Klage gegen Schwiegermutter Gericht: Familienmitglieder dürfen sich auf Whatsapp beleidigen

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Digitale Welt Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Was sich in Chats zwischen Verwandten abspielt, fällt in den geschützten "persönlichen Bereich", urteilten die Richter. Symbolfoto: imago/FrankHoermann/SVEN SIMONWas sich in Chats zwischen Verwandten abspielt, fällt in den geschützten "persönlichen Bereich", urteilten die Richter. Symbolfoto: imago/FrankHoermann/SVEN SIMON

Frankfurt. Die Richter sehen den engen Familienkreis als "beleidungsfreie Sphäre" an. Verwandte dürfen sich demnach frei aussprechen, ohne zu fürchten, für Beschimpfungen verklagt zu werden.

Im Familienkreis dürfen bei Auseinandersetzungen auch heftige Worte fallen, ohne dass einer der Beteiligten gerichtliche Konsequenzen fürchten muss. Mit dieser Begründung der Familie als "beleidigungsfreie Sphäre" hat das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) die Klage eines Mannes gegen seine Schwiegermutter zurückgewiesen. Die beiden hatten laut der "Hessenschau" ihren Streit auf Whatsapp ausgetragen.

Der Mann hatte verlangt, dass seine Schwiegermutter nicht länger vor anderen Familienmitgliedern behaupten dürfe, dass er seinen Sohn misshandelt habe, berichtete eine Gerichtssprecherin am Mittwoch über den Fall (AZ 16 W 54/18).

Schwiegersohn wegen Kindesmisshandlung angezeigt

Vorangegangen war ein heftiger Ehestreit im Jahr 2016. Damals hatte die Frau des Klägers ihrer Mutter ein Handy-Video zur Aufbewahrung gegeben, auf dem der Mann seinen Sohn geschubst haben soll, um ihn zum schnelleren Gehen zu bewegen. Diese stellte daraufhin nicht nur Strafanzeige gegen den Schwiegersohn, sondern verschickte das "Protokoll der Misshandlungen" auch an ihre eigene Mutter und an ihre Schwester. Der Mann wollte vor Gericht durchsetzen, dass die Schwiegermutter diese Behauptungen nicht länger wiederholen darf.

Wie schon zuvor das Landgericht stufte aber auch das OLG den engsten Familienkreis als "persönlichen Freiraum" ein, in dem man sich frei aussprechen könne. Daher seien auch Äußerungen, die außerhalb dieses Rahmens als ehrverletzend eingestuft werden könnten, geschützt.

Auch wenn der Familienstreit zur gerichtlichen Auseinandersetzung eskalierte, hat offenbar zumindest die Kernfamilie keinen langfristigen Schaden genommen: Der Kläger und seine Frau sind laut Gericht "weiterhin verheiratet".

Weiterlesen: "Whatstabook": Facebook will Chat-Dienste verknüpfen


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN