Biologin im Interview 5G-Mobilfunknetz: Müssen wir Angst vor gesundheitlichen Folgen haben?

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Experten sind sich uneinig, welchen Einfluss Mobilfunknetze auf die Gesundheit haben. Foto: imago/IP3press/Vincent IsoreExperten sind sich uneinig, welchen Einfluss Mobilfunknetze auf die Gesundheit haben. Foto: imago/IP3press/Vincent Isore

Hamburg. Bis Ende 2022 sollen mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland Zugang zur neuesten Mobilfunkgeneration 5G haben. Kann sich der Netzausbau auch gesundheitlich auf den Menschen auswirken? Die Meinungen sind gespalten – Biologin Dr. Sarah Drießen spricht im Interview über mögliche Folgen.

Am Montag hat die Bundesnetzagentur die Vergaberegeln für den neuen 5G-Standard festgelegt. Im Frühjahr 2019 sollen die Frequenzen versteigert werden und bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland Zugang zum schnellen Mobilfunk haben. Insbesondere für die Industrie gilt die fünfte Mobilfunkgeneration als Schlüsseltechnologie – etwa für autonomes Fahren oder die Telemedizin, die auf eine möglichst schnelle Datenübertragung angewiesen sind. 

Zwei Prozent der Deutschen bezeichnen sich als elektrosensibel

Doch mit dem Ausbau der Mobilfunknetze wird auch wieder die Frage laut, inwiefern die elektromagnetische Strahlung einen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben kann. Immer wieder gibt es beispielsweise Berichte von Menschen, die als elektrosensibel bezeichnet werden und im Einflussbereich von Mobilfunk-Basisstationen von Problemen wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Herzrhythmusstörungen oder Ohrensausen berichten. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bezeichnen sich knapp zwei Prozent der Deutschen selbst als elektrosensibel. Dabei ist unter Wissenschaftlern umstritten, inwiefern elektromagnetische Strahlung tatsächlich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen – oder sogar Krebs verursachen kann.

Beim Mobilfunk werden hochfrequente elektromagnetische Felder zur Übertragung von Informationen eingesetzt. Handys erzeugen diese beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung direkt am Kopf. Dennoch gibt es laut BfS bei Einhaltung der international festgelegten Höchstwerte bislang keine wissenschaftlichen Beweise für gesundheitliche Beeinträchtigungen: "Fazit der zahlreichen bisher durchgeführten Studien ist, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen elektrischen und magnetischen Feldern und den Beschwerden elektrosensibler Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist."

Langzeitstudie sieht Hinweise auf Gesundheitsschäden

Die Biologin Dr. Sarah Drießen vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit am Universitätsklinikum Aachen formuliert das weniger deutlich. "Es ist zumindest wissenschaftlich nicht erwiesen", sagt sie. "Da wir in unserer Umwelt aber ohnehin überall von den Feldern umgeben sind, ist es schwer nachzuweisen. Außerdem gibt es in den bisher durchgeführten Studien noch deutlichen Verbesserungsbedarf."

Sie weist auf eine aktuelle Langzeitstudie des National Toxicology Program (NTP) des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums hin, deren Abschlussbericht Anfang des Monats veröffentlicht wurde. Im Rahmen der 1999 in Auftrag gegebenen Studie wurden etwa 3000 Mäuse und Ratten über zehn Jahre lang einer Hochfrequenzstrahlung ausgesetzt, die ergab, dass es einen Zusammenhang zwischen Mobilfunkfrequenzen und einem vermehrten Auftreten von einer bestimmten Tumorart am Herzen von männlichen Ratten gibt. 

"Es gibt also durchaus Hinweise, dass diese Frequenzen gesundheitsschädlich sein könnten", so Drießen. Allerdings wurden in dieser Studie Wellen aus veralteten 2G- und 3G-Handynetzen verwendet und deutlich stärkere Felder genutzt als die, denen wir beim Telefonieren ausgesetzt sind. Zudem wurden die Tiere – anders als es bei einem Handy üblich wäre – ganzkörperbestrahlt. "Deswegen werden diese Ergebnisse aktuell heftig diskutiert."

5G: Frequenzen noch nicht festgelegt

Bei den künftigen 5G-Netzen sei die Beantwortung der Frage nach möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen also auch davon abhängig, welche Frequenzen genutzt werden. "Sollte es höhere Frequenzen geben, im Millimeterwellenbereich zwischen 30 und 100 Gigahertz, dann wissen wir noch recht wenig", so Drießen. "Dann wäre Forschungsbedarf da."


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