Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Darf man Wespen töten, um seine Kinder zu beschützen?

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Der Sommer 2018 hat dem Verhältnis von Menschen und Wespen nicht gut getan. Foto: dpa/Picture AllianceDer Sommer 2018 hat dem Verhältnis von Menschen und Wespen nicht gut getan. Foto: dpa/Picture Alliance

Osnabrück. Der Sommer 2018 hat dem Verhältnis von Menschen und Wespen nicht gut getan. Doch was tun, wenn es ums draußen verzehrte Mahl aggressiv summt und brummt?

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict erklärt, warum werdende Eltern altkluge Drittklässler und Schulschwänzer observieren sollten – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Darf man Wespen töten, um sein Kind zu beschützen? Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel!

In diesem heißen und trockenen Sommer kochte auch an unserem großen Familientisch die Stimmung hoch. Der Grund war gelb-schwarz, summte nervös um uns rum, sobald wir draußen Platz genommen hatten, und sorgte so für Panik im Garten und Streit innerhalb der Großfamilie.

Seitdem weiß ich, dass meine Familie nie einer Meinung sein wird, wenn es um Wespen und den Umgang mit ihnen geht. Im Gegenteil: Der eine Teil plädiert zum Akt des Tötens, der andere Teil rettet sie per Glas sogar aus der Wohnung. Dazwischen gab es nichts – und dementsprechend laut wurde es in den familieninternen Diskussionen.

Tatsächlich machen es die Tiere einem schwer, sie zu mögen: Allein die Farbe erregt höchstens Sympathien bei Borussia-Dortmund-Fans. Ihr aggressives Gekreise um jegliches Essen nervt. Sicher ist zudem: Ist eine da, kommen schnell viele andere. Wespen sind auch nicht so kuschelig wie Hummeln oder so Honig erzeugend wie Bienen, sondern ordinäre Fleischfresser mit Hang zu Stecherei. Bei der Biene Maja waren sie die Erz-Bösewichte, fieser noch als die Spinne Thekla. Diese Comics prägten einen großen Teil meiner Generation. Kein Wunder also, wenn gegen Wespen die Wut regiert.

Dabei ist es sogar bei Strafe verboten, sie zu töten. Finde ich erst einmal gut, wobei ich nicht glaube, dass es jemals zu Anrufen bei der Polizei kam, wenn jemand eine Wespe genussvoll mit der Gabel zerdrückte.

Töten als Abschreckung?

„Wenn eine tot ist, ist das eine Abschreckung für die anderen“, ist ein Argument. Das ist natürlich quatsch und entspricht einer seltsamen „Wie du mir, so ich dir“-Denkweise, die ich im Bezug zu Wespen schon oft gehört habe. „Aber die Wespe weiß doch nicht, dass sie eine Wespe ist – und daher darf man sie dafür auch nicht bestrafen“, war ein Gegenargument meiner kleinen Nichte, die mit acht Jahren schon sehr klug ist.

Ich selbst bin uneingeschränkte Wespenbeschützerin. Und das obwohl ich die Tiere nicht besonders schätze und eine Kind 1 sogar einmal in die Hand stach, obwohl Kind 1 nicht mehr gemacht hatte, als einfach im Garten zu stehen. Das tat weh und war gemein – und trotzdem will ich das Tier nicht töten.

Statt Gewalt lieber alten Kaffee rösten

Nenn mich Hippie, aber ich finde es moralisch verwerflich, aus Angst ein Tier zu töten, das eigentlich keine Gefahr für mich und die meinen darstellen muss – und das dank seiner Jagdtätigkeit auf andere Insekten und die ein oder andere befruchtete Pflanze wahrscheinlich mehr Gutes in der Umwelt erwirkt als ich mit meinem riesigen ökologischen Fußabdruck. Kind 1 sieht das ähnlich – und rettet trotz Stichs mit mir mit.

Statt also zuzuhauen, entzünden wir neben der Grilltafel in alten Pfannen noch älteres Kaffeepulver, denn das können die Tiere so gar nicht riechen. Mehr als das entrüstete Gebrülle der Wespenschützer hat dieser Trick dafür gesorgt, dass keine Wespen mehr zu Tode kommen, wenn meine komplette Familie zusammen im Freien sitzt.

Deine Corinna

P.S.: Was schreiben Deine Kinder in Freundschaftsbücher?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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