Sollen Eltern „Cayla“ zerstören? Illegales Spielzeug: Bundesnetzagentur verbietet Puppe „Cayla“

Von Corinna Berghahn

Hinzufügen könnte man jetzt: Cayla unschädlich machen. Denn die Bundesnetzagentur hat Vertrieb und Besitz der Puppen-Spionin verboten. Screenshot: NOZ/ Quelle: myfriendcayla.deHinzufügen könnte man jetzt: Cayla unschädlich machen. Denn die Bundesnetzagentur hat Vertrieb und Besitz der Puppen-Spionin verboten. Screenshot: NOZ/ Quelle: myfriendcayla.de

Osnabrück. Die blonde Puppe „Cayla“ kann Kindern dank Internetanschluss Fragen beantworten . Das darf sie aber nicht mehr, denn die Bundesnetzagentur hat das Spielzeug wegen Spionagegefahr verboten.

2014 war „Cayla“ branchenintern noch eines der zehn „Spielzeuge des Jahres“ (was wir redaktionsintern damals schon seltsam fanden). Nun hat die Bundesnetzagentur den Verkauf und Besitz der blonden Puppe, die dank Internetanschluss Kindern Fragen beantworten kann, verboten.

Der Grund: Bei der Puppe handele es sich um eine versteckte, sendefähige Anlage. Und sobald Abhöranlagen als harmlose Gegenstände getarnt sind – ob nun in einer Puppe oder in einem Schuh –, sind Einfuhr, Herstellung und auch der Vertrieb laut Paragraph 90 des Telekommunikationsgesetzes illegal. „Ohne Kenntnis der Eltern können die Gespräche des Kindes und anderer Personen aufgenommen und weitergeleitet werden,“ so die Bundesnetzagentur in einer Pressemitteilung.

Wer ist Cayla und was kann sie?

Auf den ersten Blick ist die 45-Zentimeter-Blondine eine harmlose Puppe für Kinder ab vier Jahren. Aber: „Cayla“ verfügt über Mikrofon und Lautsprecher und hat per Bluetooth auch Zugriff auf das Internet. Wenn Kinder ihr Fragen stellen, verliest sie Wikipedia-Einträge.

Allerdings mit Sprachfilter, damit zwar der Wetterbericht oder die Punkt-vor-Strich-Regel erfragt werden können, nicht aber die Bedeutung schulhofüblicher Schimpfwörter. Doch Flüche oder unflätige Fragen sollten sich nicht als das Hauptproblem der Puppe herausstellen.

Kritik von Verbraucherschützern

Verbraucherschützern war „Cayla“ schon länger ein Dorn im Auge. Diese kritisierten, dass alles, was Kinder den Puppen erzählen, an eine US-Firma weitergereicht werde. Diese sei auf Spracherkennung spezialisiert und dürfe die Daten auch an Dritte weitergeben und umfassend nutzen.

Außerdem seien die Produkte auf Schleichwerbung programmiert: Cayla etwa erzähle, wie sehr sie Disney-Filme liebe.

Warum wurde Cayla jetzt verboten?

Anlass für das Verbot ist die Analyse von Stefan Hessel. Er studiert Jura an der Universität des Saarlandes und hatte sich in seinem Text „,My friend Cayla‘ – eine nach § 90 TKG verbotene Sendeanlage?“ mit der Puppe beschäftigt – und festgestellt, dass sie gegen das Gesetz verstößt.

Ein weiterer Knackpunkt: Die Bluetooth-Verbindung ist nicht gesichert, sodass man laut Hessel „auch über mehrere Wände hindurch“ Zugriff auf die Puppe haben könne. Über diese Spionagemöglichkeiten im Kinderzimmer informierte er die Bundesnetzagentur, die die Puppe nun verboten hat.

Was bedeutet das Verbot für die Eltern?

Generell macht sich nun jeder strafbar, der ein solches Gerät verkauft oder besitzt. Ihm oder ihr drohen laut Paragraf 148 des Telekommunikationsgesetzes bis zu zwei Jahre Haft. Einige Medien berichteten deshalb, dass die Bundesnetzagentur Eltern dazu aufrufe, „Cayla“ zu zerstören.

„Das stimmt so nicht“, sagt jedoch der Pressesprecher der Bundesnetzagentur, Olaf Peter Eul, auf unsere Nachfrage: „Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass Eltern eigenverantwortlich die Puppe unschädlich machen. Dafür reicht es, die kritischen Module zu entfernen oder unbrauchbar zu machen. Die gesamte Puppe zu zerstören fordern wir auf keinen Fall.“

Was ebenfalls nicht geplant ist, sind Aktionen gegen die Eltern – oder bei den Händlern die Daten der Käufer abzufragen, so Eul.

Wie reagiert der Händler?

Diverse Händler haben „Cayla“ schon aus dem Verkehr gezogen, auf dem Online-Marktplatz eBay ist sie aber immer noch zu haben.

Hergestellt wird „Cayla“ vom Unternehmen Genesis. Vertrieben wird die Puppe vom britischen Spielzeugbauer Vivid. Unsere Fragen, beispielsweise ob die Firme die Puppe zurücknehmen müsse und werde, hat deren deutsche Tochter bis dato nicht beantwortet.


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