Neues Smartphone von Google Google Pixel 2 im Test: Fotomonster in fadem Gewand

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Osnabrück. Google Pixel 2 im Test: Das neue Google-Smartphone gewinnt sicherlich keinen Schönheitspreis, bietet aber eine hervorragende Kamera und das bestmögliche Android-Erlebnis. Das hat allerdings seinen Preis.

Google Pixel 2 in Kürze:

  • zweite Generation des Google-Smartphones
  • nüchterner 5-Zoll-Bildschirm
  • sehr hohe Arbeitsgeschwindigkeit
  • pures Android Oreo ohne nervige Fremd-Apps
  • sehr gute Kameras
  • wirkt optisch veraltet
  • keine Kopfhörerbuchse
  • hohe Preise: 799 Euro (64 GB Speicher), 909 Euro (128 GB)
  • Innenleben identisch mit dem großen Bruder Google Pixel 2 XL (6-Zoll-Bildschirm mit höherer Auflösung und kleineren Rahmen)

Google Pixel 2: optisch eher enttäuschend

Das Google Pixel 2 ist von HTC gebaut und keinesfalls hässlich – eine Schönheit ist es allerdings auch nicht. Das liegt vor allem am klassisch-faden Design: Zweigeteilte Rückseite mit Fingerabdrucksensor und Kamera, auf der Vorderseite die großen Stirn- und Kinnrahmen, die den fünf Zoll großen Bildschirm begrenzen – das erinnert stark an das Pixel 1 und sieht nicht nach einem brandneuen Modell aus dem Jahr 2017 aus.

Das Design mit schmalen Rahmen hat Google nur dem teurern und größeren Bruder Google Pixel 2 XL spendiert. Zwei Dinge fallen dann doch auf: der große Schlitz im Kinnrahmen, der den zweiten Lautsprecher verrät und das fehlende Loch für einen Kopfhörer. Nach Apple hat also auch Google die Buchse gestrichen. Dafür liegt dem Google Pixel 2 ein Adapter bei, mit dem man eigene Kopfhörer an die USB-C-Buchse des Smartphones anschließen kann – Kopfhörer gehören nicht zum Lieferumfang.

Google Pixel 2 Display: Endlich mal nüchtern

Der fünf Zoll große Full-HD-Bildschirm des Google Pixel 2 unterscheidet sich von denen anderer Hersteller. Während vor allem die asiatischen Firmen auf knallige Farben setzen, wirkt das Display des Google Pixel 2 fast nüchtern. Wer von einem der Flaggschiff-Smartphones, wie dem Samsung Galaxy S8, kommt, wird sich an die vergleichsweise blasse Farbdarstellung gewöhnen müssen. Im gesperrten Zustand zeigt der Bildschirm stets die Urzeit, das Datum und Benachrichtigungen an. Allerdings haben Nutzer weniger Kontrolle über den Sperrbildschirm als zum Beispiel bei Samsung.

Der Bildschirm des Google Pixel 2 zeigt im gesperrten Zustand die Uhrzeit, das Datum und Benachrichtigungen. Foto: Mark Otten

Das Google Pixel 2 will gedrückt werden

Google stellt beim Google Pixel 2 den Sprachassistenten Google Assistant weiter in den Vordergrund. Dank verbesserter Mikrofone hört das Google Pixel 2 auch die durch den Raum gerufene Aufforderung „Ok Google“ und beantwortet zum Beispiel Fragen nach dem Wetter. Neu verbaut ist die von HTC bekannte Funktion „Active Edge“: Wenn das Google Pixel 2 gehalten und kurz gedrückt wird, startet der Google Assistant. Das erfordert etwas Gewöhnung, ist aber eine gute Alternative zum Gedrückthalten des Homebuttons, wie vom iPhone bekannt.

