Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Bekenntnisse einer Rabenmutter: Babykram ist langweilig

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Tolle und kreative Babyspiele? Kennt unsere Kolumnistin nicht. Gut, dass Kuscheln und Schmusen auch immer geht. Foto: ColourboxTolle und kreative Babyspiele? Kennt unsere Kolumnistin nicht. Gut, dass Kuscheln und Schmusen auch immer geht. Foto: Colourbox

Osnabrück. Mit Babys kann man sicher eine tolle Zeit erleben. Allerdings fällt unserer Elternkolumnistin kein Spiel ein, mit dem sie bei anderen Eltern Eindruck schinden könnte.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict unsere Elternkolumnistin gefragt: Geht‘s Dir auch so, dass Dir die tollsten Babyspiele aus der ersten Elternzeit beim zweiten Kind keinen Spaß mehr machen? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

Im Gegenteil! Dieses Mal macht mir die ganze Elternzeit mehr Spaß als bei Kind 1! Trotz Schmerzen – ich berichtete ja schon vom Steißbeinbruch bei der Geburt. Denn ich bin viel gelassener als damals.

Die erste Zeit mit Kind 1 ist allerdings auch schon fast vergessen: Nur noch vage erinnere ich mich an die Freude gepaart mit ziemlich viel Angst, das zarte Baby kaputtzumachen. Dieses Mal weiß ich ja, was alles nicht passieren muss, und bin dementsprechend beruhigt. Das merkt auch Kind 2 und ist wesentlich entspannter, als Kind 1 je war. (Weiterlesen: Die erste Nacht Zuhause – und die Angst um das Kind)

Tolle Babyspiele? Ich kenne keines!

Trotzdem ist diese Phase nicht meine liebste mit Kindern: Daher frage ich mich auch, was Du mit „tollsten Babyspielen“ meinst. Ich kenne nicht einmal tolle Babyspiele! Wahrscheinlich bin ich arg unkreativ, aber meine „Spiele“ mit Kind 2 beschränken sich auf: Rumtragen und Autos gucken, Schmusen, Rumtragen und Wohnung gucken, Kuscheln, Rumtragen und Bücher angucken, mich hinter einem Tuch verstecken und „Kuckuck“ rufen, Rumtragen und nochmal Autos gucken.

Kurzzeitig lässt sich Kind 2 auch mal mit dem Spielebogen beschäftigen. Wenn Mama oder Papa dabei sind. Ansonsten: Mecker. Also wieder Rumtragen. Denn liegt das Kind, fängt es an zu nölen. Liegt es noch länger, wird daraus lautes Gebrüll. (Weiterlesen: Was ist gutes und schlechtes Spielzeug für Kinder?)

Das kann wiederum Kind 1 nicht ertragen, welches sofort mit vorwurfsvoller Miene zu mir sagt: „Kind 2 weint! Hilf ihm! Sofort!“ Praktisch, denn so muss ich nicht einmal das Haus verlassen, um mich als Rabenmutter zu fühlen. (Weiterlesen: Regretting Motherhood? Non, je ne regrette rien!)

Babykurse? Nichts für mich!

Vielleicht meinst Du mit den „tollsten Babyspielen“ ja auch Kurse wie Pekip oder Snoezelen. Da kann ich wegen des Bruches nicht hin. Allerdings war ich schon mit Kind 1 nur einmal in einem solchen Kurs.

Dort berichtete die Mutter zu meiner Linken mir stolz, dass sie ihr 1,5 Jahre altes Kind noch nie länger als 8 Stunden in der Obhut anderer gelassen hat. Nicht einmal in der des Vaters, weil der ja nicht alles richtig machen würde, sprich: so machen würde, wie sie es für richtig hält. Ich hingegen erzählte ihr fröhlich, dass mein Mann und ich unser vier Monate altes Kind gutes Gewissens zu einer Tagesmutter gegeben haben. Daraufhin wurde die Stimmung zwischen der besorgten Mama und mir irgendwie weniger mütterlich. (Weiterlesen: Wenn Eltern glucken, werden alle verrückt)

Juhuu: Langweile macht kreativ

Die Mutter zu meiner Rechten wurde leider auch nicht meine Freundin, denn sie propagierte das Landleben und den Hausbau als einzig wahren Weg, um Kinder glücklich zu machen.

Mir ist das generell egal, Hauptsache das Kind schläft nicht unter der Küchenbank. Aber scheele Blicke zu ernten, nur weil ich gerne mitten in der Stadt lebe, muss ja auch nicht sein. Ich ging also nie wieder hin. Daher habe ich wohl auch keine tollen Babyspiele kennengelernt, mit denen ich in der „Nido“ Eindruck schinden könnte.

Allerdings heißt es ja, dass Kinder am kreativsten werden, wenn man ihnen möglichst wenig bietet und sie sich langweilen. Perfekt! Bis dem Kind selbst etwas einfällt, trage ich es also weiter durch die Wohnung und bekuschel es. Und mit tollen Babyspielen kann ich ja immer noch bei den Enkeln auftrumpfen.

Deine Corinna

PS: Verzeih den Ausdruck, aber: Kennst Du Arschlochkinder?

Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, gerade wieder Mutter geworden, hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Babys, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie hier einander das Herz aus.


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