Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Die Angst der Eltern beim Elternsprechtag

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Ganz so lang her, wie das Foto vermuten lässt, ist der erste Elternsprechtag der Elternkolumnistin nicht. Foto: Colourbox.deGanz so lang her, wie das Foto vermuten lässt, ist der erste Elternsprechtag der Elternkolumnistin nicht. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Wer Eltern ist, muss auch irgendwann zum Elternsprechtag. So wie unsere Kolumnistin, die diesen Tag zum ersten Mal aus Sicht der Eltern erlebte – und etwas Angst hatte, selbst benotet zu werden ...

In der vergangenen Woche berichtete Daniel Benedict über die Handschuhunlust und daher gefrorenen Fingerstäbchen seiner Söhne während der Kältezeit in Deutschland – und fragte dann: „Warst Du eigentlich schon mal auf einem Elternsprechtag?“ Die ist die Antwort von Corinna Berghahn:

Lieber Daniel!

ch war schon mehr als einmal bei einem Elternsprechtag! Besonders gut kann ich mich an meinen allerersten erinnern, als ich meine Mutter in die Grundschule begleiten durfte. Das muss so in etwa der zweiten oder dritten Klasse gewesen sein. Die Lehrerin hat uns mein Diktat gezeigt, das ich total vermurkst hatte, weil ich statt „Mutter“, „Vater“ und „Butter“ „Mutta“, „Vata“ und „Butta“ geschrieben hatte. Alles, was wie ein a klang, wurde eines. Heute, wo Kinder in einigen Schulen schreiben lernen, indem sie einfach aufschreiben, was sie so hören, wäre es wohl kein „mangelhaft“ geworden. (Weiterlesen: Wie Grundschüler am besten schreiben lernen)

Wenn Eltern sich benotet fühlen...

Kind 1 geht ja nun auch schon in die Schule, und sein erster Elternsprechtag liegt etwas zurück. Mein Mann und ich waren zusammen da, beide sehr aufgeregt – und neugierig. Fragt man das Kind, wie es so läuft und was es so gemacht hat, antwortete es stets: „Weiß ich nicht“, „gut“, „hab ich vergessen“. Von der Lehrerin erwarteten wir daher etwas konkrete Ausführungen. Hatten aber auch Angst: Wie kommt Kind 1 an? Schafft es das Pensum? Hat es Freunde gefunden?

Ich glaube, selbst wenn es bei einem Elternsprechtag ums Kind geht, geht es immer auch um die Eltern; sie fühlen sich ebenfalls benotet. Es kann nicht gut lesen – liegt das an uns? Es findet nur schwer Freunde – weil wir es etwa nicht sozial genug erzogen haben? Bei Kind 1 war dann alles o. k, normal,. und wir glücklich – und erleichtert.

Woher das kommt, weiß ich gar nicht so genau. Ich halte uns für recht normal: Nicht zu engagiert, aber interessiert am schulischen und sozialen Geschehen rund um das Kind. Natürlich tut ein Lob über das Kind wahnsinnig gut; und das schon von Anfang an: Als Kind 1 eine Woche nach seiner Geburt bei der U2 den Kopf heben konnte und die Ärztin sagte, dass es das doch erst mit drei Monaten können müsste, wuchsen wir innerlich um mindestens drei Zentimeter... Dabei hatten wir nun wirklich gar nichts damit zu tun. Genauso treffen uns manche negativen Kommentare. Tja: Irgendwie albern, aber wahr.

Gegen das Helikoptern

Wahrscheinlich kommt daher auch der Hang zum „Helikoptern“ bei einigen Eltern, zu diesem sich in alles einmischen, alles besser wissen und stets das Schlimmste befürchten. So neu ist das Phänomen nicht: Mein Vater, einst selbst Lehrer, erzählte schon in den 1980ern von Müttern, die Schulbrote in die Klasse nachtrugen und nach dem Unterricht mit Verbesserungsvorschlägen nervten.

Meine Eltern hingegen waren zumeist recht entspannt, obwohl ich von Klasse 7 bis 9 regelmäßig blaue Briefe bekam. Es gab ernste Worte, Nachhilfe, aber nie das große Drama. Vielleicht waren sie trotzdem von mir überzeugt, vielleicht waren sie aber auch nur zu müde, denn als viertes Kind von Vollzeit arbeitenden Eltern fällt man öfter hintenüber. Gott sei Dank, denn das lässt einen recht selbstständig werden.

Irgendwann fangen sie sich und wenn nicht: Muss ja nicht jeder studieren, war ihre Maxime gegenüber uns Kindern und unseren schulischen Leistungen. Ist das zu locker? Ich glaube nicht, denn zu einem Burn-out oder dem Gefühl, nicht zu genügen, konnte es so gar nicht kommen. In diesem Sinne: Liebe Mutta, lieber Vata, vielen Dank für Euer Vertrauen!

Deine Corinna

P.S.: Was sind familienintern eure liebsten Schimpf- und Koseworte?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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