Läuse in Schule und Kita Brauchen Kinder ein Attest vom Arzt, wenn sie Kopfläuse hatten?

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Beim Kopflausbefall gilt: Kämmen, kämmen, kämmen. Foto: Colourbox.deBeim Kopflausbefall gilt: Kämmen, kämmen, kämmen. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Alle Jahre wieder nerven Kopfläuse nach den Sommerferien. Doch was bedeutet der Parasitenbefall für Kitas, Schulen und die Eltern? Und wann dürfen die Kinder wieder in die Betreuung? Wir haben einmal nachgefragt.

Wenn nach den Sommerferien die Kinder in Schulen und Kindergärten wieder aufeinander treffen und ihre Köpfe zusammenstecken, hüpfen die ungebetenen Gäste gerne mal von Schopf zu Schopf. Daher häufen sich die Meldungen über Kopfläuse in diesem Zeitraum jedes Jahr wieder. Doch zu einer Epidemie der lästigen Parasiten ist es akut noch nicht gekommen. "Seit dem Schulstart kam es in Kindergärten, Schulen und Horten in Stadt und Landkreis zu 80 gemeldeten Fällen. Das liegt im Rahmen", so Gerhard Bojara, Leiter des Gesundheitsdienstes für Stadt und Landkreis Osnabrück.

Trotzdem: Hat ein Kind Kopfläuse, bedeutet das viele Unannehmlichkeiten für die betroffenen Kinder wie Eltern. Was es allerdings nicht bedeutet, ist, dass unhygienische Verhältnisse herrschen. „Kopfläuse können jeden treffen und haben mit Hygiene und Reinlichkeit nichts zu tun“, sagt Tanja Brunnert vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Was sind Kopfläuse?

Kopfläuse sind nicht gefährlich, aber sehr unangenehm, hartnäckig und nicht immer leicht zu entdecken: Einmal da, verlassen sie ihren Wirt nicht freiwillig. Um zu ihm zu gelangen, klettern sie von Kopf zu Kopf und leben dann vom Blut ihrer menschlichen Wirte. Die Läuse sind gut drei Millimeter groß, ihre Eier – Nissen genannt – sind weniger als einen Millimeter groß.

Die Nissen kleben fest  an den Haaren eines Menschenkopfes. Nur dort finden sie die notwendigen Lebensbedingungen, das Gleiche gilt für die geschlüpften Läuse selbst. Durch Tiere werden sie übrigens nicht übertragen. Der Juckreiz entsteht, weil die Läuse beim Blutsaugen Speichel in die Kopfhaut absondern. Fangen Kinder sich an zu kratzen, sollten Eltern also nachschauen.

Was tun bei Kopfläusen?

„Sobald bekannt ist, dass im Umfeld des Kindes Kopfläuse aufgetreten sind, sollten die Eltern besonders wachsam sein. Gerade bei blondem Haar sind die weißen, kleinen Nissen jedoch nicht so einfach zu erkennen,“ sagt Kinderärztin Brunnert. Sie rät bei einem Befall bei Kindern unter zwölf Jahren zu einem Arztbesuch, denn bis zu dem Alter übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Läusemittel, danach nicht mehr. (Weiterlesen: Masern, Mumps, Scharlach: diese Kinderkrankheiten sollten Eltern kennen)

„Wir Ärzte verschreiben in der Regel die extra für den Befall zugelassenen Mittel. Die wirken heutzutage sehr gut gegen die Kopfläuse und gut gegen die Nissen. Damit diese aber wirklich keine Gefahr mehr erzeugen, sollte das Mittel nach acht bis neun Tagen noch einmal angewendet werden. Denn dann werden die frisch geschlüpften Larven ebenfalls vernichtet, noch bevor sie selbst geschlechtsreif werden.“ 

Kämmen, kämmen, kämmen

Zwischen den Anwendungen heißt es dann kämmen, kämmen, kämmen – und das am besten mit einem Nissenkamm, der so eng bezinkt ist, dass er die Nissen von den Haaren löst. „Das ist sehr anstrengend, daher vermute ich, dass eine erfolgreiche Behandlung oftmals auch daran scheitert“, so Brunnert.

Das Haar sollte mit einem Nissenkamm vom Ansatz Strähne für Strähne bis zu den Haarspitzen durchgekämmt werden. Foto: Colourbox.de

Kopfläuse sterben nach etwa fünf Stunden ohne Blutmahlzeit ab. Trotzdem sollte alles gewaschen werden, was mit dem Kopf und den Haaren der Betroffenen in Kontakt gekommen ist, rät Brunnert. Insbesondere gilt dies für Kopfkissen, Mützen, Haarbänder und Jacken. Hängen letztere beispielsweise eng nebeneinander, kann es schon passieren, dass die Läuse wandern.“ Stofftiere sollten für mehrere Tage in eine luftdichte Plastiktüte gepackt werden. 

Viel Aufwand in Kitas und Schulen

Auch die Mitarbeiter in Schulen, Horten und Kindergärten müssen einiges tun, damit der Parasitenbefall gestoppt wird. "Zum einen muss das Gesundheitsamt informiert werden – und dann auch die Eltern", erklärt Christina Harig, Leiterin der Campus-Kita in Osnabrück, das Prozedere. Auf einem Flyer werden die Eltern dazu aufgefordert, sich den Kopf ihres Kindes genau anzugucken. Wird das Blatt unterschrieben zurückgegeben, geht Harig davon aus, dass die Eltern Bescheid wissen und ihr Kind kopflausfrei ist. Nachprüfen kann sie es nicht: "Ich muss mich deshalb auf die Eltern verlassen können." Darüber hinaus müssen alle Textilbezüge abgezogen und entweder mit 60 Grad gewaschen oder eingetütet werden. 

In Schulen und Horten ist es ähnlich: Textilien müssen gereinigt oder weggepackt, Eltern und Gesundheitsamt unterrichtet werden. 

Darf die Kita einen Attest verlangen?

Meist können Kinder nach der ersten Anwendung wieder in Kita oder Schule. Doch gibt es im Landkreis Osnabrück auch Kitas, die von den Eltern einen Attest vom Arzt verlangen. Erst wenn dieser bescheinigt, dass das Kind kopflausfrei ist, darf es wieder betreut werden. "Laut Infektionsgesetz können Kitas ab mehrmaligen Befall desselben Kindes – in der Regel ab dem zweiten Mal – einen Attest verlangen. Das ist durchaus sinnvoll bei Familien, die sich schwer tun, Kopfläuse nachhaltig zu bekämpfen", erklärt Gerhard Bojara. Aber auch bei einmaligem Befall dürfen Kitas so handeln, wenn es beispielsweise in ihren Aufnahmebedingungen so festgehalten ist. "Auf Vorgaben des Gesundheitsamtes können sie sich dann aber nicht berufen", so Bojara.

In der Campus Kita kommt es allerdings selten dazu, so Leiterin Harig: "Nur wenn die Kopfläuse beim gleichen Kind immer und immer wieder auftreten, greife ich zu dieser Maßnahme."


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