Auf Online-Plattform "Steam" "Rape Day": Wenn Frauen vergewaltigen zum Spiel wird

Sexualstraftaten eignen sich nach Meinung vieler Nutzer nicht als Inhalt für ein Videospiel. Foto: dpa/Julian StratenschulteSexualstraftaten eignen sich nach Meinung vieler Nutzer nicht als Inhalt für ein Videospiel. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Hamburg. In dem Videospiel "Rape Day" werden Sexualstraftaten zum Spiel. Der Entwickler fühlt sich aber völlig falsch verstanden.

Heutzutage zuckt kaum noch jemand bei gewaltverherrlichenden Online-Spielen – selbst menschenfressende Zombies sind inzwischen längst salonfähig geworden. Höchste Zeit, die Grenzen neu auszuloten, mag sich vielleicht der Programmierer des Indie-Videospiels "Rape Day" gedacht haben. 

Shitstorm zwingt "Steam" zum Handeln

Denn in dem Spiel überrennt man als Zombie nicht nur die Welt und tötet was das Zeug hält, sondern wird auch und vor allem zum Sexualstraftäter, der sein Opfer vor dem Massakrieren noch vergewaltigt. Ein neuer Tiefpunkt in puncto Geschmacklosigkeit. Dieser Auffassung waren wohl auch viele User der Spieleplattform "Steam", auf der "Rape Day" erscheinen sollte.

Auf sozialen Medien wie Twitter sowie in Kommentaren auf "Steam" forderten sie, das Spiel dürfe nicht veröffentlicht werden. Zudem gab es mehrere Onlinepetitionen. Die Spieleplattform reagierte einige Tage später und entfernte "Rape Day" von seiner Plattform. Kurzzeitig konnte man das Spiel dann auf der Plattform "Humble Bundle" für 15 US-Dollar kaufen – seit Montag ist es auch dort gesperrt.


Entwickler fühlt sich falsch verstanden

Der Entwickler von "Rape Day" nennt diese Welle der Empörung in seiner Gegenpetition "drakonische Moralität" einer "lautstarken Minderheit". Im Gespräch mit "Zeit-Online" erklärt der Programmierer, weshalb er sich missverstanden und zensiert fühlt: "Die Leute, die jetzt gegen mein Spiel sind, sind die gleiche Art von Menschen, die gegen Rock 'n' Roll waren, als er aufkam. Oder gegen das Magazin Playboy."

Die spielerische Verherrlichung von Vergewaltigungen mit der kulturellen Entwicklung eines Musikgenres gleichzusetzen, ist ein gewagter Vergleich, der zudem reichlich hinkt. Dennoch haben sich bereits knapp 300 Unterstützer seiner Petition gefunden.

Steams nebulöse Richtlinien

Die Spieleplattform "Steam" hat im vergangenem Sommer entschieden, dass Entwickler ihre Spiele auf der Plattform veröffentlichen können, ohne dass diese vorher auf ihren Inhalt geprüft werden. Seither haben viele zweifelhafte Spiele mit Holocaust-Verharmlosung, Hakenkreuzen oder Pornografie jeglicher Art ihren Weg auf "Steam" gefunden. 

Man wolle keine Zensur mehr vornehmen, erklärte die Betreiberin der Plattform. Dennoch wurde das Spiel "Rape Day entfernt. Die Begründung dafür ist jedoch reichlich vage: Das Spiel verstoße zwar nicht gegen Richtlinien, werde aber entfernt, weil es "unbekannte Kosten und Risiken" verursachen könne. Ob diese Erklärung Entwickler zukünftig davon abhalten wird, derartige Spiele auf "Steam" zu veröffentlichen, ist schwer vorstellbar, bleibt aber abzuwarten.

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