Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Was hilft gegen Elternängste? Gut festhalten und rauf auf die Bäume!

Gut gesichert auf den Baum – und in das Leben. Foto: Colourbox.deGut gesichert auf den Baum – und in das Leben. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Toben Mütter weniger? Nicht im Haushalt unserer Elternkolumnistin. Ein Plädoyer für das wilde Herumtollen und Spielen mit dem Nachwuchs.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über seinen Unwillen geschrieben, die Kinder hart zu bestrafen – weil er lieber der Kumpel sein will. Und dann folgende These aufgestellt: „Das pädagogisch wertvolle Toben delegieren Mütter gern an Väter. Du auch?“ Das ist die Erwiderung von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

in was für genderspezifischen Berliner Elternkreisen lebst Du denn? Natürlich tobe ich mit den Kindern – solange mein Rücken es zulässt. Nur Hochwerfen wird mit steigendem Alter und Gewicht der Kinder – und leider auch meinem – schwieriger. Trotzdem: Dieses wilde Spielen ist doch einer der besten Spaßfaktoren für Eltern. Denn dank Kinderbegleitung können wir Dinge machen, für die einen die Menschen oftmals als zu alt einschätzen.

Die meisten Kinder lieben es schließlich, sich zu bewegen! Auch wenn sie sich anfangs beschweren, wenn man sie zum Spaziergang drängt. Meiner Erfahrung nach ist ein gemeinsamer Gang durch den Wald eine der besten Gelegenheiten, selbst das maulfaulste Kind zum Reden zu bringen. Dabei kann man mit Stöcken dann Schwertkämpfe austragen. Bei uns bin ich für diese Art Zeitvertreib zuständig – und ich liebe es.

Zum Toben dazu gehört natürlich auch, die Kinder durch die Wohnung zu jagen, während man wie ein Monster grummelt, sie durchzukitzeln und mit ihnen um die Wette zu rennen.

Das einzige, was Eltern vom Toben abhalten sollte, sind körperliche Gebrechen und Rücksichtnahme auf Nachbarn, nicht aber das Geschlecht. Ich kenne auch viele tobende Mamas – und in Gegenwart der Kinder am Smartphone daddelnde Papas. Beides ist ok, schließlich sind Eltern so verschieden wie Kinder.

Vielleicht haben die Mütter, die Du kennst, einfach keine Lust aufs Toben? Vielleicht haben sie aber auch Angst, dass ihre Kinder sich verletzen könnten. Für Ersteres habe ich Verständnis: Ich persönlich hasse Basteln, so sehr man mich auch dazu animieren will. Wenn ich etwas basteln soll, sterbe ich innerlich vor Langweile. Da meine bastelbegabten Kinder nicht doof sind, merken sie das natürlich. Dafür bin ich die Mama, die gerne im Dreck herumwühlt, Staudämme an Bächen errichtet, Bogen bauen kann und weiß, an welcher Seite des Baumes das Moos wächst.

Angst um die Kinder lasse ich als Anti-Tobe-Grund aber nicht gelten. Wir Eltern haben doch eh ständig Angst um unsere Kinder: Dass sie überfahren, gemobbt, entführt werden, ertrinken oder vom Wickeltisch fallen. Diesen Ängsten muss man sich stellen, aber eben nicht, indem man die Gefahren vermeidet. Man bringe den Kindern also bei, wie sie über die Straße gehen, wie sie auf den Baum klettern, wie sie einen Apfel mit einem Messer schneiden – und dann wissen sie es für ihr ganzes Leben.

Dass ihnen in ihrem Leben etwas passiert, kann man sowieso nie ausschließen. Doch wir Eltern können zumindest verhindern, dass unsere Kinder angstgeplagte Erwachsene werden. Und wenn sie sich dabei die Knie aufschlagen oder blaue Flecken holen, ist das kein Beinbruch. Und selbst der ist kein Genickbruch. Also gut festhalten und rauf auf die Bäume! Und das mit dem Elternteil, das am liebsten mitklettern will.

Deine Corinna

PS: Trinkst Du vor den Kindern Alkohol? Es soll ja Eltern geben, die das nicht machen.

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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