Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Gender-Erziehung: Kinderschminken ist Männersache

Von Daniel Benedict

Wer Ninjagos schminken kann, genießt das Vertrauen der gesamten Kita. Illustration: Lillith BenedictWer Ninjagos schminken kann, genießt das Vertrauen der gesamten Kita. Illustration: Lillith Benedict

Berlin. Kriegen Väter zu viel Lob? Für Dinge, die bei Müttern als Selbstverständlich gelten? Ja – und auch nein.

In der letzten Woche hat unsere Elternkolumnistin Corinna Berghahn eine Lanze für arbeitende Mütter gebrochen und ihren Brieffreund gefragt: „Irre ich, oder werden Väter für all ihr Tun rund um die Kinder bejubelt?“ Dies ist die Antwort von Daniel Benedict:

Liebe Corinna,

als ich zum ersten Mal in Elternzeit gegangen bin, hat ein Kollege mich mit der Frage verblüfft: Warum denn jetzt schon? Sein Argument: In den ersten Monaten liegt das Kind doch eh nur an der Mutterbrust. Eben! Deshalb ja! Beim Bonding haben Mütter sowieso einen kaum einholbaren Vorsprung. Wer sich nicht beizeiten ins Gespräch bringt, verliert den Anschluss – in der Beziehung, aber auch in ganz banalen in Alltagsfragen. Väter, denen zwei Monaten Elternzeit reichen, erkennt man auf dem Spielplatz sofort am fragenden Blick: Ist er groß genug für die Schaukel? Darf er Sand essen? Wer das Kind hat, trifft die Entscheidungen. Wenn man das am Anfang verpasst, wird man sich nie mehr kompetent und zuständig fühlen.

Dass ich mir die Babys damals so oft wie möglich geschnappt habe, war also reiner Eigennutz. Trotzdem wurde ich als seltener Vorzeigevater bejubelt. Inzwischen legt sich das aber; vermutlich weil meine Söhne ein Alter erreicht haben, in dem Kinder für ihre Väter schon immer interessant wurden. Ein Mann, der mit Fünfjährigen spielt, erntet jedenfalls viel weniger Bewunderung als einer mit einem Säugling im Tragetuch. Und das, obwohl ein Tuch-Spaziergang natürlich bedeutend angenehmer ist als beispielsweise die Konstruktion des Lego-Drachenfängers in schrecklichen 260 Schritten. Erziehung ist ungerecht.

Um überhaupt mal wieder meinen Ausnahmestatus zu spüren, greife ich zu extremen Mitteln. Beim Kita-Sommerfest habe ich mich kürzlich fürs Kinderschminken eingetragen; noch immer zehre ich vom Unglauben aller Mütter und Erzieherinnen. Der Make-up-Koffer ist die letzte Bastion des Weiblichen. Dabei garantiert selbst die perfekte Beherrschung des Smokey Eyes Effekts nicht, dass ein Kind am Ende wirklich wie Hello Kitty aussieht. Selbstkritisch muss ich sagen: Auch meine erste Kitty war eher ein Sturz ins Himbeer-Joghurt. Ich wollte mich bei den Eltern entschuldigen, hatte aber die kindliche Fantasie unterschätzt: Das Mädchen fühlte sich schön. Mein Erfolg sprach sich rum, und bald war ich der einzige Make-up-Artist, bei dem Kinder Schlange standen. Nur mir haben die Jungs (in Wahrheit sehr leicht zu schminkende) Transformer- und Ninjago-Masken zugetraut. Nur ich habe Vorlagen für den „Mortal Kombat“-Schurken Scorpion gegoogelt. (Ein FSK-18-Spiel, wieso kennen Kinder so was?) Im Grunde verdankt sich mein Triumph beim Schminken gerade dem Umstand, dass ich ein Mann bin – und damit für Superhelden zuständig. Ein schöner Twist, an dem ich in anderen Bereichen noch arbeite: Das schweißtreibende, täglich eingeforderte Toben gilt Kindern als Männersache. Schreib mir, wenn Du eine Idee hast, wie ich das wenigstens hin und wieder an meine Frau abdrücke. Ich hätte lieber gestillt.

Herzliche Grüße

Dein Daniel

PS: Wie war das erste Schuljahr?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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