Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Warum ich froh bin, dass die Hausaufgabenkontrolle bei uns ausgesourct ist

Von Corinna Berghahn

Hausaufgaben nerven meistens – Schüler wie Eltern. Foto: Colourbox.deHausaufgaben nerven meistens – Schüler wie Eltern. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Hausaufgaben nerven meistens – Schüler wie Eltern. Sind aber unumgänglich, oder? Unsere Elternkolumnistin ist sich da nicht ganz so sicher.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict berichtet, wann er seine Kinder als Ausrede für lästige Einladungen einsetzt – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Scheiterst Du an den Hausaufgaben Deiner großen Tochter? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

Hausaufgaben. Argh. Als Schülerin fand ich sie schon nervig, erledigte sie ab der Mittelstufe gerne kurz vor der Stunde. Nach Schule und Universität dachte ich, dass ich mit dem Thema für immer abgeschlossen hätte. Das war wohl etwas voreilig, denn natürlich bringt Kind 1 seit vergangenem August fast tagtäglich Einträge in ihrem Hausaufgabenheft mit nach Hause.

In den ersten Wochen machte ihre Erledigung auch noch allen Spaß – besonders dem Kind. Doch der Zauber des Anfangs hat sich nicht ganz erhalten: Wenn wir abends die Hausaufgaben kontrollieren, schlägt die Stimmung oftmals ins Gereizte um. Lust, sie uns nach einem langen Tag in Schule und Hort und manchmal noch Treffen mit Freundinnen zu zeigen, hat es allerdings selten. Muss aber sein.

Allerdings schlägt Kind 1 sich gut: Es versteht die Aufgaben jedenfalls besser als ich, die manchmal gar nicht weiß, ob man jetzt an eine gewisse Lola einen Brief schreiben muss oder nur die Fragen, die in einem Brief auf der Seite schon stehen – muss der noch mal laut gelesen werden? – per Kreuzchen beantworten muss. Wir vertrauen da auf das Kind. Und realisieren: Spätestens ab der Mittelstufe bin ich bei der Mathe-Kontrolle wohl raus...

Hausaufgaben lassen Eltern zu Eltern werden

Ja, Hausaufgaben lassen Eltern wirklich zu Eltern werden, die konsequent etwas einfordern müssen; das ist nicht schön, aber wohl unvermeidlich. Zudem muss man eine gesunde Linie finden, denn das Kind soll die Aufgaben schließlich alleine erledigen und nicht die Eltern für das Kind.

Allerdings haben wir Glück: Da Kind 1 einen Hortplatz hat, werden dort die Hausaufgaben erledigt, also quasi ausgesourct. Jedenfalls meistens. Das entbindet uns nicht von der Pflicht, noch einmal drüber zu schauen, aber sorgt sicher für weniger Streit am Küchentisch. Und weniger Stress und mehr Spaß am Tisch ist immer besser. Außerdem sind die Betreuer durch die Berge an Aufgaben, die sie seit Jahren mit den Kinder erledigen, sicher auch kompetenter als ich mit meinem Elternwissen.

Erstaunt war ich, als ich eine Mutter traf, die das ganz anders sah: Sie hatte Angst, dass ihr Kind – wie Kind 1 auch in der ersten Klasse – die Hausaufgaben im Hort „nicht richtig mache und zu oberflächlich betreut“ würde. Daher überlegt sie, es aus dem Hort zu nehmen. Schließlich soll es später mal studieren...

Kann man so sehen, aber ich sehe es anders: Hausaufgaben können im besten Fall das Wissen vertiefen und Kinder lehren, dass Disziplin manchmal nervt, aber meistens nützlich ist. Trotzdem bin ich vom Konzept Hausaufgaben nicht ganz überzeugt: Gute Schüler mit Eltern, die sich kümmern, werden von ihnen profitieren, schwächere Schüler mit eher uninteressierten Eltern hingegen könnten sie eher demotivieren. It‘s complicated.

Doch ein Gutes haben sie bei uns auf jeden Fall: Dank ihnen wissen wir, was Kind 1 in der Schule so gelernt hat – fragen wir es, antwortet es nämlich nur „Weiß nicht“ oder „Hab ich vergessen“.

Deine Corinna

P.S.: Wir überprüfen also Hausaufgaben – und womit quälst Du so Deine Kinder?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.