Fake-Fotos im Umlauf "Gelbwesten"-Proteste: Wie Nutzer manipulierte Bilder erkennen

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Dieses Bild ist echt: Es zeigt "Gelbwesten"-Proteste im belgischen Brüssel. Mit gefälschten Bildern wollen vor allem rechte Gruppen die Stimmung anheizen. Foto: dpa/AP/Francisco SecoDieses Bild ist echt: Es zeigt "Gelbwesten"-Proteste im belgischen Brüssel. Mit gefälschten Bildern wollen vor allem rechte Gruppen die Stimmung anheizen. Foto: dpa/AP/Francisco Seco

Hamburg. Die Proteste der "Gelbwesten" in Frankreich werden auf Facebook und Twitter mit manipulierten und aus dem Zusammenhang gerissenen Bildern angeheizt. So erkennen Nutzer, ob das Bild authentisch ist.

Die Bilder sind schockierend; zu sehen sind blutüberströmte Menschen, die von der Polizei abgeführt werden oder auf dem Boden liegen. Sie sollen angeblich von den zum Teil gewaltsamen Ausschreitungen der "Gelbwesten"-Proteste gegen steigende Spritkosten und die Reformpolitik in Frankreich mit bislang drei Toten stammen. Zu sehen sei, so die Aussage der meist rechtspopulistischen und rechtsradikalen Verbreiter, wie die Regierung um Präsident Emmanuel Macron die Demonstranten von der Polizei zusammenschlagen lässt – während die "systemtreuen" Medien diese Fotos bewusst verschweigen. Die Bilder sind zwar echt, aber teilweise mehrere Jahre alt und nicht in Frankreich aufgenommen. 

Unter anderem die rechtsradikale Facebook-Seite "Döbeln wehrt sich" veröffentlichte eine Sammlung mit Fotos, die zum Großteil Jahre alt sind oder nicht aus Frankreich stammen. Screenshot: facebook.com/DLwehrtsich – mao

Der französische Medienwissenschaftler Frederic Filloux schreibt in seinem Blog "Monday Note", dass Facebook mit der Verbreitung der Fake-Bilder die gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich befördere und bezeichnet die Plattform als die "gefährlichste Waffen gegen Demokratie, die jemals erfunden wurde". Immerhin lassen sich die manipulierten Bilder in der Regel schnell entlarven.

Rückwärtssuche gegen Fake-Bilder

Grundlage der meisten Fake-Fotos sind alte Bilder, die die Fälscher aus dem Internet geladen haben. Mit einer neuen Beschriftung oder mit einen frischen Hashtag versehen, täuschen die Verbreiter Aktualität vor. Diese Bilder erkennt die Google-Bilder-Rückwärtssuche ziemlich zuverlässig. Nutzer laden das zu prüfende Bild hoch oder kopieren die Web-Adresse des Bildes in das Google-Suchfeld. Chrome-Nutzer klicken mit der rechten Maustaste auf das Bild und wählen „mit Google nach Bild suchen“. Anschließend geht die Suchmaschine an die Arbeit und startet den Abgleich mit vorhandenen Bilder. 

So wird klar: Das Bild einer blutenden Frau stammt nicht aus Frankreich, sondern wurde bereits am 11. Juli 2012 bei spanischen Bergarbeiterprotesten aufgenommen. Im Original sind spanische Flaggen auf den Armen der Polizei zu sehen, durch den aktuellen Zuschnitt ist das nicht zu sehen. Das kostenlose Chrome-Zusatzprogramm "RevEye Reverse Image Search" durchsucht per Mauskllick sogar mehrere Bilddatenbanken. 

Rückwärtssuche am Smartphone

Leider funktioniert die Google Rückwärtssuche nur am Laptop oder am PC. Mobil übernimmt die Seite ctrlq.com diese Aufgabe und nutzt dabei den Google-Algorithmus. Der hat grundsätzlich Probleme mit stark veränderten Bildzuschnitten.

Bildinformationen auslesen

Fast jedes digitale Foto wird bei der Aufnahme mit sogenannten Exif-Daten versehen. Diese speichern Aufnahmeparameter, unter anderem Datum und Uhrzeit der Aufnahme. Auf der Webseite Jeffrey’s Image Metadata Viewer überprüfen Nutzer die Exif-Daten fragwürdiger Bilder. Das funktioniert entweder durch das Hochladen eines Bildes oder, indem Nutzer auf dem Webfoto einen Rechtsklick ausführen, die Adresse des Bildes kopieren und auf der Exif-Homepage einfügen. Allerdings lassen sich diese Daten löschen oder manipulieren. Wenn sich ein Fälscher also ein wenig Mühe gibt, kann diese Fährte schnell unkenntlich gemacht werden.

Gesunder Menschenverstand

Verwackelte, unscharfe Bilder vermitteln Aktualität und Dramatik. Die Aussage dahinter: Dieses Bild ist spontan und möglicherweise in einer brenzlichen Situation entstanden und oft nicht von Pressefotografen gemacht worden. Auch wenn die Originale so entstanden sein mögen, für die Fälscher sind sie ideales Ausgangsmaterial. Bevor Angst und Verunsicherung wegen eines Fotos eintreten, sollten Betrachter stets skeptisch sein und sich einige Fragen stellen – auch wenn viele Freunde ein Bild verbreiten:

  • Ist die Quelle bekannt und vertrauenswürdig? 
  • Kann das Bild zum angegebenen Zeitpunkt und am angegebenen Ort entstanden sein? 
  • Stimmen Proportionen von gezeigten Personen und Details oder sind sie vielleicht nachträglich in das Bild eingefügt worden? 
  • Sind die Umrisse von Personen natürlich oder pixelig? 
  • Ist das Bild möglicherweise bewusst unscharf oder stark beschnitten, um Details und Ungereimtheiten zu verstecken?


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