Erziehungstipp Wie bekomme ich abends mein Kind ins Bett?

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Osnabrück. Es ist wohl die Frage, die Eltern am meisten beschäftigt: Wie um Himmels Willen bekomme ich mein Kind abends ins Bett? Hier unser Expertentipp.

  • Feste Abendrituale
  • Vorbereitung ist die halbe Miete
  • Das Kind nicht zu spät ins Bett legen
  • Zur Not tut‘s auch die Mediathek

Abends herrscht in vielen Familien Affentheater: Die Eltern wollen ihre Ruhe, das Kind nicht ins Bett. Die romantische Vorstellung, seinem Kind noch eine kurze Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, es zuzudecken, noch einen Kuss zu geben und dann aus dem Zimmer zu verschwinden, klappt wohl in den wenigsten Familien. „Das Thema Einschlafen ist sicher ein Dauerbrennerthema in der Erziehung“, sagt Maria Große Perdekamp von der Online-Beratungsstelle der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). „Eltern sollten Abendrituale entwickeln und sich auch konsequent daran halten – und nicht alles auf den letzten Drücker erledigen. Das endet nur in Stress für alle“, sagt die Diplom-Pädagogin.

„Alles“ heißt: Abendbrot, Zähne putzen, Schlafanzug anziehen, Sandmännchen gucken, eine Gute-Nacht-Geschichte lesen, ein Gute-Nacht-Lied singen – und schließlich friedlich einschlafen. (Weiterlesen: Therapie-Wahnsinn – Sind unsere Kinder noch normal?)

Monster unter dem Bett und schrecklicher Durst

Schön wär‘s. Wer einmal das Buch „Gute Nacht, Willi Wiberg“ vorgelesen hat, weiß, dass Kinder abends gerne um jede Minute Nicht-schlafen-müssen feilschen. Da sind plötzlich Monster unter dem Bett, das Kind hat unerträglichen Durst, der Teddy fehlt oder es muss noch einmal aufs Töpfchen. „Das lässt sich alles bereits in Abendritual einbauen“, meint Maria Große Perdekamp. Ein letztes Mal Töpfchen, eine Trinkflasche neben das Bett, ein Blick unters Bett – und der Teddy sollte ohnehin immer bereit liegen.

Aber selbst wenn all das gegeben ist, selbst wenn das Kind den ganzen Tag auf dem Spielplatz getobt hat und sich müde gespielt hat – selbst dann gibt es die kleinen Stehaufmännchen, die behaupten: „Bin gar nicht müde!“ (Weiterlesen: Eine Familie, ein Bett – mehr braucht man nicht)

Warum Kinder abends noch einmal auftreten

„Gerade der Abend ist für Kinder einfach sehr interessant“, sagt Maria Große Perdekamp. Die ganze Familie sei dann da, so dass es wenig verwunderlich sei, dass gerade nach dem Abendessen viele Kinder noch einmal schön spielen. Also die Kinder einfach spielen lassen, bis sie vor Müdigkeit ins Bett fallen? Davon rät die Pädagogin ab: „Wenn Kinder sehr müde und von Reizen völlig überflutet sind, wird alles noch viel anstrengender.“ Oft hätten die Kinder dann zu viele Eindrücke erfahren und das Schlafen sei dann von Schreien und Weinen begleitet. „So findet das Kind nicht entspannt in die Nacht.“ (Weiterlesen: Was tun gegen Monster im Kinderzimmer?)

Neben dem Bett sitzen bleiben?

Aber wenn es dann einmal vollbracht ist, dass das Kind endlich im Bett liegt – dann müssen Eltern oft genug noch neben selbigem ausharren, damit keine Tränen fließen. „Alleine einschlafen zu können ist ein Ausdruck emotionaler Selbstständigkeit“, erläutert Maria Große Perdekamp. Und die erreichen Kinder nicht von heute auf morgen. Nicht selten dauere es bis zum Schuleintrittsalter, bis die Kinder diese Fähigkeit erlangt haben. Und so verständlich der Wunsch der Eltern ist, irgendwann auch einmal Feierabend zu haben und einen Film anschauen zu können – von Schlaflernprogrammen, bei denen Kinder immer wieder kurz allein im Schlafzimmer gelassen werden, auch wenn sie dabei weinen, raten die meisten Pädagogen ab. Auch Maria Große Perdekamp sieht es als die Aufgabe der Eltern an, dem eigenen Kind dabei zu helfen, einen Tag friedlich zu beenden und sich selbst dabei nicht zu sehr unter Druck zu setzen. „Den Film kann man sich auch noch später in der Mediathek ansehen.“

Weiterlesen: Was tun, wenn Kinder ihre Eltern schlagen?


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