsamerweise gewann zeitgleich mein Mann zwei CDs und DVDs zur Serie. Seitdem erschallt es allabendlich „Steh auf, sei stark, lalala bämbäm, rettet unsere Zukunft, Nexo Knights“ aus dem Kinderzimmer. Das Intro habe ich vielleicht etwas verkürzt, aber es reicht ja, wenn mein Kind mitsingen kann.

Gute Ritter, böses Buch und ein Hologramm

Der Inhalt ist ein einziges Paradox: Im mittelalterlichen Reich Knighton, das über Strom, Technik, einen TV-Sender und Computer verfügt, will der böse gewordene Hofnarr Jestro zusammen mit dem noch böseren „Buch der Monster“ die Herrschaft von König Halbert klauen. Doch des Königs Ritter, die Nexo Knights, kämpfen gegen die vom Buch zum Leben erweckten Monster. Unterstützt werden die Helden von einem holografischen Zauberer namens Merlok 2.0, der aussieht wie Dumbledore. Muss ich erwähnen, dass am Ende jeder Folge die Ritter gewinnen, aber die Schurken noch schurkischere Pläne schmieden und ein Ende der Serie daher nicht abzusehen ist?

Kein Wunder: Die „Nexo Knights“ sind nichts anderes, als Legos neuester Versuch, Eltern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es gibt ja schon „Ninjago“, also Lego meets Ninjas. Noch klassischer ist die „Star Wars“-Reihe – und ein super Deal für Lego: Alles aus dem unendlichen und nie versiegendem Star-Wars-Universum gibt es bei Lego zu kaufen. Da bin ich fast etwas neidisch, denn ich musste mir in den 80ern den Millennium Falken selbst aus den von den Geschwistern geerbten Legosteinen zusammenbasteln. (Weiterlesen: Was ist gutes und schlechtes Spielzeug für Kinder?)

Noch schlimmer: Lego Friends

Die „Nexo Knights“ sind auch nicht ganz schlecht, denn in einer Folge kämpfen sie gegen einen Schwarzen Roboter-Ritter, der nach und nach Arme und Beine verliert.  Monthy Pythons „Ritter der Kokosnuss“ lassen grüßen. Noch schlimmer sind die „Lego Friends“, also Lego für Mädchen, mit Figuren die in einer Welt aus rosa Ponyhöfen, Highschooldramen und Frisören leben. Auch hiervon besitzt Kind 1 ein Hörspiel, dessen Inhalt Kopfweh verursacht.

Und es wird nicht besser: Lego Elves bietet Elfen aus Elvendale nebst ihrer großen Entourage aus niedlichen Drachen und anderem Schnickschnack. Wenigstens ist es Lego, sprich: Das Kind kann sich damit seine eigene Welt erbasteln – und Eltern können sich dann auf den schon lang nicht mehr verspürten Schmerz freuen, wenn sie barfuß auf Legosteine treten. Neu ist allerdings, dass es zu jeder Reihe eine eigene Zeitschrift gibt, die sich die Kinder jetzt im Supermarkt erquengeln können.

Wenn es dann mal zuviel nervt, kann man sich wenigstens damit trösten, dass all der Kram irgendwann sowieso unpopulär wird. So wie der glitzernde „My little Pony“-Abklatsch „Filliys“ oder der spießige „Leo Lausemaus“ hoffentlich bald bei uns.

Wer He-Man oder She-Ra mochte, darf sich nicht beschweren!

Allerdings ist es sowieso Zeitverschwendung, sich über Spielzeug aufzuregen: Zum einen muss es dem Kind gefallen, nicht uns. Mag es auch noch so doof sein. (Außerdem: „Schlechtes Spielzeug fasziniert Kinder nur kurz“, erklärt eine Expertin hier im Interview)

Zum anderen war ich selbst früher nicht besser: Ich mochte sogar She-Ra, die Schwester von He-Man, die auf einem Nachbarplaneten mit gefühlt hunderten weiterer Figuren lebte. Alles Charaktere natürlich, die allein erfunden wurde, um Spielzeug zu verkaufen. Und die ich haben wollte. Da kann ich meinen Kind seine Liebe zum Hightech-Mittelalter nun wirklich nicht vorwerfen.

Deine Corinna

PS: Wie läuft die Eingewöhnung?

Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert und fühlt sich bein nächtlichen Füttern ihres Babys oftmals wie ein Zombie. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Einjährigen, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie hier einander das Herz aus.


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