Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Warum das liebste Kuscheltier meines Kindes eine Dose Pfeffer ist

Von Corinna Berghahn

Während Kind 1 sich über den Malblock einer nicht mehr unter diesem Namen existenten Firma erfreut, erhielt Kind 2 eine Dose Knoblauch-Pfeffer bei der Feuerwehr-Tombola. Foto: BerghahnWährend Kind 1 sich über den Malblock einer nicht mehr unter diesem Namen existenten Firma erfreut, erhielt Kind 2 eine Dose Knoblauch-Pfeffer bei der Feuerwehr-Tombola. Foto: Berghahn

Osnabrück. Kuscheltiere haben Fans (meist Kinder) und eher Nicht-Fans (läusegeplagte Eltern). Doch das Kind unserer Elternkolumnistin kuschelt aktuell lieber mit einer Dose Pfeffer.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über seine Söhne und ihr Verständnis von (Taschen-)Geld referiert – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Welche Rolle spielen in Euren Betten Kuscheltiere? Dies ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel,

ach, Kuscheltiere. Als Kind hatte ich gefühlt hunderte, was wohl auch daran lag, dass ich als Jüngste von Vieren alles in mein Zimmer gestellt bekam, wofür meine Geschwister sich zu alt fühlten; also Kinderbücher, pinke Gläser von Leonardo (es waren ja die frühen 1990-er) und eben Berge von Kuscheltieren, viele mit einem doofen Spruch-Shirt bekleidet.

Denn meine Schwester hatte viele Verehrer. Die hatten nur leider wenig Fantasie und dachte, man(n) könne das Herz eines Mädchens mit Bärchen in „I love you“-T-Shirts gewinnen ... Hier ein ungefragter Ratschlag an junge Männer: Seiner Angebeteten einen Bären mit Motto-T-Shirt zu schenken, ist kein Zeichen von stilvoller Balz. Lieber die Worte aussprechen oder das Geld in Kinokarten oder Eis investieren. Das Bärchen landet eh nur bei der kleinen Schwester der Angebeteten und die zerstört das grässliche T-Shirt mitsamt seiner romantischen Botschaft aus der Massenproduktion, um es ihrer Barbie anzuziehen.

Kaktus aus Stoff

Zurück zu unseren Betten: Kind 1 liebt Stofftiere und teilt sich ihr Bett mit allen, die unsere Läusebehandlung überlebt haben. Kind 2 liebt eigentlich nur die Stofftiere, die Kind 1 liebt. Was zu viel Gebrüll führen könnte, wenn Kind 1 nicht eine meist Zen-mäßige Gelassenheit gegenüber den Trotzphasen seines Geschwisterchens aufbrächte. Meistens jedenfalls.

Kommt Kind 1 nachts zu uns ins Bett, kommt es selten allein, sondern mindestens mit Schnuffelschaf, Pferdi, Schildkröte und neuerdings einem riesigen Kaktus aus Stoff, der sich ganz passabel als Kopfstütze nutzen lässt. (Übrigens: Wir haben keines der Stofftiere gekauft; es waren alles Geschenke.) Kind 2 hingegen wird begleitet von einer unsichtbaren Maus, die eigentlich auf unserer Treppe lebt, aber dann doch immer mit dabei ist. Und von einer Dose mit Knoblauch-Pfeffer.

Die Sache mit der Pfefferdose

Ja, einer Dose mit Knoblauch-Pfeffer. Das kam so: Kind 2 liebt Feuerwehr. Wobei lieben es zu schwach ausdrückt. Es liiiiiiiiiebt Feuerwehr, Tatütata, Feuerwehrmann Sam und alles, was fährt, blinkt und rot ist. Also habe ich an eine schönen Sonntag Kind 1 und 2 eingepackt und bin mit ihnen zum Feuerwehrfest gefahren. Kind 1 war etwas gelangweilt, aber Kind 2 war von dem großen Leiterwagen und besonders von dem Bottich, in dem ein Taucher sein Können bei der Rettung von Plastikentchen bewies, nicht mehr wegzukriegen. Was wiederum Kind 1 noch mehr langweilte. Zur Ablenkung kaufte ich zwei Lose, jedes war schließlich ein Gewinn.

Und das war es in der Tat: Während Kind 1 sich über den Malblock einer nicht mehr unter diesem Namen existenten Firma erfreute, erhielt Kind 2 eben eine Dose Knoblauch-Pfeffer. Für eine Zweijährige ist das ein ungewöhnlicher Gewinn, aber so war eben die Losnummer, meinte die Dame von der Bude.

Aber irgendwas hat diese Dose in ihm ausgelöst, denn bis dato hatte es nicht mal ein Lieblingsschnuffeltier. Vielleicht die feuerrote Farbe des Deckels, vielleicht auch nur meine Reaktion auf seinen Preis, die sehr überrascht war und vielleicht den Trotz von Kind 2 anstachelte.

Wie auch immer: Seitdem begleitet die Dose Kind 2 durch den Alltag: Sie wird stolz herumgetragen und abends mit ins Bett genommen. Da sie sich nicht einfach so öffnen kann, habe ich da keine Bedenken. Und praktischer als ein Bärchen mit T-Shirt ist sie allzumal, denn Läuse wird sie sich wohl nie einfangen.

Deine Corinna

PS: War Kinderfernsehen früher besser?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.