Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Nur für Erwachsene: warum kinderfreie Hotels elternfreundlich sind

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Mit einer kinderfreien Zone hatte sich ein Biergarten-Betreiber in Düsseldorf 2015 Ärger eingehandelt. Foto: Federico Gambarini/dpaMit einer kinderfreien Zone hatte sich ein Biergarten-Betreiber in Düsseldorf 2015 Ärger eingehandelt. Foto: Federico Gambarini/dpa

Osnabrück. Ein Gastronom will sein Restaurant kinderfrei halten. Ist das schlimm? Im Gegenteil, findet unsere Eltern-Kolumnistin. Ist doch toll, wenn man mal Ruhe hat.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict augeplaudert, was seine Söhne in Poesiealben schreiben – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Aufschreien oder reservieren: Was sagst Du zu kinderfreien Restaurants? Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

wenn es um Kinder geht, drehen die Emotionen schnell mal durch. So wie in diesem heißen Sommer, als ein Gastronom auf Rügen Morddrohungen erhielt, weil er sein Restaurant in Binz auch ab 17 Uhr kinderfrei halten wollte. Natürlich erhielt er diese Drohungen nur auf Facebook, wo sich in diesen Tagen all die Rage sammelt, die in früheren Zeiten durch Holzhacken kompensiert wurde. Ähnlich groß war vor Jahren der Wirbel, als ein Wirt Teile seines Biergartens in Düsseldorf zur kinderfreien Zone erklärte.

Ich habe zwei Kinder, fünf Nichten und Neffen und drei Geschwister, die früher zusammen mit mir im Wohnwagen durch Europa kutschiert wurden. Ich weiß also, wie Urlaub und Freizeitgestaltung mit Kindern ist. Super, laut, etwas dreckig und definitiv nicht dazu geeignet, Entspannung bei Erwachsenen hervorzurufen. Das habe ich erst diesen Sommer wieder gemerkt, als wir mit 14 Leuten ein Haus in Süddeutschland gemietet haben. Es war toll, aber danach brauchte ich erst einmal Urlaub.

Adults-only-Hotel nicht nur für Kinderfeinde

Ich bin sogar überzeugt, dass ein erheblicher Anteil der Menschen, die in Adults-only-Hotels Urlaub machen, Eltern sind – die es genießen, ein paar Tage ohne Kinderquatsch und Krach auszukommen. Damit sie danach wieder voller Kraft den trubeligen Alltag meistern können. (Weiterlesen: Hotels nur für Erwachsene werden immer öfter gebucht )

Als ich selbst noch keine Kinder hatte, mochte ich nichts weniger, als Freunde und deren Kinder in Restaurants zu begleiten, die sich selbst als „kinderfreundlich“ titulierten. Ich erinnere mich an eines in Göttingen: Neben unserem Tische ein Pulk von Dreijährigen, von denen einer meine Jacke mehrmals als Rotztuch benutzte. Ich war verärgert. Allerdings nicht über das Kind, sondern über die Reaktion seiner Eltern: Die bestand nämlich nur aus einem hilflosen Grinsen. Keine Entschuldigung, kein „Das macht man nicht, Karl-Justus“. Denn das größte Problem bei Kindern in Hotels und Restaurants sind eben nicht die Kinder, sondern die Eltern. Wenn die keine Grenzen setzen, drehen die Kids durch. Aber viele Eltern setzen ungern Grenzen, besonders in der Öffentlichkeit.

Aus Elternsicht nur zu begrüßen

Versteh mich nicht falsch: Es ist gut, dass heutzutage viele Orte kinderfreundlicher geworden sind. Und es ist ein Segen, dass Kinder nicht mehr durch Ohrfeigen zum Schweigen am Tisch gebracht werden. Aber: Es ist auch nicht schlecht, wenn es Orte gibt, an denen man das findet, was man sucht. Für Eltern, die mit ihren Kindern rauswollen, sind dies dann eben kinderfreundliche Etablissements. Und für die, die Ruhe suchen, gerne Orte ohne Kinder.

Deshalb ist ein Kinderverbot in Restaurants aus Elternsicht nur zu begrüßen: Sie kommen so gar nicht in die Bredouille, lautstark zu ermahnen. Und müssen sich auch keine Sorgen machen, dass der Nachwuchs literweise Apfelschorle verschüttet. Die anderen Gäste haben derweil die Ruhe, die sie verdienen. Wer sich daran stört, geht mit seinen Kindern eben dorthin, wo sie willkommen sind. Zu Morddrohungen muss es wirklich nicht kommen, oder?

Deine Corinna

P.S.: Verstehen Deine Kinder Ironie?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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