Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Super- oder Flohmarkt: Was ist schlimmer?

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Pieep, pieep, pieeeeep: Roboter sind bei Kindern populär, sie lärmen aber oft gewaltig. Illustration: Lilith BenedictPieep, pieep, pieeeeep: Roboter sind bei Kindern populär, sie lärmen aber oft gewaltig. Illustration: Lilith Benedict

Berlin. Einkaufen mit Kindern stellt Eltern vor immerneue Herausforderungen: Eine Horrorgeschichte aus der Welt des Konsums.

In der letzten Woche hat unsere Elternkolumnistin Corinna Berghahn sich vor Zecken gegruselt und ihren Brieffreund gefragt: „Was war Dein schlimmstes Einkaufserlebnis? Mit Kindern natürlich ...“ Dies ist die Antwort von Daniel Benedict:

Liebe Corinna,

ganz sicher zielt Deine Frage nach meinem schlimmsten Einkauf auf die Quengelkasse und ihre Schrecken. Tatsächlich sind meine Kinder im Supermarkt immer ganz brav, still und versonnen. Ich muss nur aufpassen, dass keiner merkt, was sie mit den von Schrott-Spielzeug strotzenden Zeitschriften anstellen. Viel schlimmer war für mich der letzte Flohmarkt. Und das ist ja auch klar. Während normale Eltern hier nur allein und als Verkäufer hingehen, um heimlich die nervigsten Spielsachen loszuwerden, war ich mit meinen Kindern da. Jetzt besitzen wir Woolworth’s „DGTAL Warror 08“ – einen 20 Zentimenter großen Roboter, der rollt, rotiert, den Hampelmann macht und erstaunlich laut einen mir unbekannten Sommerhit dudelt: Rengdeng, di Deng, da Deng, di Deng, da Didl, Didl, Didl, Dildl, Deng, Deng, Deng. Wir haben unserem Sohn sofort erlaubt, ihn in die Kita mitzunehmen, damit er kaputt geht. Leider sind Warrors der 08er-Serie genauso haltbar wie ihr scheußlicher Ohrwurm.

Trotz des Risikos solcher Anschaffungen gehe ich sehr gern auf Flohmärkte. Nirgendwo fühlt eine zwischen Kauflust und Konsumekel zerrissene Seele sich besser. Nur hier kann ich mir den Rucksack vollstopfen, ohne das Konto oder mein Öko-Gewissen zu belasten: Der Einkauf von heute ist der Müllberg von morgen; aber wer gebraucht kauft, ist aus dem Schneider. Auch meinen quälenden Geiz spüre ich hier nicht: Für Schleichtiere beispielsweise verlangen Kinder in der Regel so wenig, dass ich auch dann gut wegkomme, wenn ich aus Übermut das Doppelte hinlege.

Ganz anders als die Kinder verhalten sich Mütter, bei denen ich oft verbissenes Feilschen erlebe. Eine Sandmann-Tasse etwa wurde mir zum Ladenpreis angeboten, weil sie unbenutzt war. Diese Ahnungslosigkeit ärgert mich: Jeder weiß, dass selbst ein Neuwagen Tausende Euros an Wert verliert, sobald der Besitzer zum ersten Mal drinsaß. Eine andere Mutter hat ihren Sohn angefaucht, weil er Schlümpfe mit Mengenrabatt angeboten hat: „Halt, da müssen Sie mit mir verhandeln, das sind meine von früher!“ Immerhin: Das war ungewöhnlich. Der Verwertungsrhythmus ist sonst leider ein vollkommen anderer. Die meisten Eltern misten nicht die eigenen Kinderzimmer aus, sondern die von Grundschülern. Viel zu selten erwische ich deshalb Bilderbücher aus den 80ern, die mich – selbst wenn ich sie damals nicht kannte – immer tief berühren. Gerade jetzt betrachte ich Hermann Wernhards Bilder auf dem Blinde-Kuh-Spiel von Ravensburger. Alles ist wieder da: der Spieleschrank, das Licht auf dem Wohnzimmerteppich. Wie im Traum versinke ich in Erinnerungen, die ich nur allein diesem Flohmark-Schatz ver- ... Rengdeng, di Deng, da Deng, di Deng, da Didl, Didl, Didl, Dildl, Deng, Deng, Deng.

Herzliche Grüße!

Dein Daniel

PS: Wie stellst Du Deine Kinder im Urlaub zufrieden – trotz Altersunterschied?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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