Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Weihnachtszeit mit Kindern: Wie besinnlich war es wirklich?

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Kekse backen mit Kindern – selbst dann noch ein Vergnügen, wenn vom Teig nichts fürs Blech übrig bleibt. Illustration: Lilith BenedictKekse backen mit Kindern – selbst dann noch ein Vergnügen, wenn vom Teig nichts fürs Blech übrig bleibt. Illustration: Lilith Benedict

Berlin. Ist die Weihnachtszeit mit Kindern nun besinnlich? Oder das Grauen? Ein Erfahrungsbericht.

In der vergangenen Woche hat unsere Elternkolumnistin Corinna Berghahn über Polizisten als Freund und Erziehungshelfer nachgedacht – und ihren Kollegen gefragt: „War Eure Weihnachtszeit besinnlich?“. Dies ist die Antwort von Daniel Benedict:

Liebe Corinna,

im Dezember gehören Klagen über den Weihnachtsstress zum guten Ton. Ich weiß das, kann aber nicht mithalten. Ich finde Weihnachten toll, und mein Advent war auch diesmal ein voller Erfolg. Ich habe selbst dafür gesorgt. Traditionell packe ich bei uns die Adventskalender. Das gibt mir die Möglichkeit, lauter schöne Dinge anzuschaffen, die ich schon immer mal haben wollte. Das Weihnachtsalbum von Julie Andrews zum Beispiel. Vorweihnachtliche DVDs. Bislang haben meine Lieben „White Christmas“ mit Bing Crosby ausgepackt und Roland Emmerichs Klimakatastrophen-Film „The Day After Tomorrow“. Da schneit es sogar noch mehr. Wie festlich!

Gesehen haben wir bislang nur „Mister Beans fröhliche Weihnachten“, das allerdings schon viermal. Die Kinder lieben es. Und tatsächlich bringt nichts die Dialektik des Christfests besser auf den Punkt als die grandiose Szene, in der Mister Bean mit Krippenfiguren spielt und nach Schafen, Hirten und Kampfrobotern einen Plastik-Dinosaurier auf die Muttergottes loslässt. Bei uns geht’s ähnlich turbulent zu, und wie der T-Rex fressen auch wir alles durcheinander. Eigentlich haben meine schönsten Adventsmomente sogar alle mit Essen zu tun.

Beim Adventskranzbinden beispielsweise, mit dem in diesem Jahre alles anfing, hat mich nichts mehr entzückt als die friedliche Gier meines Kindes, das die Deko – getrocknete Apfelringe – vollständig verspeist hat. Zum Spaß habe ich ihm den Draht als Zahnseide angeboten, aber er hat mich durchschaut. Ich selbst ernähre mich in der stillen Zeit vor allem von oberflächlich benagten Keksen. Wir backen selbst, und weil die Kinder in der Regel schon vom Teig pappsatt ist, reicht der Appetit später nur für den Zuckerguss. Macht aber nichts. Mir schmeckt’s trotzdem; und bis die Päckchen bei den Großeltern ankommen, sind die aufgeweichten Kekse ja sicher wieder ausgehärtet. Im lustigsten Augenblick der Vorweihnachtszeit hat mein kleiner Sohn seinen Adventskalender im Voraus geplündert. So am 18. hatte er sich mit der 21 unter dem Tisch versteckt und mir, als ich ihn da unten erwischt habe, verboten, ihn zu sehen. Am 21. waren die Knallerbsen drin, aber wer nicht gucken darf, kann auch nicht warnen, dass nicht man jede Erbse essen kann. Hahaha! Selber schuld!

Was mir am Ende doch noch fast den Spaß verdorben hätte: Nicht alle Gebrauchsartikler versenden ihre Ware so diskret wie Beate Uhse. Bei uns sind wirklich alle Weihnachtsüberraschungen mit dem Firmenaufdruck auf dem Paket schon verraten. Selbstverständlich verpacke ich nicht nur für den Kalender, sondern auch zum Fest nur Dinge, die mir selbst Spaß machen. Dass es jetzt schon alle wissen, finde ich trotzdem irgendwie unangenehm.

Besinnliche Grüße

Dein Daniel

PS: Was nimmt eine ohnehin schon vollkommene Mutter wie Du sich fürs neue Jahr vor?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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