Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Hilfe! Das Kind hat Kreidezähne und keiner weiß warum

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Kreidezähne sind höchstens auf einer Tafel schön, ansonsten aber der Horror für Eltern und Kinder. Foto: Colourbox.deKreidezähne sind höchstens auf einer Tafel schön, ansonsten aber der Horror für Eltern und Kinder. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Ein Gespenst geht um in deutschen Kindermündern – das Gespenst der zerbröselnden Kreidezähne. Unsere Elternkolumnistin hat es schon nachhaltig erschreckt.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict sein Scheitern bei der Eis-Regulation seiner Kinder zugegeben – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Apropos Zucker – haben Deine Kinder schon ein Loch im Zahn? Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

wenn ich auf etwas in den vergangenen Jahren wirklich stolz war, dann dass Kind 1 sehr gepflegte und auch kariesfreie Zähne hat. In der Tat: Während ich das vierte Kind war und meine manchmal müden Eltern teilweise gar nicht merkten, wie ich mich mit Süßigkeitentüten ins Bett verzog – NACH dem etwa zwanzig Sekunden dauernden abendlichen Zähneputzen natürlich. Bei unserem Nachwuchs waren wir hingegen sehr bedacht auf ritualisiertes Putzen sogar noch vor dem ersten Zahndurchbruch. Zum Zahnarzt ging es früh, seitdem immer regelmäßig, Zahnseide wird auch schon angewendet und das Kind macht mehr oder weniger gerne mit.

Denn kaputte Zähne schmerzen – und werden später sehr teuer. Ich weiß das leider beides aus eigener Erfahrung und will es meinen Kindern gerne ersparen. Wir dachten ja auch, dass wir in dieser Hinsicht auf der sicheren Seite seien.

Wenn die Zähne wegbröseln

Und jetzt: Alles umsonst! Kind 1 hat zwar keinen Karies. Aber es hat etwas, von dem ich bis zum letzten Kontrolltermin noch nie gehört habe: Kreidezähne – oder fachärztlich ausgedrückt eine Molare-Inzisive-Hypomineralisation (MIH). Das bedeutet, dass die Mineralisation des Zahnschmelzes der betroffenen Zähne – viele sind es bei ihm glücklicherweise nicht, aber leider eben die zweiten – gestört ist: Sie sind verfärbt, sehr empfindlich und bröckeln im schlimmsten Falle irgendwann einfach weg. Der Horror!

Ende der 1980-er Jahre wurde diese Krankheit das erste Mal beobachtet – und seitdem werden es Jahr für Jahr mehr Betroffene. Bis zu 30 Prozent der Kinder in Deutschland könnten darunter leiden, schätzt eine neue Studie.

Demotivation macht sich breit

Der Grund für die Krankheit ist noch unbekannt. Vermutet wurde schon einiges: Kind wurde gestillt, Kind wurde nicht gestillt, Kind bekam als Baby Antibiotika, Kind hatte einen Infekt, Kind hat ADHS, Kind kam in Kontakt mit Weichmachern, der Mutter fehlte irgendwas in der Schwangerschaft ... Aber das sind alles Spekulationen. Fies ist auch, dass es bis auf Prophylaxe keine Therapie gibt: Stand jetzt ist, dass die betroffenen Zähne irgendwann ersetzt werden müssen.

Alles was wir tun können, ist, weiter auf die Zahnhygiene zu achten und zudem das Kind motivieren, dass das jahrelange Geschrubbe nicht komplett umsonst war – obwohl ich genau das tatsächlich manchmal denke. All die Diskussionen um Süßes und abendliches Zähneputzen und dann das ...

Den Stress hätten wir uns auch sparen können. Oder? Und lohnt er sich überhaupt in Bezug aus Kind 2? Das hat noch schöne und zahnärztlich attestiert gesunde Milchzähne. Aber wer weiß, was da für Bröselmasse nachwächst.

Deine Corinna

PS: Wollen Deine Kinder zur Fußball WM Deutschland-Trikots tragen und schwarz-rot-güldene Fahnen schwenken?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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