Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Was man von Wilhelm Busch über Elternschaft lernen kann

Von Corinna Berghahn

Eines der seltenen erhaltenen Exemplare der Erstausgabe von „Max und Moritz“, fotografiert im Museum Wilhelm Busch in Hannover. Foto: Holger Hollemann/dpaEines der seltenen erhaltenen Exemplare der Erstausgabe von „Max und Moritz“, fotografiert im Museum Wilhelm Busch in Hannover. Foto: Holger Hollemann/dpa

Osnabrück. Schule hat wieder begonnen. Jetzt heißt es wieder für alle sehr früh aufstehen, das Kind zu Hausausgaben überreden – und sich dafür in die Werke von Wilhelm Busch retten.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict mit seinem Status als bejubelter Papa geprahlt– und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Schule geht wieder los – wie war eigentlich das erste Jahr? Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel!

Huch, tatsächlich! Kind 1 ist jetzt in die zweite Klasse gekommen! „Eins , zwei, drei im Sauseschritt, geht die Zeit; wir gehen mit“, heißt es da ganz treffend in der Tobias-Knopp-Trilogie von Wilhelm Busch. Eine Bildergeschichte, die ich allen Lesern und besonders Eltern ans Herz lege. Busch blieb unverheiratet und von Kindern weiß man auch nichts, aber er prägte wahre Sätze wie „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ – und zeigte anhand von Max‘ Freund Moritz, was passieren kann, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol trinkt. Denn der Junge hat alle Anzeichen, die für ein Fetales Alkoholsyndrom sprechen.

Anhand vom Lehrer Lämpel zeigt Busch aber auch, dass Schüler schon früher den Wunsch verspürt haben müssen, ihren Lehrer ziemlich derbe zu ärgern. Das ist im Fall von Kind 1 jedoch anders: das liebt seine Lehrerin und würde sie nie in die Luft sprengen, wie Max und Moritz ihren Lehrer Lämpel. Doch Du fragst nach dem vergangenen Jahr – und was wir darauf gelernt haben.

Wo ist der Zauber des Anfangs?

Nunja, Kind 1 geht nach wie vor gerne in die Schule. Doch der Zauber des Anfangs hat etwas nachgelassen. Bei den Hausaufgaben war dieser beispielsweise schon nach gut einem Monat entschwunden – bei dem Kind und bei uns. Ähnlich unschön ist die frühe Zeit, in der wir alle aufstehen müssen. Denn die Schulglocke klingelt immer um 8 Uhr und macht auch für die müdeste Familie an einem Chaoten-Morgen keine Ausnahme.

Abgesehen davon läuft es gut, finde ich. Das Kind hat Freunde gefunden, liest kurze Texte mit viel Spaß, schreibt Diktate, rechnet sehr gerne und bastelt eine Menge Kram. An den Laub-, Weihnachtsmann- und Osterhasenbildern, die es dann regelmäßig nach Hause bringt, können wir nachspüren, wie schnell die Zeit rennt – und welcher Feiertag in Kürze ansteht.

Schule ist großartig

Meinetwegen kann alles so weitergehen, denn Schule ist eine großartige Institution. Wobei ich als Lehrerkind vielleicht auch parteiisch bin: Ich weiß, dass Lehrer normale Menschen mit Macken sind, Eltern ganz schön nerven können, Kinder sich manchmal unmöglich verhalten und Noten – die Kind 1 ja noch gar nicht bekommen hat – nicht alles sind.

Eine Sache allerdings wünsche ich mir wirklich: Dass Kinder jedes Jahr eine von der Verwandtschaft gesponserte Schultüte bekommen. Die von Kind 1 war vergangenes Jahr mit den Büchern für die 1. Klasse gefüllt. Dieses Jahr müssen wir alle selbst zahlen – und das ist nicht gerade billig. Aber, sehr frei angelehnt an Wilhelm Busch: Man kann sein Geld eben nicht besser anlegen als in Kindern.

Deine Corinna

PS: Noch sind sie niedlich – vor welcher Entwicklungsphase Deiner Kinder graut es Dir?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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