Die angepriesene Musikerkennung klappte im Test allerdings kaum: Eigentlich höhren die Mikrofone durchgehend zu und sollen – auch ohne Internetverbindung – erkennen und im Sperrbildschirm anzeigen, welche Musik gerade läuft. Diese Daten würden nicht an Google übertragen, heißt es bei beim Suchmaschinenanbieter. (Weiterlesen: iPhone X – so erklärt Apple die Panne bei der Keynote)

Google Pixel 2 zeigt, wie gut Android sein kann

Das Google Pixel 2 ist ein sehr schnelles Smartphone. Die Kombination aus dem Snapdragon 835 Prozessor und vier Gigabyte Arbeitsspeicher erweist sich als leistungsstark und sorgt für flüssiges Arbeiten und Spielen. Während andere Hersteller Android anpassen und mit oft nervigen eigenen Apps versehen, gibt es beim Google Pixel 2 Android, wie Google es sich vorstellt. Kein Fremddienst bremst das System aus und legt sich mit unangepasster Optik über das Betriebssystem. Ein weiterer Vorteil für Nutzer: Das Google Pixel 2 bekommt bis Oktober 2020 alle Sicherheits-Updates sofort und nicht erst nach Wochen, Monaten oder gar nicht, wie es bei vielen Android-Smartphones anderer Hersteller der Fall ist.

Die Kamera des Google Pixel 2 ist einfach sehr gut

Das Google Pixel 2 hat auf der Rückseite nur eine Kamera mit 12 Megapixel – viele andere Hersteller setzt bei ihren Flaggschiffen auf Dual-Kamerasysteme. Trotzdem hängt Google Pixel 2 in Sachen Bildqualität die meisten Mitstreiter ab.

Tiefenschärfe und verschwommene Hintergründe, wie sie der Porträtmodus verlangt, erreicht Google auch ohne zweite Kamera und setzt dafür auf eine Kombination aus Algorithmen und sogenannten „Dual-Pixel“. Jedes Pixel, das die Kamera aufnimmt, setzt die Kamera aus zwei kleineren zusammen. Dadurch entsteht ein enorm engmaschiges Netz aus Daten und Informationen, aus dem die Software die Tiefeninformationen zieht, die für das Bild wichtig sind. Dank der neuen optischen Bildstabilisation und einer etwas lichtstärkeren Linse macht die Kamera des Google Pixel 2 auch in dunklen Umgebungen gute Fotos. Die acht Megapixel Frontkamera ist zudem die beste, die wir je gesehen haben.

Ist das Google Pixel 2 aus Plastik?

Das Google Pixel 2 liegt gut in der Hand, wirkt vernünftig verarbeitet. Im Gegensatz zu Apple und Samsung setzt Google beim Google Pixel 2 nicht auf eine Rückseite aus Glas, sondern auf Aluminium; nur das oberste Viertel im Bereich der Kameras ist aus Glas. Das hat zur Folge, dass das Google Pixel 2 nicht per Induktion geladen werden kann. Doch der Handkontakt verwirrt: Ist das Smartphone gar aus Plastik? Nein, Google hat lediglich den Alurücken des Google Pixel 2 mit einer fein texturierten Beschichtung überzogen. Dadurch sind zum einen die Antennenlinien des Google Pixel 2 nicht mehr sichtbar, zum anderen ist es griffiger. Eine interessante und ungewöhnliche Entscheidung.

Urteil zum Google Pixel 2: Sehr gut und sehr teuer

Das Google Pixel 2 ist ein gelungenes Update im Vergleich zum Vorjahresmodel. Das Smartphone arbeitet sehr flüssig, ist gut verarbeitet und macht tolle Fotos. Es ist ein echtes Arbeitstier, das an vielen Stellen Funktion über Optik stellt. Allerdings müssen Nutzer mit dem etwas altbackenen Design und den großen Rahmen leben, auf eine Kopfhörerbuchse und die Option zum Laden per Induktion verzichten – und dazu noch tief in die Tasche greifen. Bei Preisen ab 799 Euro ist das Google Pixel 2 alles andere als ein Schnäppchen. Wer jedoch die beste Android-Erfahrung will, kommt am Google Pixel 2 und Google Pixel 2 XL nicht vorbei. (Im Test: Das iPhone 8 Plus kann einem fast leidtun)


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