Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Warum es nicht schlimm ist, wie die eigene Mutter zu werden

Nein, so wie Mama werde ich nicht, dachte sich die Elternkolumnistin – und steckte lieber ihre Zunge raus. Foto: BerghahnNein, so wie Mama werde ich nicht, dachte sich die Elternkolumnistin – und steckte lieber ihre Zunge raus. Foto: Berghahn

Osnabrück. Warum ist es eigentlich so schlimm, wenn man genau wie die eigenen Mutter ist. Das fragt sich auch unsere Elternkolumnistin.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über seine Papa-Vorsätze für 2018 geschrieben und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Gibt es was, das Du heute genauso machst wie Deine Mutter – obwohl Du es als Kind gehasst hast? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

hui, es gibt wohl kein vergifteteres Kompliment als ein vom Gatten ausgesprochenes: „Du bist genauso wie Deine Mutter!“ Es sei denn, es handelt sich um Stifler’s Mom, wenn Du mir diesen „American Pie“-Exkurs verzeihen magst. (Zur Erklärung: Stifler’s Mom ist in der eher derben Komödie der Traum aller Highschool-Jungs. Die Mrs. Robinson der 2000-er Jahre also).

Meine Mutter war glücklicherweise nicht der Traum meiner Schulkameraden, aber doch einmal Tagesgespräch, denn sie ließ sich in der Schule in einem knallgrünen Kostüm sehen. Mit Hut. Ich gebe zu, ich habe mich geschämt damals mit elf Jahren. Aber dabei sind wir schon bei einem, was ich heute so mache wie meine Mutter: Ich habe keine Angst vor knalligen Farben und wie die Leute darauf reagieren. Mal sehen, wie Kind 1 und 2 damit umgehen, wenn sie in der Pubertät sind …

Heikel, weil Rollenvorbild

Doch das Verhältnis von Tochter-Mutter ist immer auch irgendwie heikel, das weiß man aus diversen Büchern und Filmen. Liebt man seine Eltern bis zum Anfang der Pubertät noch ohne Wenn und Aber, merkt man plötzlich, dass es sich um ganz normale Menschen handelt. Und die fallen tief: Egal was sie anstellen, mit cool oder lustig hat das nichts mehr zu tun (Knallgrün? Mit HUT?! Ich bin adoptiert!)

Bei Müttern kommt hinzu, dass sie für Töchter zumeist das erste Rollenvorbild überhaupt sind. So wie ich just auch für Kind 1 und 2, die fast alles, was ich mache, super finden (Es sei denn, ich benutzte das Wort „Nein“). Ich genieße das. Ich weiß ja, dass ich wegen der verrückten Hormone in ein paar Jahren über Nacht von der Stilikone zur Antiheldin werde. Spätestens mit 15 will keine Tochter so wie ihre Mutter werden.

Und dann? Wird man irgendwie doch so. Besonders, wenn eigene Kinder da sind. Weil es meist gar nicht so schlimm ist, womit einem die Mutter genervt hat: Im Gegenteil, aus Mamasicht ergibt das Meiste sehr viel Sinn. Zudem guckt man sich im Laufe seiner Kinderjahre doch mehr ab, als man sich das so denkt.

Ich bin dann doch auch wie meine Mutter

Obwohl es mein Mann noch nie laut ausgesprochen hat: Ich bin meiner Mutter tatsächlich ähnlich. Ich knülle meine Taschentücher genau wie sie, ich lebe meine schlechte Laune ähnlich aus wie sie und bin genauso sparsam wie sie, wenn es um Konsum geht. Gerade Letzteres hätte ich als Kind nie gedacht, denn damals war ich oft sauer, nicht auch die Levis-Hose zu bekommen, die doch gefühlt alle in meiner Klasse hatten.

Heute finde ich es sogar gut, dass ich nicht immer jeden Wunsch erfüllt bekam – und versuche diese Sichtweise Kind 1 und 2 schmackhaft zu machen. Mit mäßigem Erfolg, aber ich baue hier einfach mal auf die Langstrecke. Hat bei mir ja auch geklappt.

Deine Corinna

PS: Spielt Dein Erstgeborener lieber mit Mädchen oder mit Jungen?

Das Buch zur Kolumne gibt es jetzt auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer einen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die andere ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine fast zwei und vier Jahre alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN