Wahlkampf-Bots ausgetrickst „Die Partei“ kapert 31 geheime AfD-Facebookgruppen

Von Julia Barthel

„Die Partei“ hat 31 Facebook-Gruppen von AfD-Unterstützern gekapert und veröffentlicht. Screenshot: noz.de / facebook.com„Die Partei“ hat 31 Facebook-Gruppen von AfD-Unterstützern gekapert und veröffentlicht. Screenshot: noz.de / facebook.com

Osnabrück. „Die Partei“ hat am Sonntag in einem Facebook-Video bekannt gegeben, 31 geheime Facebook-Gruppen von AfD-Unterstützern gekapert und umbenannt zu haben. Damit will „Die Partei“ nach eigener Aussage gegen „alternative Fakten“ vorgehen.

Die Partei „Die Partei“ übernahm 31 ursprünglich geheime Gruppen von AfD-Mitgliedern und -Fans mit insgesamt etwa 180.000 Mitgliedern und änderte Inhalte. Das teilte der „Propagandaminister“ der Partei „Die Partei“ Shahak Shapira in einem knapp vierminütigen Video am Sonntag mit. Das Video wurde auf der Facebookseite der Partei „Die Partei“ und in allen betroffenen Gruppen veröffentlicht.

(Weiterlesen: Wie erkenne ich Falschmeldungen?)

In dem Video erklärt Shapira, dass viele solcher Gruppen ursprünglich von Bots, also computergesteuerten falschen Accounts, gegründet worden seien. Diese Aussage wird auch durch eine Recherche der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gestützt, die das Blatt im Februar veröffentlichte. Demnach wurde die gekaperte Gruppe „AfD 51% – das ist unser Ziel ! ! !“ mit rund 20.000 Mitgliedern mutmaßlich von Bots administriert. Shapira fragt im Video sein Publikum: „Verstehen Sie? Sie werden von Robotern verarscht, wie in der Matrix“. (Weiterlesen: Wahlkampf in Zeiten des Internets: So werden Wähler beeinflusst.)

„Hummus-Liebe“ statt „Heimatliebe“

So heißt eine Gruppe nicht mehr „Die Wahrheit über die Antifa“, sondern „I <3 Antifa“, und die „AfD-Freunde“ wurden zu „Die Partei-Freunde“. Auch mit der Namensverwechslung des Sprechers der AfD Thüringen, Björn Höcke, den die „Thüringer Allgemeine“ im Jahr versehentlich Bernd genannt hatte, spielt „Die Partei“. Außerdem verkündete Shapira neue Gruppenregeln: Hetze gegen Muslime sei ab sofort immer gen Mekka auszurichten und Kritik am Gender-Irrsinn müsse geschlechtsneutral formuliert werden.

Shapira erläutert im Video, wie „Die Partei“ vorgegangen ist: Sie hätten sich elf Monate lang als AfD-Sympathisanten ausgegeben, im Laufe der Zeit seien ihnen dann von den bisherigen Administratoren ebenfalls Admin-Rechte übergeben worden. So wollten die Bots vermutlich sichern, dass die Gruppen weiterhin bestehen können, falls sie selbst von Facebook gesperrt würden. Am Sonntag haben Mitglieder der Partei „Die Partei“ mit Admin-Rechten dann nach eigener Aussage die anderen Administratoren entfernt, die Gruppen öffentlich gemacht, umbenannt und das Video dort hochgeladen. So wurde die Gruppe „Heimatliebe“ beispielsweise in „Hummus-Liebe“ umbenannt. Seit Sonntag hat sie mehr als 1.500 neue Mitglieder. Shapira sagt dazu im Video: „Ab sofort werden die AfDler nicht mehr von Bots verarscht, sondern von Menschen!“

(Weiterlesen: Hitler im Bikino – So veralbert ein Satiriker die neuen AfD-Plakate“)

AfD-Unterstützer schimpfen auf „Antifa“

Die offizielle Facebookseite der AfD Baden-Württemberg warnt ihre Nutzer vor den gekaperten Seiten und empfiehlt den sofortigen Austritt. Sie behaupten, „Die Partei“ wolle so Informationen über AfD-Mitglieder und Sympathisanten sammeln. Die Kommentatoren in den Facebookgruppen schimpfen auf „die Antifa“, sprechen von Korruption und einem Angriff auf demokratische Grundrechte und stellen die Frage: Wie weit darf Satire im Wahlkampf gehen? Gleichzeitig fragen Gruppenmitglieder, wie sie aus den gekaperten Gruppen austreten können.

Außerdem weist die AfD Baden-Württemberg darauf hin, dass die Gruppen von AfD-Fans erstellt worden seien und nicht wie behauptet von der AfD. Dem widerspricht die Tatsache, dass das AfD-Mitglied Anne Teska als ehemalige Administratorin aller 31 Gruppen genannt wird und sie das auch gegenüber jetzt.de bestätigt hatte. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Gruppen von Fake-Accounts und Bots betrieben worden sein sollen. AfD-Sprecher Christian Lüth sagte, es seien in den Gruppen „keine besonders geheimen Inhalte“ geteilt worden.

(Weiterlesen: Das Einmaleins der Propaganda)

Satire im Wahlkampf

Als Satire-Partei hält „Die Partei“ den Menschen einen Spiegel vor. Im Interview mit jetzt.de sagte Shapira, „Die Partei“ wollte die Gruppenmitglieder so darauf aufmerksam machen, dass sie von der AfD mit Algorithmen und Fake-Profilen manipuliert würden. Auf ihrer eigenen Facebookseite kritisiert „Die Partei“ vor allem, dass sich weder Verfassungsschutz noch Facebook oder andere Parteien verantwortlich fühlen. Einige Mitglieder der betroffenen Gruppen verbreiten die Nachricht, alle AfD-Gruppen seien „gehackt worden“.

Shapira schreibt dazu auf Facebook „Alle Veranstaltungen, Twitter- und Youtubekanäle sowie Büros der AfD haben wir GEHACKT und fordern Sie dringlich dazu auf, diese sofort zu verlassen, um einen größeren Schaden zu verhindern.“

Tatsächlich tat „Die Partei“ nichts Illegales. Schließlich hatten die Gruppen-Admins die Admin-Rechte selbst weitergegeben. Shapira sagt dazu im Video: „Wer eine Facebook-Gruppe nicht aufrecht erhalten kann, wird es mit einem ganzen Land erst recht nicht schaffen.“

(Weiterlesen: Wie beeinflussen soziale Medien die demokratische Meinungsbildung?)


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