Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Warum mein Impfstatus schlechter ist als der meiner Kinder

Von Corinna Berghahn

Die Kinder sind durchgeimpft, während unsere Eltern-Kolumnistin nicht mal den eigenen Impfausweis wieder findet. Foto: Colourbox.deDie Kinder sind durchgeimpft, während unsere Eltern-Kolumnistin nicht mal den eigenen Impfausweis wieder findet. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Die Kinder sind durchgeimpft, während die Eltern nicht mal den eigenen Impfausweis wieder finden. So geht es vielen Familien, glaubt unserer Elternkolumnistin.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict eine Ode an seine allerliebsten Schimpfwörter verfasst – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Wer hat den besseren Impfstatus: Du oder Deine Kinder? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

Du hast mich ertappt! Ja, meine Kinder haben einen weit besseren Impfstatus als ich. Die zwei wurden gegen alles geimpft, was das Robert-Koch-Institut empfiehlt – ohne Bedenken, denn Impfgegner verstehe ich nicht einmal ansatzweise.

Trotzdem liegt meine letzte Impfung gegen Pneumokokken und Co. fast 20 Jahre zurück, dabei sollte diese Impfung alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Woran es liegt? Jedenfalls nicht am Skeptizismus, sondern an Zeit und Gelegenheit. Ich hatte mir in den vergangenen Jahren mehrere Male vorgenommen, mich wieder impfen zu lassen – und dann kam immer etwas dazwischen: Schwangerschaft, Erkältung, Vergesslichkeit, voller Alltag und leider auch Faulheit. Ich bin übrigens nicht gesünder, seitdem ich die Impfungen vor mir her schiebe – genauso wie ich als Kind vergesslicher Eltern sehr unter Masern und Windpocken gelitten habe und immer noch Narben trage ... (Weiterlesen: Warum ich Impfgegner nie verstehen werde)

Nicht nur ich bin so – hoffe ich

Aber nicht nur mir geht es so, wie eine kurze Umfrage im Freundes- und Bekanntenkreis zeigt. Es ist scheinbar ein Phänomen, dass bei vielen jungen und älteren Eltern auftritt: Kinder durchgeimpft, Eltern hingegen auf der Suche nach ihrem eigenen Impfausweis – wenn überhaupt. Ein Kollege scherzte sogar, dass sein Hausarzt ihn wohl unter Quarantäne stellen müsste, weil er einen so schludrigen Impfstatus hat.

Es ist ein bisschen so wie mit dem Fahrradhelm: Natürlich müssen die Kinder einen tragen, aber wenn es darum geht, dass auch Mami und Papi ihn aufsetzen sollten, scheitert es bei vielen. Sie sehen ja auch einfach nicht schön aus, oder? Ich trage übrigens einen – allerdings nur, wenn ich mit den Kids unterwegs bin. Shame on me.

Filet fürs Kind, Reste für die Eltern

Überhaupt sorge ich bei vielen Dingen besser für meine Kinder als für mich: Sie haben neue Matratzen, ich hingegen eine, die zufälligerweise bei meinen Eltern im Keller lag und die Größe meines Bettes hatte. Kochen wir, bekommen die Kinder die Filetstückchen, während wir dann ihre Reste aufessen. Zahnarzttermine für sie werden frühzeitig ausgemacht, während mir meist am Ende des Jahres einfällt, dass ich ja auch mal wieder müsste.

Ideal ist das nun wirklich nicht, aber eben Alltag arbeitender Eltern. Wobei ich mich bessern will und in diesem April meinen Impfstatus wieder auf Vordermann bringen werde. Versprochen. Es sei denn, es kommt mir was dazwischen.

Deine Corinna

PS: Schiebst Du Deine Kinder vor, wenn du Einladungen absagen willst?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.