Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Was tun, wenn unser Kind andere Eltern cooler findet als uns?

Gibt es vielleicht etwas uncooleres als die eigenen Eltern?! Foto: Colourbox.deGibt es vielleicht etwas uncooleres als die eigenen Eltern?! Foto: Colourbox.de
Dmitri Maruta

Osnabrück. Was haben andere Eltern, was wir nicht haben? Das fragt sich bisweilen auch unsere Elternkolumnistin.

In der vergangenen Kolumne hat Daniel Benedict vehement gefordert, dass überkandidelte Kindergeburtstage verboten werden. Und dann unsere Elternkolumnistin gefragt: "Was antwortest du, wenn Deine Kinder andere Eltern viel besser finden als Dich?" Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

Deine Frage trifft einen wunden Punkt bei mir. Denn in der Tat: Meine Kinder, alle beide, mögen es bisweilen woanders lieber als bei uns, oftmals ganz explizit sogar als bei mir. Letzteres ist nicht neu: Kind 1 und 2 sind Papa-Kinder. Das ist kein Wunder, schließlich übernimmt er seit ihrer Geburt den größeren Teil der Care-Arbeit. Das ist neudeutsch und bedeutet: Er kümmert sich anteilmäßig mehr um den Alltag der Kinder als ich. 

ÜBER DIE ELTERNKOLUMNE

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhne weniger Geschenke kriegen. Auf www.noz.de/elternkolumne schütten sie einander das Herz aus.

Dies sorgt dafür, dass er oftmals der einzig von ihnen gewollte Ansprechpartner ist. Und wenn man das weinende Kind trösten will, es brüllt einem aber ein "Nein, Papa soll das machen!" entgegen, ist das weder schön für ihn noch für mich. Mich lässt es geknickt zurück, meinen Mann mitunter genervt. 

Eltern-Skills werden verglichen

Was später dazu kommt, sind die Vergleiche mit anderen Eltern: Ist man für sein kleines Kind noch eine unfehlbare, mitunter gottgleiche Gestalt, die alles kann, weiß und darf, ändert sich diese Sicht mit Eintritt in die Schule. Kind 1 jedenfalls vergleicht unsere Eltern-Skills mit denen der Eltern ihrer Freunde. Noch allerdings eher um den Faktor des Habendürfens: Warum darf XY den Film schon sehen? Einen Hund? Alles von Lego-Friends? Ein Handy? Wie uncool sind eigentlich meine Eltern!


Bei Übernachtungen bei anderen genießt Kind 1 diese Dinge. Bei uns hingegen musste eine der Freundinnen das Handy abgeben, als es zum Schlafen ging. Wer weiß, was dieses Kind nun von uns denkt. Wahrscheinlich: Zuhause ist es doch am Schönsten! Unser Kind dachte jedenfalls: Frechheit! Warum darf ich erst ein Handy mit mindestens zehn Jahren haben?!

Woanders schmeckt es immer besser

Ein Mysterium ist auch, dass beiden Kindern in der Fremde Dinge schmecken, die sie uns nicht mal auf den Teller spucken würden. Mit normalem Käse belegte Brötchen werden bei uns nicht angerührt, im Hort aber munter verputzt. Oder die Sache mit dem Joghurt: Meine Schwester berichtete mir, dass beide Kinder bei ihr diesen ganz bestimmten Joghurt im Akkord verputzt hätten. Wir kauften ihn auch – und er wurde nicht angerührt. Die Begründung: "Der schmeckt eben nur, wenn er von den Tellern bei Tante Conny gegessen wird." Achso. Na, dann... Wir haben verstanden: Woanders ist es oft lustiger, oft leckerer und fast immer spannender als bei uns. 

Eltern: Tut nicht so, als wärt ihr cooler als eure Kinder!

Was wir trotzdem versuchen zu vermeiden: Uns anzubiedern. Nichts ist peinlicher als Eltern, die betont cool tun, um dabei zu scheitern:


Ich selbst habe Eltern, die ich in meiner Jugend oftmals als etwas dröge und arg konservativ empfand. Aber sie waren eben Eltern und nicht meine Freunde. Das vermittelte mir Sicherheit – und in der Retroperspektive war es genau das, was ich als Kind von ihnen brauchte.

Erst einmal sind wir Eltern wohl einfach nur für ein sicheres und strukturiertes Basislager zuständig, von dem aus unsere Kinder in ihr Leben kraxeln. Das mag der Nachwuchs öde und später auch nervig finden, es aber irgendwann einmal (hoffentlich!!!) honorieren. Und sei es auch nur als Erinnerung an die noch relativ heile Welt ihrer Kindheit.

Deine Corinna

P.S.: Du warst im Urlaub mit den Kindern! Hast Du ein Katastrophenerlebnis zu berichten?


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