Reaktionen aus der Politik Bertelsmann-Studie: "Ein paar Euro mehr Kindergeld nützen da leider nichts"

Von Anna Behrend

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Wenn Mütter nicht erwerbstätig sind, droht ihren Kindern Armut. Foto: imago/Becker&BredelWenn Mütter nicht erwerbstätig sind, droht ihren Kindern Armut. Foto: imago/Becker&Bredel

Gütersloh. Eine Studie zeigt: Kinderarmut hängt stark von der Berufstätigkeit der Mütter ab. So äußern sich Politikerinnen dazu.

Das Armutsrisiko von Kindern in Deutschland hängt maßgeblich vom Beschäftigungsverhältnis der Mutter ab – das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Besonders dramatisch ist die Lage bei alleinerziehenden Müttern, doch auch in Paarfamilien reicht das lange verbreitete Einverdienermodell oft nicht mehr aus.

Arbeitet die Mutter etwa in Teilzeit oder in einem Minijob, so erleben die Kinder in 20 Prozent der Fälle dauerhafte oder wiederkehrende Armutslagen. Bei Kindern von nicht-erwerbstätigen alleinerziehenden Müttern ist dies sogar in 96 Prozent der Fälle so. Lediglich wenn die Mutter Vollzeit, mehr als 30 Stunden pro Woche, arbeitet, sind die Kinder in fast allen Fällen finanziell abgesichert – ähnlich wie in Paarfamilien, in denen die Mutter Vollzeit arbeitet.

Verlässliche Ganztagsbetreuung, Beendigung der Lohnungerechtigkeit

Es sei höchste Zeit für Rahmenbedingungen, "die es gerade Müttern ermöglichen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren", sagte die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock anlässlich der Studie. Dazu gehörten Kitaplätze genauso wie eine verlässliche Ganztagsbetreuung in der Schule sowie die Beendigung der Lohnungerechtigkeit.

"Löhne reichen immer häufiger nicht zum Leben", kritisierte Linken-Chefin Katja Kipping. "Ein paar Euro mehr Kindergeld nützen da leider nichts - schon gar nicht, wenn jede Kindergelderhöhung auch auf aufstockende Sozialleistungen angerechnet wird."

Das Einverdienermodell reicht oft nicht mehr aus

Die Daten der Bertelsmann-Studie zeigen auch: In vielen Paarfamilien reicht das Geld eines Erwerbstätigen nicht mehr aus, um Armut dauerhaft abzuwenden. In fast einem Drittel der Fälle erleben Kinder Armutslagen, wenn die Mutter in einer Paarfamilie über längere Zeit nicht erwerbstätig ist.

Kinder aus armen Familien seltener in Vereinen

Eine Armutslage liegt nach der Definition der Studie vor, wenn eine Familie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens auskommen muss oder Hartz IV bezieht. Armut in Deutschland bedeute in der Regel jedoch eher nicht, obdachlos oder hungrig zu sein, betonen die Autoren der Studie. Armut in Deutschland habe jedoch einen Einfluss auf soziale Teilhabe.

So sind lediglich rund ein Drittel der Kinder aus Familien mit dauerhaft nicht gesichertem Einkommen in Vereinen angemeldet. Von den Kindern aus Familien mit gesichertem Einkommen sind hingegen rund drei Viertel im Verein aktiv.

Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte, die Familienförderung konsequenter an der Bekämpfung der Kinderarmut auszurichten. Unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Familie, werde eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung gebraucht, die das Existenzminimum von Kindern gewährleiste, erklärte Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann.

Auch Verena Bentele,  Präsidentin des Sozialverbands VdK, mahnte, für die materielle Absicherung von Kindern sei "gute armutsfeste Arbeit notwendig". Aufgabe des Staates sei es, dafür den Rahmen zu schaffen –etwa durch einen angemessenen Mindestlohn. Vor allem Alleinerziehende bräuchten zudem familienfreundliche Arbeitszeitmodelle.


Über die Studie

Die repräsentative Studie wurde vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt. Es wurden Daten für mehr als 3000 Kinder über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgewertet. Aufgrund der kleinen Fallzahl von alleinerziehenden Vätern konnten keine Aussagen zu deren Erwerbstätigkeit getroffen werden.

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