Robin Dutt im Interview E-Sports-Experte:„Der Durchbruch ist nicht mehr weit“

Von Daniel Schottmüller

Robin Dutt ist Berater in einer E-Spieleragentur. Foto: Peter Steffen/dpaRobin Dutt ist Berater in einer E-Spieleragentur. Foto: Peter Steffen/dpa

Osnabrück. Robin Dutt (52) war Bundesligatrainer bei Werder Bremen, Bayer Leverkusen und dem SC Freiburg. Zwischenzeitlich arbeitete er als Sportdirektor beim DFB. Seit acht Monaten ist Robin Dutt Berater einer E-Sport-Spieleragentur.

Herr Dutt, erinnern Sie sich daran, wann Sie zum ersten Mal einen Spiele-Controller in der Hand hatten?

Das ist bestimmt schon 30 Jahre her. Ich komme ja quasi aus der ersten Super-Mario-Generation.

Bei so viel Erfahrung könnte man Sie ja fast schon als E-Sport-Profi bezeichnen.

(lacht) Ich habe zwar eine Konsole, aber ich spiele nur sehr unregelmäßig. Wenn mein Sohn zu Besuch ist, zocken wir mal eine Runde. Ich möchte aber nicht einmal annähernd den Eindruck erwecken, dass ich gut bin. Das Thema E-Sport finde ich trotzdem spannend.

Sie sind vor kurzem als Berater in die Branche eingestiegen. Wie haben die ehemaligen Kollegen aus der Bundesliga darauf reagiert?

Die ersten Tage war viel los am Telefon. Aber meine Kollegen kennen mich ja. Die wissen, dass ich offen bin und mich gerne neuen Dingen zuwende. Ich wollte mich nie ausschließlich als Trainer oder Manager definieren. Für mich war immer klar, dass ich auch andere Themen vorantreibe, wenn ich mal eine Fußballpause einlege. Wenn es für mich danach als Trainer oder Manager weitergeht, ist das gut – wenn nicht, habe ich mir mit meinen Beratungstätigkeiten ein weiteres Standbein geschaffen. Im Moment bin ich für drei Firmen tätig, mein Engagement für „eSports-Reputation“ ist eins davon. Eins, das mir viel Spaß macht.

„eSports-Reputation“ ist eine Agentur, die sich um E-Sportler kümmert. Was unterscheidet die Firma von einer Spieleragentur im Profi-Fußball?

Die individuelle Spielerberatung ist vergleichbar mit Agenturen im reellen Fußball. Der Spieler wird betreut und unterstützt. Man versucht, ihm möglichst viel abzunehmen, damit er seine Bestleistung bringen kann. „eSports-Reputation“ kümmert sich aber zusätzlich um Vermarktung, Marketing und Event-Management. Ich helfe der Firma bei der Projektplanung, begleite die Mitarbeiter auch mal zu möglichen Partnern und Sponsoren.

Welchen Ruf hat der E-Sport denn innerhalb der Bundesliga?

Im Moment wird der E-Sport von den Bundesliga-Clubs noch sehr stiefmütterlich behandelt, gerade im Vergleich zum Ausland. Nachbarländer wie Frankreich oder Holland sind zum Beispiel dazu verpflichtet, eigene E-Sport Mannschaften aufzustellen. In Asien hat E-Sport sogar einen noch höheren Stellenwert. In Deutschland sind wir da noch hinterher. Ich merke aber, dass die großen Unternehmen alle bereits Budgets für E-Sport haben. Das ist ein Zeichen dafür, dass der letztliche Durchbruch nicht mehr weit ist.

Wie profitiert ein Bundesliga-Verein von einer eigenen E-Sport Mannschaft?

Drei Faktoren spielen eine Rolle. Über sein eigenes E-Sport-Team kann der Verein die Zielgruppe der 14- bis 30-jährigen Stadionbesucher ansprechen. Wenn man die auf Dauer nicht verlieren will, muss man sie dort abholen, wo sie sich tatsächlich bewegen. Der zweite Aspekt hat mit dem Thema Internationalisierung zu tun. Viele Bundesligisten versuchen im Moment den asiatischen Markt zu erobern. Man schickt die eigene Mannschaft für eine Woche nach Asien. Ich selber war zum Beispiel mit Werder Bremen in China. Eine solche Reise ist aber immer mit einem enormen Aufwand verbunden. Mit einer E-Sport-Mannschaft hat man als namhafter Bundesligist dagegen tagtäglich die Möglichkeit, auf internationalem Parkett aufzutreten. Der dritte Faktor sind Sponsoren. Für mich ist es ganz klar, dass Werbepartner in Zukunft einen Teil ihrer Beträge davon abhängig machen werden, ob man im E-Sport dabei ist oder nicht.

Kritiker halten Computerspiele allerdings für ungesund.

Das ist eine unreflektierte Meinung. In einer digitalisieren Gesellschaft, wo jeder am Computer arbeitet, findet eben auch Sport und Spiel am Computer statt. Natürlich: Alles was man übertreibt ist schädlich. Wenn ich als Jugendlicher morgens bis abends zehn Stunden ohne Pause auf dem Bolzplatz spiele, ist das auch schädlich. Dann vernachlässige ich die Hausaufgaben und schade meinem Körper. Man braucht eine ausgewogene Belastung und Erholung. Das gilt für alle Sportarten.

Wie professionell verhalten sich professionelle Gamer denn wirklich?

Die Jungs, die Spiele wie Fifa auf hohem Niveau spielen, wissen genau, dass sie in der Nacht vor wichtigen Spielen nicht in die Disko gehen können. Oder, dass sie am Morgen vor dem Match vernünftig frühstücken müssen. Die besten E-Sportler haben bei Turnieren zum Teil Preisgelder in Millionenhöhe erspielt – da geht es um Höchstleistungen. Man muss auf den Punkt fit und konzentriert sein. Als Beispiel könnte auch Schach dienen. Auch da wissen Profis, dass sie auf Ernährung und Ausdauer achten müssen. Joggen, Fahrradfahren, all das wirkt sich leistungsfördernd aus. Bei E-Sportlern kommt hinzu, dass die Finger eine hohe Zahl von Controller-Anschlägen verkraften müssen. Deshalb ist auch die Arbeit mit Physiotherapeuten wichtig.


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