Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Wenn Kita und Hort zur Bazillenschleuder werden

Zu Hilfe! In der Kita spielen nicht nur Kinder, sondern auch Milliarden Bazillen und Viren. Foto: BerghahnZu Hilfe! In der Kita spielen nicht nur Kinder, sondern auch Milliarden Bazillen und Viren. Foto: Berghahn

Osnabrück. Winterzeit ist Infektionszeit. Wer weiß das besser als Eltern betreuter Kinder, die tagtäglich von Millionen von Bazillen und Viren darnieder gehauen werden?

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über das bevorzugte Geschlechte der Spielkameraden seiner Kinder geschrieben und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Welche meldepflichtigen Erreger kursieren bei Euch gerade so? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

aktuell sieht es schlimm aus in der Kita: Die Liste des Grauens nennt fünf Erkrankungen, die allesamt wenig spaßig klingen: Hand-Fuß-Mund (also Maul- und Klauenseuche, nur eben für Menschen), Herpes, Windpocken, Pfeiffersches Drüsenfieber und der im Winter so beliebte Scharlach. Jackpot! (Weiterlesen: Kommt es in diesem Winter zu mehr Fällen von Scharlach als sonst?)

Vielleicht gibt es Eltern, die angesichts der Liste sogar „Bingo!“ rufen könnten. Mir riet ein – kinderloser – Kollege jedenfalls dazu, einfach mal „Ebola“ auf die Liste drauf zu schreiben, denn schlimmer ginge es ja eh nicht ... Mach ich natürlich nicht, denn diese Liste ist kein Scherz, sie ist bitterer, schnieftriefender Ernst.

Alle sind seit Wochen krank und das gefühlt für immer. In Familien wird Ping-Pong mit Bazillen gespielt, Taschentücher haben Hochkonjunktur – und die nette Frage von Kollegen, wie es denn zuhause laufe (nicht die Nase, sondern allgemein so), beantworten wir nur noch mit Reizhusten.

Schuld? Der Winter!

Dabei dachte ich, nach sechs Jahren Mama-Status hätte ich alles gesehen – und ausgeschwitzt. Zudem leben wir in einem Königreich von Obst, Gemüse, Ingwerwasser und Hygiene. Aber erst vergangene Woche lag ich in einer Art Delirium und dachte ernsthaft über das Verfassen eines Testamentes nach. Davor erwischte es den Mann, der die komplette Zeit zwischen den Jahren bettlägerig war.

Und wer ist Schuld? Herr Winter in Kombination mit vielen Rotznasen an einem Platz – und da ist es egal, ob die sich in Kita, Schule, Großraumbüro oder U-Bahn tummeln! Aber davon hört man bei Rolf Zuckowski nichts, wenn er über „Winterkinder“ oder „Die Eisprinzessin“ singt. “ Fällt dann mal Schnee, ist er in unseren Breitengraden höchstens drei Tage zu sehen, aber schon nach drei Minuten bricht der Verkehr zusammen. (Diese Kinderkrankheiten sollten Eltern kennen)

Winter ist romantisch? Humbug!

Kurzum: Winter ist romantisch? Humbug! Seitdem ich Mutter bin, habe ich regelrecht Aversionen gegen ihn. Allein das Kinder-in-mehrere-Schichten-packen-und-dann-wieder-Auspacken – Schweißausbrüche beiderseitig garantiert. Die kalten Händchen, die zu Tränen führen, denn welches Kind unter drei Jahre behält schon freiwillig die Handschuhe an.

Dasselbe Problem ergibt sich mit Mützen oder Schals: Nicht umsonst tauchen im Frühling alljährlich tausende wollige Fundstücke an Gehwegen auf und erinnern an die vergessenen und verlorenen Winterklamotten der Kinder.

Doch das Schlimmste sind die Infekte, denn erfahrungsgemäß geht Scharlach nahtlos zur „normalen“ Halsinfektion und dann in eine Herpes-Attacke mit Hand-Fuß-Mund über. Dazu gesellt sich dann Magen-Darm. Was bleibt, ist die Hoffnung auf Genesung – und Frühling.

Deine Corinna

PS: In Aachen haben sich kürzlich 20 Eltern geprügelt, weil zwei Kinder sich während eines Sportwettkampfs gestritten hatten. Hättest Du auch zugeschlagen, um Deinen Kindern den Sieg zu sichern?

Das Buch zur Kolumne gibt es jetzt auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer einen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die andere ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine fast zwei und vier Jahre alten Söhnen weniger Geschenke kriegen.

Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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