Traurigkeit und Einsamkeit Empty-Nest-Syndrom: Darum leiden Eltern, wenn das Kind auszieht

Wenn Kinder eigenständig werden und sogar ausziehen, beschleicht manche Eltern das Gefühl der Traurigkeit und Einsamkeit. Dann sprechen Psychotherapeuten von dem sogenannten Empty-Nest-Syndrom. Symbolfoto: dpaWenn Kinder eigenständig werden und sogar ausziehen, beschleicht manche Eltern das Gefühl der Traurigkeit und Einsamkeit. Dann sprechen Psychotherapeuten von dem sogenannten Empty-Nest-Syndrom. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Wenn Kinder eigenständig werden und sogar ausziehen, beschleicht manche Eltern das Gefühl der Traurigkeit und Einsamkeit. Dann sprechen Psychotherapeuten von dem sogenannten Empty-Nest-Syndrom. Wie können Eltern am besten mit diesen Gefühlen umgehen? Und wann sollten sich Betroffene professionelle Hilfe suchen?

Verlassene Kinderzimmer, Stille im Haus und ein leerer Esstisch: Wenn Kinder ausziehen, verändert sich das Familienleben drastisch. Einige Eltern befällt dann das sogenannte Empty-Nest-Syndrom. "Damit ist eine normale emotionale Reaktion der Eltern gemeint, die mit Traurigkeit und Melancholie einhergeht, wenn die Kinder flügge werden", erklärt der Psychotherapeut Johannes Vennen. Der 54-Jährige betreibt in Kiel eine psychologische Praxis für Männer und Väter und eine psychotherapeutische Praxis in Rendsburg. Auch manche Patienten von Vennen haben es mit dem Empty-Nest-Syndrom zu tun. 

Davon seien beide Geschlechter betroffen, allerdings auf unterschiedliche Art und Weise. "Da Frauen sich meistens mehr um die Kindererziehung kümmern, fragen sich Mütter nach dem Auszug der Kinder häufiger: 'Wer bin ich nun, wenn ich keine Vollzeitmutter mehr bin?'", erklärt Vennen. Männer hadern dagegen mit anderen Dingen. "Männer fragen sich häufig, ob sie zu viel gearbeitet haben und ob sie dadurch nicht zu viel von ihrem Kind verpasst haben", sagt der Therapeut. 

Nach Angaben des Therapeuten tritt das Empty-Nest-Syndrom bereits vor dem Auszug der Kinder auf. "Das Gefühl von Traurigkeit bei Eltern kann schon auftreten, wenn Kinder in die Pubertät kommen und unabhängiger werden, es somit also zu einer größeren Distanzierung von den Eltern kommt". 

Was können Betroffene tun, wenn sie unter dem Empty-Nest-Syndrom leiden? 

"Es ist wichtig, präventiv zu wirken", sagt Vennen. Der Therapeut rät dazu, schon vorher zu planen, was man mit seiner Zeit anfangen wird, wenn das Kind einmal ausgezogen ist. Außerdem rät Vennen dazu, neue Lebensinhalte zu entwickeln oder neu zu aktivieren. "Männer, die befürchten, wegen ihrer Arbeit zu viel vom Kind verpasst zu haben, können den Kontakt nachholen und und die Beziehung vertiefen", sagt Vennen. Mütter hingegen verspüren zu dieser Zeit ein größeres Autonomiebedürfnis. Sie könnten sich zum Beispiel wieder mehr ihrem Beruf zuwenden oder eine andere Tätigkeit finden, die ihnen Spaß macht. "Eine meiner Patientinnen hat zum Beispiel nach dem Auszug des Kindes angefangen, in der Grundschule vorzulesen", berichtet Vennen. 

Wann sollten sich Betroffene professionelle Hilfe suchen?

Das Gefühl von Traurigkeit und Einsamkeit ist normal, wenn Kinder aus dem Haus gehen, und vergeht meistens nach einiger Zeit. Problematisch wird es, wenn das Gefühl von Dauer ist. "Wenn die Niedergeschlagenheit dauerhaft ist und ununterbrochen länger als zwei Wochen auftritt, dann sollte man therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen", rät Vennen. 

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