Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Pipi-Party, Kacka-Alarm und Mr. Pups: Wer erfindet solche Brettspiele?!

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Huiii– da ist er ja! Schöner wäre es aber, das Kackwurstspiel wäre nie in Serie gegangen. Screenshot NOZ/Quelle: MattelHuiii– da ist er ja! Schöner wäre es aber, das Kackwurstspiel wäre nie in Serie gegangen. Screenshot NOZ/Quelle: Mattel

Osnabrück. Spielen mit Kindern macht Spaß, findet unsere Elternkolumnistin. Aber wer bitte erfindet Spiele über Körperflüssigkeiten oder Flatulenz – und warum werden sie gekauft?

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über das Suchen der von seinen Kindern verbaselten Dinge gestöhnt – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Gibt es irgendein Familienspiel, das Deine Leidenschaften und die der Kinder gleichermaßen bedient? Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

seit der „Spiel 18“, der weltweit größten Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele, geht ein Gespenst um auf den Wunschlisten dieses Landes. Denn dort wurde ein Spiel der deutschen Öffentlichkeit präsentiert, das meiner Meinung nach an Doofheit kaum zu unterbieten ist: Kacka-Alarm. Ziel des Spiels ist es, die verstopfte Toilette zu entstopfen. Mister-Kacka ist dann auch eine braune, nun ja Kackwurst mit breitem Grinsen, die aus einer Plastik-Toilette hüpft.

Natürlich könnte das Spiel in Zeiten des Handwerkermangels als Werbung für den Sanitär-Bereich interpretiert werden. Aber wir leben schließlich im Kapitalismus, da ist von derart hehren Zielen nicht auszugehen. Stattdessen soll wohl eher die Pups-Kacka-Witz-Schiene von Kindern bedient werden. Daher wird die Werbung für das Spiel auf YouTube oder bei auf Kindern spezialisierten TV-Sendern platziert. Wer Pech hat und nicht „Nein“ sagt, wird dann unter‘m Weihnachtsbaum von Kackwürsten angesprungen.

Obacht: So lustig, wie die Verpackung suggeriert ist das Spiel eher nicht. Screenshot NOZ/Quelle: Hasbro

Eine ähnliche Schiene bedient das Spiel Pipi-Party: Wer verliert, wird vollgespritzt. Allerdings von Spiel-Spülwasser, nicht von Spiel-Pipi – das ginge den Machern dann wohl auch zu weit. Obacht, liebe Eltern: Diese Spiele bedienen allein den eher groben Humor und einen gewissen Ekelfaktor der Kinder – und wohl auch nicht weniger Erwachsener – eignen sich aber nicht für mehr als einen kurzen Lacher. (Allerdings gibt es auch gute Spiele mit Kot-Content: Krasse Kacke und Schöne Sch#!?e)

Mr. Pups verstaubt im Schrank

Ich warne aus eigener Erfahrung: Kind 1 sah einst im TV die Werbung für das Spiel Mr. Pups und hat solange seine Umwelt genervt, bis sich ein Freund der Familie erbarmte und es ihm geschenkt hat. Um Eltern zu beruhigen, hat der Hersteller das Wort „Geschicklichkeitsspiel“ auf die Packung gedruckt – was natürlich komplett erlogen ist.


Es ist eine Mischung aus Karten- und Glücksspiel, bei dem man einen grünen Plastikfladen drücken muss. Wenn der ein unappetitliches Geräusch von sich gibt, hat man verloren. Selbst Kind 1 fand das Spiel nach dreimal spielen so öde, dass es seitdem im Schrank verstaubt.

Tatsächlich sind es aber die Klassiker, die sowohl den Kindern wir uns am besten gefallen: Memory – bei dem die Kinder uns regelmäßig schlagen – und sämtliche Brettspiele, in denen man irgendwann irgendwen vom Spielfeld verbannt. Großartig ist auch Rummikub, ein Spiel ähnlich dem Kartenspiel Rommé, das alle mitspielen könne, die Zahlen kennen. (Im NOZ-Spielekenner-Blog finden Sie weitere Rezensionen über Gesellschaftsspiele aller Art)

Wer spielt, sollte nicht ausrasten

Dabei ist das Tolle an Kindern ja, dass man mit ihnen endlich wieder ungehemmt seiner Spielleidenschaft frönen kann. Mit „man“ meine ich natürlich mich selbst. Denn ich spiele gerne, mein Mann auch, aber ein großer Teil unseres Freundeskreises eben gar nicht. Doch immer nur zu zweit am Schachbrett ist nicht gut für die Harmonie einer Ehe – jedenfalls nicht, wenn beide lieber selbst gewinnen, als den geschätzten Partner gewinnen zu sehen. Das ist kein schöner Zug, aber ich schiebe es einfach mal auf meine Sozialisation: Bei mir sind nicht wenige Familienabende in eisigem Schweigen geendet, weil wir vier längst erwachsenen Geschwister uns beim „Trivial Pursuit“ fürchterlich in die Haare gekriegt haben. Seitdem steht das Spiel bei uns auf dem Index.

Mit Kindern kann man sich solche Egotouren allerdings nicht mehr erlauben, finde ich: Schließlich sind wir Vorbilder. Tatsächlich sind wir auch viel bessere Menschen geworden, seitdem die Kinder mitspielen können: Keiner von uns Erwachsenen fegt mehr beleidigt die Spielsteine über das Brett, weil er mal wieder verliert, denn: Hey, das gehört doch dazu ... Jedenfalls sagen wir das den Kindern.

Deine Corinna

P.S: In wie vielen Eltern-WhatsApp-Gruppen bist Du?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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