Ende der Nacktheit am 17. Dezember Porno-Verbot bei Tumblr: Was hinter der Wut der Nutzer steckt

Meine Nachrichten

Um das Thema Digitale Welt Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Blog-Dienst Tumblr verbannt ab sofort pornografische Inhalte. Foto: imago/RevierfotoDer Blog-Dienst Tumblr verbannt ab sofort pornografische Inhalte. Foto: imago/Revierfoto

Hamburg. Die Blogging-Plattform Tumblr verbietet alle pornografischen Inhalte. Nur wenige Nutzer zeigen Verständnis für diese Maßnahme. Ist die Kritik berechtigt?

Die Blogging-Plattform Tumblr war jahrelang vor allem wegen seiner expliziten Inhalte bekannt. Doch damit soll nun Schluss sein. In einer offiziellen Mitteilung haben die Verantwortlichen hinter Tumblr nun bekannt gegeben, dass ab dem 17. Dezember alle pornografischen Inhalte auf der Plattform verboten sind. Dieses Verbot beinhaltet explizite sexuelle Inhalte und Nacktheit. Es gibt nur wenige Ausnahmen: Illustrationen, Kunst – etwa klassische Gemälde und Statuen –, politische Proteste, die sich Nacktheit bedienen, erotische Texte oder Bilder von stillenden Müttern sind weiterhin erlaubt.

Was ist Tumblr?

Tumblr ist eine Blogging-Plattform, mit der Nutzer Texte, Bilder, Zitate, Chatlogs, Links und Video- sowie Audiodateien in einem Blog veröffentlichen können. Es erinnert an Twitter. Nutzer können Beiträge anderer Nutzer "liken", also mit "gefält mir" markieren und wie auf Facebook teilen. Um Fotos, Videos, Texte oder Links anderer User zu entdecken, "folgt" man diesen. Daraus sind in den vergangenen Jahren unzählige Mikro-Communities entstanden. Je nach Geschmack stellen sich Nutzer auf Tumblr ihren ganz eigenen Stream zusammen.

Warum verbietet Tumblr Pornos?

Schon vor dem Verbot von pornografischen Inhalten arbeitete auf Tumblr im Hintergrund ein Filter, der Kinderpornografie erkennen und löschen sollte. Doch die Hintergrund-Software war nicht in der Lage, sämtliche verbotenen Inhalte zu entfernen. Einige der insgesamt rund 500 Millionen Nutzer wussten die Lücken im System auszunutzen und missbrauchten die Plattform zum Verbreiten solcher Inhalte. Apple verbannte die App daraufhin aus seinem App-Store. Dadurch erhöhte sich der wirtschaftliche Druck auf die Verantwortlichen. Sie mussten handeln.

Weiterlesen: Warnung vor Trojaner Emotet: Das müssen Sie jetzt wissen

Das Ende von Tumblr?

Denn bis dato weigerte sich Firmenchef David Karp jahrelang, ein Pornografie-Verbot zu verhängen. Selbstverständlich waren damit keine kinderpornografischen Inhalte gemeint. Karp wollte seinen Nutzern eine Plattform bieten, auf der Inhalte geteilt werden können, die in sozialen Netzwerken wie Facebook keine Chance haben. Dadurch wurde Tumblr zu einer Anlaufstelle für Erotikkünstler, Sexarbeiter, Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Es gründeten sich Gemeinschaften, die allerlei Pornobilder weiterverbreitet, geteilt und hier Gleichgesinnte gefunden haben. Diese Gruppen fühlen sich nun ausgeschlossen und suchen nach Alternativen.

Umso überraschender kam nun das Porno-Verbot. Ob Tumblr ohne diese Nutzergruppen existieren kann, ist mehr als fraglich. Zudem ist es nicht klar, ob sich Apple durch das Porno-Verbot besänftigen lässt und Tumblr wieder in den App-Store aufnimmt. 

Filter-Software funktioniert nicht richtig

Das Porno-Verbot von Tumblr soll am 19. Dezember in Kraft treten. Bereits jetzt können Nutzer überprüfen, welche Inhalte die Algorithmen als anstößig markieren. Doch offenbar funktioniert die Software noch nicht allzu gut. Unter dem Hashtag #toosexyfortumblr sammeln Nutzer bei Twitter Bilder gelöschter und zensierter Inhalte. Demnach verbannt die Software unter anderem Bilder von Felsgrotten, Tiefkühl-Hühnchen und Garfield.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN