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07.02.2019, 14:49 Uhr KOMMENTAR ZUR FACEBOOK-ENTSCHEIDUNG

Datenwahnsinn: Facebook muss endlich reguliert werden

Ein Kommentar von Mark Otten


Die Facebook-Familie in Apps: Instagram, Facebook, Facebook Messenger und Whatsapp. Foto: Mark OttenDie Facebook-Familie in Apps: Instagram, Facebook, Facebook Messenger und Whatsapp. Foto: Mark Otten

Hamburg. Facebook hat seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und soll in Zukunft weniger Daten sammeln. Diese Entscheidung des Bundeskartellamts ist zwar richtig, kommt jedoch viel zu spät. Ein Kommentar.

Dass die Behörde Facebook ein Jahr Schonfrist zur Kursänderung eingeräumt hat, ist schwach, denn mit jeder Minute wächst die Datensammlung der Amerikaner. Ohnehin zeigt der Fall die weiterhin untergeordnete Bedeutung des Datenschutzes.

Wirtschaft hat Vorrang?

Erst jetzt, da eine dem Wirtschaftsministerium untergeordnete Behörde eingeschaltet ist, soll sich an Problemen etwas ändern, die Datenschützer seit Jahren kritisieren. Denn solange sammelt Facebook – und auch Google – bereits Nutzerdaten an verschiedensten Stellen und mit unterschiedlichen Apps und Diensten, um diese anschließend zu verknüpfen. Und seit Langem kritisieren Daten- und Verbraucherschützer den Ganz-oder-gar-nicht-Ansatz dieser Firmen: Entweder stimmen Nutzer der plattformübergreifenden Sammelei in Gänze zu oder sie können keinen einzigen Dienst nutzen. (Weiterlesen: Facebook zahlte Teenagern Geld für Zugriff auf gesamten Datenverkehr)

Entscheidung auch für Nicht-Mitglieder wichtig

Das Argument, jeder Nutzer sei doch freiwillig bei Facebook, Whatsapp oder Instagram, zieht schon deshalb nicht, weil Facebook in sogenannten Schattenprofilen auch fleißig Daten über Nicht-Mitglieder sammelt – zum Beispiel über die von der Wettbewerbsbehörde beanstandeten "Gefällt mir"-Schaltflächen auf Webseiten. Die funken auch an das Mutterhaus, ohne das Nutzer darauf klicken. Deshalb ist die Entscheidung des Kartellamts auch für Nutzer ohne Facebook-Konto wichtig und überfällig.  

Nicht vergessen: Facebook ist ein Unternehmen

Was ob emotional aufgeladener Werbespots, kostenlosem Zugang und großer Verbreitung gerne übersehen wird: Facebook dient nicht dem wohltätigen oder ehrenwerten Zweck, Menschen rund um den Globus zu verbinden – Facebook ist ein Wirtschaftsunternehmen, dass Nutzerdaten zu Geld macht. Niemand sollte Mark Zuckerberg und Co. vertrauen, wenn sie Besserung geloben und so tun, als wolle der Konzern die Welt verbessern. (Weiterlesen: Diese 59 neuen Emojis kommen noch 2019) 

Facebook muss reguliert werden

Das große Problem ist, dass das Unternehmen selbst nicht immer weiß, wer was mit den bereitgestellten Daten anstellt. Das hat unter anderem der Skandal um Cambridge Analytica und manipulierte Wähler gezeigt. Auch deshalb kann die Entscheidung des Bundeskartellamts nur der Anfang sein: Facebook muss zeitnah reguliert und überwacht werden, denn ansonsten wird Facebook auch in Zukunft alles abgreifen, was es an Daten bekommen kann. Dafür braucht es auch in den Behörden Fachleute, die etwas von dem verstehen, was Facebook tut.


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