Fußballspiel für Xbox One, PS4 und PC FIFA 19 im Test: Königsklasse dank Champions League

Von Christian Ströhl und Sebastian Philipp

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Kevin de Bruyne nimmt den Ball gekonnt an: In FIFA 19 kommen die Fußballstars besonders gut zur Geltung. Foto: EA SportsKevin de Bruyne nimmt den Ball gekonnt an: In FIFA 19 kommen die Fußballstars besonders gut zur Geltung. Foto: EA Sports 

Hamburg. Mit FIFA 19 kehrt die Champions League zurück zu EA Sports. Das Spiel erklimmt auch wegen der neuen Lizenz erneut den Thron der Fußballsimulationen. Im Test für Xbox One und PS4 beweist FIFA seine Königsklasse.

Hach, was waren wir vor einem Jahr angetan von FIFA 18. "So langsam und so gut" titelten wir über unseren Spieletest. EA Sports verlangsamte den Spielfluss von FIFA und erhöhte den Realismus der Sportsimulation. Toll. Doch die Freude währte nur kurz: Mit mehreren Updates schraubte EA an der Spielbalance und veränderte die Fußballsimulation zum Schlechten. Enttäuschend! Umso größer war die Sorge in diesem Jahr. Wohin bewegt sich EA dieses Mal? Wir haben FIFA 19 ausgiebig auf PS4 und Xbox One getestet und sind überzeugt, dass das Spiel – so wie es am 28. September auf den Markt kommt – großartig sein wird.

Königsklasse zurück bei FIFA

Pro Evolution Soccer wird gemeinhin nachgesagt, die spielerisch bessere Fußball-Simulation zu sein. Das möge bitte jeder Fußballspiel-Spieler für sich selbst entscheiden. Wir konnten bei einem Vergleich keinen klaren Favoriten erkennen. Was Pro Evolution Soccer FIFA jedoch immer voraus hatte, war die Champions-League-Lizenz. Das ist seit diesem Jahr anders. Die Champions League ist nun wieder in EA-Hand. Und wie zu erwarten war setzt das Studio voll auf die Königsklassen-Karte: FIFA 19 eröffnet mit dem Champions-League-Finale. Im Spiel selbst ist der neue Champions-League-Modus implementiert. Ronaldo als Königklassen-Rekord-Torschütze glänzt auf dem Spielcover. EA inszeniert FIFA über die Champions League und wird dadurch endgültig dem eigenen Anspruch gerecht. Wir müssen zugeben: Die Champions League in FIFA 19 macht richtig Laune und erzeugt Stadion-Atomsphäre im Wohnzimmer. Aufstehen und die Hymne mit-summen, bitte! Und Übrigens: Die Europa League und den europäischen Supercup gibt es in FIFA 19 auch.


Hinter dem Hochglanz

FIFA 19 hält neue Gameplay-Features für den Spieler bereit, sowohl in taktischer als auch in technischer Hinsicht. Das neue Active-Touch-System verändert die Ballannahme und die Ballberührungen. Daraus resultiert eine engere Ballführung, die (bei richtiger Anwendung) mehr Raum für Kreativität lässt. Das überarbeitete Taktik-System schafft Anpassungsoptionen vor jedem Spiel: Ähnlich wie die von Mehmet Scholl kritisierten "Laptop-Trainer" können Spieler vor der Partie fünf Taktik-Pläne festlegen, die per Steuerkreuz im Spiel anwählbar werden. 

Bei den 50/50-Zweikämpfen entscheiden die Reaktionsschnelligkeit des Nutzers und die Werte der Spieler darüber, wer freie Bälle erobern kann. Dank erhöhter Mitspieler-Intelligenz und noch besserer Raumübersicht verspricht EA, dass jeder Zweikampf im Duell um den Ballbesitz enorm wichtig wird. Im Spiel zeigt sich: Das stimmt. Vor allem die Defensivarbeit entscheidet über Erfolg oder Misserfolg einer Partie.

