Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Dürfen Mütter Vollzeit arbeiten – und andere unangemessene Fragen

Von Corinna Berghahn

Mütter können es nie allen recht machen, oder? Foto: Colourbox.deMütter können es nie allen recht machen, oder? Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Ob sie arbeiten wollen oder zuhause bleiben, ob sie stillen oder lieber die Flasche geben, ob sie kochen und wenn ja, was denn genau: Mütter können es nie allen recht machen. Daher hier: Altkluge Antworten auf altväterliche Fragen.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über Kinder und das Töten von Ameisen nachgedacht und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: „Bezeichnet eigentlich noch irgendwer arbeitende Frauen als Rabenmütter?“ Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

ich erinnere mich an das Vorstellungsgespräch einer Freundin für eine Vollzeitstelle, in dem sie gefragt wurde, was denn in der Zeit, in der sie arbeiten wolle, mit ihrem noch kleinen Kind geschehen soll. Leider war sie nicht schlagfertig und sagte irgendetwas wie Tagesmutter. Stattdessen hätte sie sich echauffieren sollen, weil die Frage unangemessen war. Oder fragen, ob auch junge Väter diese Frage gestellt bekommen haben. Oder sie hätte sagen sollen: Kein Problem, mein Kind ist sehr verträglich, da stört es sicher keinen in diesem familienfreundlichen Unternehmen, wenn ich es mitbringe.

Kinder werden auch groß, wenn Papa sich mehr kümmert

Tja, arbeitende Mütter – also außerhalb des Haushaltes arbeitende Mütter. Denn auch Hausfrauen arbeiten, und das nicht zu knapp – und werden dafür auch noch schlechter bezahlt als sie es verdient hätten. Aber hier geht es um mich und meine Spezies: Frauen, die Kinder haben, aber Vollzeit arbeiten wollen.

Eigentlich sollte das kein Thema mehr sein, denn die Kinder werden auch groß und stark, wenn der Vater mehr mit ihnen unternimmt oder eben genau so viel wie die Mutter. Biologisch gibt es außer dem Stillen nichts, was Mütter per se besser können. Oder Väter schlechter machen. Trotzdem: Arbeitende Mütter können es keinem recht machen. Und an manchen Tagen denke ich sogar: Stimmt, ich werde keinem gerecht. Alles brüllt und ich bin müde. (Weiterlesen: Bereuen und Bekriegen: Der fatale Müttermythos)

Altkluge Antworten auf altväterliche Fragen

Die Frage ist nur: Wird man das je? Und: Stellt Mann sich diese Frage auch? Nein – und eher selten, vermute ich. Deshalb hier ein paar Antworten auf unangemessene Fragen, die sich diverse mir bekannte Muttis schon anhören musste.

Frage: Warum haben Sie denn Kinder, wenn Sie eh arbeiten?

Antwort: Statistisch gesehen werde ich etwa 80 Jahre alt. Davon habe ich nur 20 bis 25 Jahren die Kinder (mit-)betreut. Davor wurde ich erstklassig auch auf Kosten der Allgemeinheit ausgebildet. Ich bin doch kein Schnorrer!

Frage: Ihr Mann verdient doch auch, warum arbeiten Sie denn beide?

Antwort: Kennen Sie die Scheidungsrate in Deutschland? Eben. Wie, das ist unromantisch? Nun, Frauen neigen eben nicht zu Sentimentalitäten.

Kommentar: Das arme Kind: Immer das erste, das in die Krippe kommt und das letzte, das abgeholt wird…

Antwort: Schon in der Bibel steht: Die letzten werde die ersten sein. Und ich lege eben sehr viel Wert auf eine Erziehung, die zur Leitkultur unseres Landes passt.

Frage: Wer kümmert sich denn um das Kind, wenn Sie arbeiten?

Antwort: Welches Kind? Achso, ja stimmt… Hm, ich muss erst einmal gucken, wo das steckt. Habe es seit Tagen schon nicht mehr gesehen. Hoffentlich hat es die Nummer vom Pizzadienst nicht verloren.

So müssten die Gespräche ein schnelles Ende gefunden haben und Working Mum kann sich wieder dem widmen, was wirklich wichtig ist: Nämlich die knappe Zeit mit dem Kind möglichst großartig zu verbringen.

Deine Corinna

PS: Irre ich, oder werden Väter für all ihr Tun rund um die Kinder bejubelt?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


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