„Ich war wie in Trance“ Wenn Eltern sich trennen: Allein mit zwei Kleinkindern

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Jedes fünfte Kind wächst in Deutschland bei nur einem Elternteil auf. Eine junge Mutter schreibt auf ihrem Blog, wie es sich anfühlt, plötzlich alleinerziehend zu sein. Symbolfoto: colourbox.deJedes fünfte Kind wächst in Deutschland bei nur einem Elternteil auf. Eine junge Mutter schreibt auf ihrem Blog, wie es sich anfühlt, plötzlich alleinerziehend zu sein. Symbolfoto: colourbox.de

Osnabrück. Jedes fünfte Kind wächst in Deutschland bei nur einem Elternteil auf. Eine junge Mutter berichtet, wie es ist, wenn mit einem Schlag das Familienleben zerbricht. Und wie es sich anfühlt, mit zwei kleinen Kindern allein dazustehen.

„Es traf mich wie ein Schlag. Plötzlich alleinerziehend. Mit zwei Kindern unter zwei Jahren und einem Haushalt. Kein Auto. Nichts.“

So schreibt die 21-jährige Lisa Frey über die Trennung von ihrem Freund und Vater ihrer beiden Kinder (ein und zwei Jahre alt). Auf ihrem Blog geborgenundgeliebt.de berichtet sie sehr offen darüber, wie es ist, mit einem Mal allein dazustehen. „Am Tag, als er Schluss gemacht hat, war es mir fast egal“, erzählt sie uns. Wie in Trance sei sie gewesen. „Vier Tage später war ich emotional am Ende. Ich hätte den ganzen Tag weinen können.“

Ohne Kinder noch zusammen

Was genau zur Trennung geführt habe? Das ist schwer zu sagen. „Über Probleme zu sprechen war leider nie seine Stärke.“ Doch sie will nicht schlecht über ihn reden. „Wir sind Freunde.“ Knapp drei Jahre waren sie zusammen. „Ohne Kinder wären wir es sicherlich noch. Ich habe mich unglaublich verändert durch meine Kinder. Aber das ist der Lauf des Lebens – man verändert sich.“ Und auch wenn es wohl schließlich der Stress war, das Leben mit zwei kleinen Kindern zu meistern, der die Beziehung zerstörte, sagt die 21-Jährige: „Meine Kinder sind das Beste, was mir und sicher auch ihm passiert ist.“

Fast immer bleiben die Kinder bei der Mutter

Nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wächst jedes fünfte Kind in Deutschland bei nur einem Elternteil auf – und zu 90 Prozent sind es die Mütter, bei denen die Kinder leben.

Lisa Freys Umfeld reagiert mit Unverständnis auf die Trennung des Paares: „Die meisten sagen, dass er mich doch nicht einfach mit zwei kleinen Kindern allein lassen kann. Sie sind sprachlos und empört.“ Hilfe bekomme sie wenig. Zumindest fühle es sich so an, sagt sie. Aber womöglich sei sie da auch undankbar. Eine Freundin habe ihr einfach so den letzten Einkauf bezahlt, „solche Freunde findet man nicht überall“. Und ihre Mütter müsse eben selbst viel arbeiten und könne sie daher nicht immer unterstützen. „Das meiste bleibt an mir hängen. Ich muss sehen, wie ich zurechtkomme.“

Geldsorgen

Zu allem Überfluss wurde die Kleinste auch noch krank. Mittelohrentzündung. Auf ihrem Blog schreibt sie:

„Beide schreien, und ich bin kurz vorm Ausrasten. Ich schreie rum, als wäre das eine Lösung, damit die beiden ruhig sind. Nein, natürlich sind sie das nicht. Sie schreien noch mehr, weil sie nun Angst haben. Und Scheiße, die habe ich auch.“

Das Finanzielle bereitet ihr Kopfzerbrechen. „Mein einziges Einkommen sind das Eltern- und das Kindergeld.“ Hinzu komme der Unterhalt, den ihr Freund zahle. Die Schule musste Lisa Frey wegen der Schwangerschaft abbrechen. „Ich möchte nicht vom Amt leben. Ich möchte mein eigenes Geld verdienen und trotzdem bei meinen Kindern sein.“

Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ist das Armutsrisiko bei alleinerziehenden Müttern deutlich erhöht, zudem leiden sie häufig an chronischen körperlichen und psychischen Erkrankungen. Auch das Risiko, depressiv zu werden sei bei alleinerziehenden Müttern im Vergleich zu Müttern, die in einer Partnerschaft leben, bis zu dreimal höher.

Lisa Frey versucht, optimistisch in die Zukunft zu blicken: „Nun sitze ich hier. Mit zwei Kindern. Die Nächte werden ruhiger – das Fieber der Kleinen ist endlich weg und die Antibiotika schlagen an. Der Haushalt lässt sich nebenbei machen, und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es gar nicht mehr so viel zu tun gibt. Ein neues Leben erwartet mich. Uns.“


Informationen zu Rechten von alleinerziehenden Vätern und Müttern sowie Tipps für den Alltag bietet der Verband alleinerziehender Mütter und Väter. Eine ausführliche Broschüre gibt es im Internet. Hilfe vor Ort bieten die Landesverbände. Der Landesverband Niedersachsen hat seinen Sitz in der Arndtstraße 29 in Osnabrück (Tel. 0541/25584).

Viele Tipps und Kontakte bietet auch der Blog mutterseelendalleinerziehend.de : Vom Studieren mit Kind, dem Stigma „alleinerziehend“, der Sehnsucht nach Freiheit und der allgemeinen Erschöpfung. Und das alles mit viel Charme und ja – auch mit Humor.

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