Ein Blick auf die dynamischen Taktiken in FIFA 19. Foto: EA Sports

Spannend ist das neue Feature "Abschluss-Timing": Wer bei einem Schussversuch die Schuss-Taste doppelt drückt, löst das Abschluss-Timing aus. Richtiges Timing hat einen besseren Abschluss zur Folge, jedoch nicht zwingend ein Tor.

Das schönste Fußballspiel

An einem Punkt ändert sich in der neuen Version der Fußballsimulation auch in diesem Jahr nichts: FIFA 19 sieht klasse aus. Egal ob die Spieler in eines der über 100 (meist originalgetreuen) Stadien einlaufen, wir mit unserer Abwehrkante einen Dribbler umgrätschen oder uns ein Kunstschuss ins Tor gelingt: Optisch ist FIFA 19 überragend. 

Feinschliff ist uns hier vor allem in den Gesichtern der Spieler aufgefallen. Wenn diese vor einem Spiel der Champions League der Hymne lauschen, blicken sie dabei von links nach rechts. Soll heißen: die Augen bewegen sich, die Spieler wirken dadurch noch einen Tick realistischer als ohnehin schon. Dafür verantwortlich ist die sogenannte Real Player Motion Technology, die realistischere und authentischere Animationen schafft.

Die Frostbite-Engine hat sich derweil in FIFA etabliert, wenngleich die manchmal fehlerhafte Kollisionsabfrage schon für einige witzige Spielszenen gesorgt hat. Bei unseren Tests ist noch nichts dergleichen passiert, aber abwarten...


Cooler Couch-Coop

Wirklich cool sind die Neuerungen im Anstoss-Modus. Wer gerne mit Freunden auf der Couch FIFA zockt, sollte hier genauer hinschauen. EA integriert hier den Punkt "Hausregeln". Damit verändern Spieler die Regeln: Im Survival Modus etwa wird nach jedem geschossenen Tor ein Spieler aus dem Team entfernt. Im Distanz Modus zählen Weitschuss-Tore doppelt. In einem weiteren Modus schaltet ihr den virtuellen Schiedsrichter ab und grätscht heiter um die Wette. Für eine Partie mit Freunden genau das Richtige.

Ultimate Team der ultimative Spielmodus?

FIFA Ultimate Team (FUT) hat sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Spielmodus in FIFA entwickelt. Der Modus schafft es wohl am leichtesten, die meisten der FIFA-Spieler zwölf Monate zum Spielen zu motivieren. In FUT geht es darum, ein eigenes Team zusammenzustellen. Auf der Jagd nach besseren Spielern wird in Online- oder Offline-Partien um virtuelle Münzen gespielt. Mit diesen Münzen lassen sich Karten-Pakete kaufen, in denen wiederum Spieler (oder Stadien oder Trikots etc.) enthalten sind. Hier regiert jedoch der Zufall. Soll heißen: Gute Spieler bekommt man auf diesem Wege nur mit sehr viel Glück. 

So ein Neymar tut jedem FUT-Team gut – nur wie kommen Spieler am besten an ihn ran? Per Mikrotransaktion oder Glück? Am Ultimate Team scheiden sich die Geister. Foto: EA Sports

Einen schnelleren Weg, seine Chancen auf gute Spieler für das eigene FUT-Team zu erhöhen, gibt es via Mikrotransaktionen. Das bedeutet, Nutzer wandeln ihr echtes Geld in Spiel-Währung um und kaufen damit die Karten- bzw. Spielerpakete. Für viele in der Community ist das ein großer Kritikpunkt an EA bzw. FIFA. Das Stichwort lautet hier "Pay to Win", also "wer zahlt, gewinnt". Fairness bleibt dabei auf der Strecke.

Wieder nix Neues im Karrieremodus

Zwar verdient EA Sports mit den Mikrotransaktionen mutmaßlich Millionen – daher sind Weiterentwicklungen in diesem Bereich durchaus sinnvoll und angebracht. Aber die Entwickler sollten auch andere Bereiche im Blick behalten, die vielen Spielern wichtig sind. Ein Beispiel ist der Karrieremodus, bei dem entweder die Geschicke eines Spielers oder eines Vereins gelenkt werden. So weit, so gut. Leider tritt der Karrieremodus nunmehr seit drei Jahren auf der Stelle. Zwar hat EA Sports immer wieder einige kosmetische Verbesserungen gebracht, doch das große Potenzial des Modus bleibt leider etwas ungenutzt – übrigens auch im Pro-Club-Modus. Hier hat sich auch nichts getan.

