Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Vom Suchen und Finden diverser Stofftiere an unmöglichen Orten

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Hilfe! Wo ist die Stofftiermami oder der Stofftierpapi vom glubschäugigen Leopard? Foto: Colourbox.deHilfe! Wo ist die Stofftiermami oder der Stofftierpapi vom glubschäugigen Leopard? Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Kinder verlieren meist nur die Stofftiere, ohne die sie – und dann auch ihre Eltern – nicht schlafen können. Das führte auch bei unserer Elternkolumnistin schon zu panischen Suchaktionen bis hin in die Türkei.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über die praktischen Vorteile der Einzugsschule sinniert – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Wie viele Stunden pro Woche planst Du für die Suche verbummelter Spielsachen ein? Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

kurz nach der Geburt von Kind 1 ist „Schafi“ bei uns eingezogen: ein Lammkopf mit einer Art Kleid aus grün kariertem Tuch und kuscheligem Moltonstoff zum, nun ja, Reinbeißen. Kind 1 hat Schafi von Anfang an geliebt: kein Schlaf ohne Schaf. Oh weh also, wenn es weg war: Dann bekam nämlich nicht nur das Kind keine Ruhe, sondern wir auch. Einen Ersatz für das Tier gab es nicht, denn unser Kardinalfehler war, dass wir gleich am Anfang keine zweite Ausgabe gekauft hatten. Es gab nur dieses eine Schafi – und ohne Schafi ging nichts.

Weg war das Tier viel zu oft: Als Kind 1 etwa drei Jahre alt war, gab es fast jeden Abend eine panische Suche durch sämtliche Zimmer, Betten, unter dem Sofa, dem Küchentisch – kurz gesagt: überall. Und das nicht nur bei uns: Schafi (Achtung: Wortwitz) verlus-tierte sich auch gerne bei Besuchen bei Freunden oder Großeltern. (Weiterlesen: Was tun, wenn das Kuscheltier verloren geht)

Vielleicht war Kind 1 unaufmerksam, vielleicht war das Tier aber auch abenteuerlustig. Es verblieb schon in einer Eisdiele in Quakenbrück (was uns einen Umweg von 40 Kilometern bescherte) und mehrmals auf den Wegen im Schlossgarten von Osnabrück. Besonders spektakulär war sein Verschwinden auf der Istiklâl Caddesi – der Haupteinkaufsstraße von Istanbul, über die tagtäglich Tausende Menschen flanieren. Einer von ihnen hatte ein Herz und legte das schon etwas zerfledderte Stofftier gut sichtbar für uns suchende Eltern auf einen Poller am Taksim-Platz. Tesekkür ederim, also vielen Dank dafür!

Mit dem Problem stehen wir natürlich nicht alleine: Der Flughafen Glasgow veröffentlichte beispielsweise ein putziges Video mit sämtlichen gefundenen Kuscheltieren, präsentiert auf einem Gepäckband:


Schafi hat all das überlebt, wenn man ihm auch ansieht, dass es ein Abenteurer war: Das Moltontuch ist längst weg, das grün karierte wurde vor Jahren ersetzt, sein Ohr ist zerfleddert, ein Auge hat sich aufgelöst. Geliebt wird es trotzdem noch, mittlerweile verliert Kind 1 allerdings eher Schulbücher, Stifte und derlei Kram. Wenigstens suchen wir danach nur noch in unserer Wohnung.

Bei Kind 2 sorgten wir gleich mit der doppelten Ausgabe des Kuscheltieres vor. Wir hatten die Rechnung aber ohne Kind gemacht: Kind 2 hat sich seit der Geburt nie auf nur ein Tier fixiert. Stattdessen hat es tage- und wochenweise einen Liebling, der dann natürlich auch verloren geht: Erst vergangenen Woche musste ich mich auf die Suche nach Pony Becky machen. Becky stammt noch aus meiner Kindheit, daher war ich emotional in die Suche involviert. Während ich diverse Geschäfte abklapperte, fragte ich mich aber, warum die Kinder immer nur Tiere verlieren, die nicht ersetzt werden können, aber niemals die, die verzichtbar sind?! Beispielsweise diesen hässlichen pinken Bär, der plötzlich im Zimmer von Kind 1 auftauchte, an dessen Kauf oder Schenkung sich aber niemand erinnert. Oder der gruselige Mini-Clown aus Ton und Stoff, der bei uns Eltern für Gänsehaut sorgt, von Kind 2 aber geduldet wird...

Nach viel Gesuche und Gefrage wurde das Pony in einem Schuhgeschäft wiedergefunden. Mutter und Kind waren glücklich. Bis zur nächsten Suche auf den Straßen dieser Stadt und Welt.

Deine Corinna

PS: Wer verliert und findet denn in Deiner Familie die Dinge?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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