Neue Regeln fürs Bezahlen Warum im September Chaos beim Online-Shopping droht

Von dpa, mao

Ab Mitte September gelten neue Regeln fürs Online-Shopping – ob deren Umsetzung auf Anhieb klappt ist derzeit unklar. Foto: dpa/Jens BüttnerAb Mitte September gelten neue Regeln fürs Online-Shopping – ob deren Umsetzung auf Anhieb klappt ist derzeit unklar. Foto: dpa/Jens Büttner

Frankfurt/Main. Das Bezahlen beim Online-Shopping soll ab September sicherer werden – und wird dadurch komplizierter. Derzeit ist auch fraglich, ob alles klappt wie geplant.

Mit wenigen Klicks im Internet einkaufen und bequem mit der Kreditkarte zahlen – ab Mitte September wird das Geschichte sein. Neben den Daten auf der Kreditkarte sollen Käufer sich auch mit einem weiteren Sicherheitsmerkmal identifizieren, wie einem Zusatz-Passwort oder einem Fingerabdruck per Smartphone. Mancher Einkauf könnte dadurch scheitern, weil die Zahlung nicht abgewickelt werden kann – das jedenfalls befürchtet der Handel. Denn bei der Umsetzung der neuen Vorgaben knirscht es gewaltig. (Weiterlesen: Die Auswüchse des Onlinehandels in Osnabrück)

Zwei-Faktor-Authentifizierung wird Pflicht

Die EU will für mehr Sicherheit beim Onlinebanking und Bezahlen im Netz sorgen. Die Regeln der EU-Zahlungsrichtlinie (PSD 2), die ab 14. September gelten, sollen Betrügern das Leben schwerer machen. Verbraucher müssen beim Bezahlen und bei Bankgeschäften im Internet zukünftig die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung verwenden.

Bisher genügte die Nummer der Kreditkarte, deren Ablaufdatum und der dreistellige Prüfcode auf der Rückseite der Karte beim Bezahlen im Netz. Nun muss noch ein zweiter Faktor hinzukommen, zum Beispiel eine TAN (Transaktionsnummer), ein Passwort, ein per Smartphone übermittelter Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Die bei einige Banken noch verwendeten TAN-Listen auf Papier sind nicht mehr erlaubt. (Weiterlesen: So schützen Sie Whatsapp-Chats vor unerwünschten Blicken)

So funktioniert die Zwei-Faktor-Authentifizierung

Banken und Sparkassen, die Kreditkarten ausgeben, legen das zusätzliche Sicherheitselement fest. Sie entscheiden, ob ihre Kunden beim Bezahlen mit der Karte im Netz zum Beispiel zusätzlich ein Passwort, einen Fingerabdruck oder einen Code verwenden müssen, den sie per SMS bekommen. 

Foto: dpa/Christin Klose

Bei kleineren Einkäufen unter 30 Euro können die Geldhäuser darauf verzichten. Zudem können sie Kunden erlauben, einzelne Internetshops als sicher einzustufen. Dann entfällt das zweite Sicherheitsmerkmal ebenfalls. "Das System der Online-Händler muss all dies berücksichtigen können. Das ist für Händler nicht einfach", sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE). (Weiterlesen: Deutsche bekommen deutlich mehr Pakete als andere Nationen)

Handel kritisiert die Banken

Viele Händler könnten ihre Internetshops nicht rechtzeitig umstellen, auch gegenüber den Kunden bestehe noch Aufklärungsbedarf, sagt Binnebößel. "Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist deutlich komplizierter, die wenigsten Verbraucher kennen sie. Der Handel muss sie den Kunden erklären, weil die Banken diese Aufgabe teilweise nur unbefriedigend erfüllen", sagte Binnebößel. Der HDE fordert eine einheitliche Übergangszeit von 18 Monaten in der Europäischen Union. Eine Verschiebung gilt aktuell jedoch als wenig wahrscheinlich. Bleiben also nicht mehr allzu viele Wochen bis zum Start am 14. September. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) spricht sich ebenfalls für eine Übergangszeit von mindestens 18 Monaten aus. "Ein Monat vor dem Stichtag, scheitert die Umsetzung der starken Kundenauthentifizierung an technischen Problemen auf Bankenseite", kritisiert der Verband.

Zwar wissen Handel, Zahlungsdienstleister und Kreditinstitute seit Verabschiedung der EU-Richtlinie im Jahr 2015 von den neuen Anforderungen. Doch die technischen Details habe die Europäische Bankenaufsicht (EBA) erst im März 2018 veröffentlicht, diese hätten weitere Fragen nach sich gezogen, beschreibt Binnebößel die Situation.

Banken machen Handel Vorwürfe

Die Deutsche Kreditwirtschaft sieht dagegen vor allem den Handel am Zug. Banken und Sparkassen hätten ihre Vorbereitungen zur Umsetzung der Vorgaben frühzeitig angestoßen und nahezu abgeschlossen. "Wichtig ist allerdings, dass auch die Händler mit Onlinegeschäft ihrerseits ihre Vorbereitungen fristgerecht treffen", erklärt die Interessenvertretung der Spitzenverbände von Banken und Sparkassen. Der Online-Händler entscheide darüber, ob das System unterstützt werde. "Das ist momentan noch nicht in ausreichendem Maße der Fall."

Gewinnen nur große Online-Händler?

Der HDE befürchtet, dass vor allem kleine Online-Händler unter Druck geraten und Kunden genervt abwandern, wenn ab 14. September das Bezahlen per Kreditkarte im Netz nicht reibungslos funktioniert. „Dadurch könnten große Online-Plattformen ihre Position weiter ausbauen", warnt Binnebößel. Nach einer Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI fürchten generell 82 Prozent der Online-Händler wegen der erhöhten Komplexität mehr Kaufabbrüche.

Nicht auszuschließen also, dass mancher Onlineshopper am 14. September verzweifelt. Es bleibt allerdings immer noch die Möglichkeit den Einkauf im Netz per Rechnung oder Lastschrift zu bezahlen.


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