Unschwer zu erkennen: die Allianz-Arena in München. Foto: EA Sports

So manch ein Konsolensportler schaut daher neidisch auf NHL19, bei dem der vergleichbare Franchise-Modus in diesem Jahr in Teilen erweitert wurde und eine ungleich höhere Detailtiefe erreicht. Möglicherweise tut sich ja auch bei FIFA bald etwas, wenn im kommenden Jahr die Hunter-Trilogie beendet ist und die Ressourcen auf ein anderes Solospieler-Feld konzentriert werden können. 

Eine Reise-Etappe gibt es noch

Bei FIFA 19 geht – wie angesprochen – die Hunter Trilogie zu Ende. Angefangen hatte alles vor zwei Jahren auf einem Bolzplatz in England. Seither hat der Spieler den fiktiven Fußballer Alex Hunter von der Jugendmannschaft bis hin zu Real Madrid begleitet. Dorthin wechselt Hunter nämlich im dritten Teil. Das Grundprinzip des Story-Modus hat sich auch im dritten Karrierejahr nicht geändert: Filmsequenzen wechseln sich mit Trainingssimulationen und konkreten Pflichtspielen ab. Hunter muss Entscheidungen treffen, die sich – eher mittelbar – auf Beliebtheit und Ansehen des Stars auswirken.

Zwar wirkt so manch ein Gespräch doch sehr aufgesetzt und viele Charaktere sind sehr klischeebehaftet, im Großen und Ganzen ist die Geschichte jedoch glaubhaft und spornt zum Weiterspielen an. Wie im vergangenen Jahr steuert der Spieler nunmehr auch Hunters Halbschwester Kim und seinen Kumpel Danny Williams. Wer die ersten beiden Teile gespielt hat, kommt nicht um den dritten herum. Alle FIFA-Neulinge dürften sich dagegen etwas schwer wiederfinden im letzten Stück der Trilogie. Eine Neuerung sind die Zusatzherausforderungen, bei denen Hunter gegen Mitspieler antritt und sich im Erfolgsfall über eine Aufbesserung der Spielerwerte freuen kann. Ansonsten bleibt sich "The Journey" in Teil 3 in seinen Grundzügen treu.

Bisweilen ist der Modus aber auch etwas langatmig. Vor allem dann, wenn wechselnd Ligaspiele und Trainings anstehen und die eigentliche Geschichte über einen gewissen Zeitraum in den Hintergrund tritt. Zudem ist der Ausgang der Geschichte festgelegt und nicht wirklich beeinflussbar. Ist Hunter hoffnungslos erfolglos, ist der Spieler gezwungen, einen Spielstand zu laden und einen neuen Versuch zu beginnen. 

Fazit: 

Wer FIFA 19 kauft, erhält ein (zum Release) tolles Fußballspiel für Konsolen. Die Grafik, die Atmosphäre, die Lizenzen: EA Sports bietet mit FIFA das komplette Paket an. Der Couch-Coop macht noch mehr Laune, Ultimate Team ist noch ein bisschen runder und technisch ist das Spiel nun wieder da, wo FIFA 18 zu Anfang auch war. Langsamer, realistischer. Luft nach oben gibt es trotzdem, zum Beispiel im Karriere- oder Pro-Club-Modus, wenngleich wir sagen müssen: Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. FIFA 19 ist ein tolles Fußballspiel. Die Kaufempfehlung unseres Kurztestes können wir hier nur bestätigen.


Info:

EA hat uns zwei Rezensionsexemplare von FIFA 19 zukommen lassen. Wir haben das Spiel auf der Xbox One und auf der Playstation 4 getestet. 

FIFA 19 erscheint am 28. September für Xbox One, Playstation 4, PC und Nintendo Switch. Das Spiel kostet – je nach Version – zwischen 50 und 90 Euro.


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