Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne KonMari für Eltern: Wovon man sich trennen sollte

Die japanische Bestsellerautorin Marie Kondo (2.v.r.) in einer Szene der Netflix-Serie «Aufräumen mit Marie Kondo».Foto: Denise Crew/Netflix/dpaDie japanische Bestsellerautorin Marie Kondo (2.v.r.) in einer Szene der Netflix-Serie «Aufräumen mit Marie Kondo».Foto: Denise Crew/Netflix/dpa
Denise Crew
 

Osnabrück. Gefühlt alle Welt mistet aus, seitdem Marie Kondo via Netflix das sich Trennen von Dingen propagiert. So auch unsere Elternkolumnistin. Allerdings mit einem weinenden Auge ...

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict seine unpädagogische Smartphone-Sucht gebeichtet. Und dann Folgendes gefragt: „Ich höre, Du hast ausgemistet. Von welchen Kindheitssouvenirs konntest Du Dich am schwersten trennen?“ Das ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

in der Tat: Ich habe ausgemistet und mich endlich von Dingen verabschiedet, die mich mehr als 25 Jahre begleitet haben – in dieser Zeit aber zu einem großen Teil nur ein trauriges Leben in Kartons fristeten. Beispielsweise meine Sammlung an Bravo-Ausgaben der Jahre 1992 bis 1994. Damals habe ich anscheinend wöchentlich die Teenie-Presse mit meinem Taschengeld mitfinanziert, um die allerneuesten News über die Stars von „Beverly Hills 90210“ zu erfahren. Zudem weiß ich auch, dass Dr. Alban laut Bravo-Star-Besuch mehr als drei Fernseher sein Eigen nannte – in EINER Wohnung!

Sie mussten alle raus. Foto: Corinna Berghahn

Toll auch die früher schon peinlichen Foto-Love-Storys, die in Telenovela-Manier eine Liebesgeschichte über mehrere Heftausgaben erzählten und in einer von der Redaktion ausgedachten Jugendsprache verfasst waren. Und die Poster von Stars, deren man sich nur wenige Jahre später arg geschämt hat: Bei mir hingen die „Army of Lovers“ an der Wand. Die kennt man heute nur noch, weil eines der Mitglieder später ein Techtelmechtel mit dem schwedischen König hatte. 

Über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

1994 war es bei mir vorbei mit den Bravos, aber sie wegzuwerfen brachte ich nicht über mein Herz. Ich dachte, dass sie eines Tages meine Kinder entzücken würden oder ich sie gar mit Gewinn verkaufen könnte. Zudem waren sie meine Erinnerung an eine Zeit, in der die Teenie-Jahre noch ohne Soziale Netzwerke funktionierten.

Jetzt stand ein Umzug an – und beim Ausräumen des x-ten viel zu vollen Schranks fielen mir die rund 80 Exemplare quasi auf den Kopf. Da ich kurz zuvor – wie viele – in die Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“ reingeschaut hatte, war klar, dass meine Bravos mich verlassen werden müssen.


Kurz zu Marie Kondo: Die Japanerin hat auf ihrem Expertentum im Entrümpeln ein Imperium gegründet, das aus Ratgebern und neuerdings der eben genannten TV-Show besteht – und sie zur Multimillionärin gemacht hat. Grundgedanke ihrer sogenannten KonMari-Methode (Marie Kondo umgedreht) ist es, sich von Dingen zu trennen, die einem keine Freude mehr machen – sich dafür aber bei ihnen ordentlich zu bedanken. Die Bravos machten mir keine Freunde mehr – ich bedankte mich also artig und gab sie einer Freundin, die damit hoffentlich mehr anfangen kann als ich. 

Sie an die nächste Generation weiterzugeben war schließlich Quatsch: Die sammeln sich ja von selbst schon die Zimmer so voll, dass man als Eltern ob des Krams manchmal verzweifelt. Daher muss ich mit gutem Beispiel vorangehen: Kleidung meiner Jugendzeit, die ich meinen Kindern irgendwann übergeben wollte, gingen an die Kleidersammlung. 

Jeder kennt schließlich die Szene in Loriot’s Meisterwerk „Pappa ante Portas“, in der der Sohn mit dem alten Mantel des Vaters „beglückt“ wird und gar nicht weiß, was er sagen soll, ohne seinen Vater zu verletzen. Derlei peinliche Situationen will ich meinen Kindern lieber ersparen, so weh mir das Scheiden auch tut ... 

Deine Corinna

PS: Kriege ich nächste Woche überhaupt Post von Dir? Wie ich hörte, machst Du blau, weil die Kita dicht ist...

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


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