Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Homöopathie für Kinder? Zuckerkügelchen fürs Elterngewissen!

Diese Art Zuckerkügelchen sind zwar lecker, aber etwas teuer. Foto: Colourbox.deDiese Art Zuckerkügelchen sind zwar lecker, aber etwas teuer. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Von Homöopathie hält unsere Elternkolumnistin nicht viel. Aber sie weiß eben auch, dass Eltern bei der Behandlung ihrer Kinder gerne mal den Verstand ausschalten und auf ein diffuses Bauchgefühl hören.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict das durch ihn arg strapazierte, bzw. trainierte Ironieverständnis seiner Kinder gelobt – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Noch mal danke für Deine alten Zahnweh-Globuli. Ich habe sie versehentlich als Keks-Deko verwendet. Ist das schädlich? Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

das lag an der Hebamme, die uns zu diversen Zuckerkügelchen gegen jede Art Babywehwehchen geraten hat. Ob es damals geholfen hat? Keine Ahnung. Jedenfalls haben wir beim zweiten Kind keine derartigen Produkte mehr erworben. Dafür war uns das Geld zu schade.

Tatsächlich halte ich Homöopathie für teuren Mumpitz. Wie sollen stark verdünnte Mittel nur anhand ihrer „Energie“ eine Krankheit heilen? Dabei hatte ich früher die beste Hausärztin der Stadt, die selbst oftmals homöopathische Mittel angewendet hat. Besagte Hausärztin war großartig, aber eben nicht wegen der Homöopathie, sondern wegen ihrer enorm ausgeprägten Empathie: Sie nahm sich viel Zeit für ihre Patienten, redet mit ihnen und stellte dabei oftmals fest, dass das Problem der Erkrankung eher im seelischen Bereich lag als im tatsächlichen Kranksein. Ein Besuch bei ihr war oftmals heilender als das von ihr verschriebene Medikament. Und das ist wohl auch einer der Gründe, warum Menschen an Homöopathen glauben: Sie fühlen sich ernst genommen – und nicht als Nummer aus dem überfüllten Wartezimmer aufgerufen.

Bitte den Verstand einschalten

Doch gerade junge Eltern sind anfällig: Sie wollen alles richtig machen, die Mittel sollen möglichst babysanft sein – und in Elternkreisen anerkannt. Homöopathie beruhigt daher das Gewissen von unsicheren Eltern: „Ich gebe meinem Kind keine harten Medikamente, ich achte auf Sanftheit und gehe nicht den bösen Pharmakonzernen auf dem Leim, und dann fühle ich mich auch besser.“ Dass Homöopathie ebenfalls zu einem riesigen Geschäft geworden ist, wird oftmals gar nicht wahrgenommen.

Aber ich rate dazu, den Verstand einzuschalten: Globuli sind Minizuckerpillen, deren Wirkstoff so stark verdünnt wurde, dass er medizinisch überhaupt nicht wirken kann. Er ist eher mit einer Trostpille zu vergleichen: Kind hat Schmerz, Mama gibt Notfallpillen, Kind fühlt sich wahrgenommen, es wird wieder besser. Ähnlich wirken Bachblüten: Um die richtige Mischung für sich zu finden, muss man sich mit seinem Problem auseinandersetzen – und allein dieser Schritt bewirkt sicher mehr Gesundung als die Mittel selbst.

Nur harmlos sind sie – trotz proklamierter Sanftheit – eben nicht immer: In München gab es Eltern, die haben ihrem Kind die Globulis für die Ohrenentzündung in die Ohren gestopft – ein Arzt muste sie dann wieder rausfischen. Außerdem: Was geben wir den Kindern für ein Signal, wenn sie bei jedem Tränchen sofort mit einem „sanften“ Pillchen oder Tröpfchen versorgt werden? Denn es würde oftmals einfach reichen, sie ordentlich durchzukuscheln oder den Schmerz der Wunde liebevoll wegzupusten.

Deine Corinna

P.S. Ernie und Bert sind schwul - oder auch nicht. Aber: Gucken Deine Kinder heute überhaupt noch die Sesamstraße?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


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