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Lara Croft zurück auf Xbox, PS4 und PC Shadow of the Tomb Raider im Test: Die Ladezeiten-Apocalypse

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Shadow of the Tomb Raider schließt die Trilogie um die "neue" Lara Croft ab. Foto: Square EnixShadow of the Tomb Raider schließt die Trilogie um die "neue" Lara Croft ab. Foto: Square Enix 

Hamburg. Das Action-Adventure Shadow of the Tomb Raider komplettiert die Trilogie um die runderneuerte Lara Croft. Es ist ein würdiger Abschluss. Apocalypse wow! für Spieler mit Geduld.

Als Square Enix im Jahr 2011 verkündet hat, die Spieleserie Tomb Raider neu aufzulegen, war die Freude bei vielen Gamern groß. In den alten Redaktionsräumen der Gamestar in München zeigten Vertreter von Square Enix damals erste Spielausschnitte: Die Anfangssequenz, in der Lara gefangen kopfüber in einer Höhle hängt, sich befreit und vor ihren Widersachern flieht. Ein bombastisches Intro. 


Ich durfte damals dabei sein und fühle mich seitdem eng mit der Spieleserie verbunden – zumal ich damals schon den allerersten Tomb-Raider-Teil auf dem PC gezockt habe. Die neue Lara – verletzlich, kämpferisch, abenteuerlustig und mutig – hat mir auf Anhieb gefallen. "Endlich eine glaubhafte, starke weibliche Heldin", dachte ich 2013, als der erste Teil des Reboots veröffentlicht wurde. Das setzte sich im zweiten Teil Rise of the Tomb Raider (2015) fort und findet jetzt, fünf Jahre später, sein Ende (sehen sie die Entwicklung auch im Trailer etwas weiter unten). Lara ist erwachsen geworden, wenngleich auch nicht unbedingt sympathischer. In Shadow of the Tomb Raider wirkt sie mitunter grausam, naiv und getrieben von Rachegelüsten. Der alte Ritterorden Trinity soll endlich für den Mord an ihrem Vater büßen. 


Der Weg bleibt das Ziel

Shadow of the Tomb Raider wurde nicht wie seine Vorgänger von Crystal Dynamics entwickelt, sondern von Eidos Montreal. Zwar haben beide Studios bei der Entwicklung kooperiert, jedoch merkt man dem Spiel den Wechsel an. Die Story ist im Vergleich zu den beiden Vorgängern schwächer und kürzer. Hätten wir uns beim Durchspielen nur auf die Haupthandlung konzentriert, wären wir wohl in 15 bis 20 Stunden fertig gewesen. Zum Glück hat Shadow of the Tomb Raider aber mehr zu bieten, als die Haupthandlung. Neun namensgebende Tombs (Gräber) warten auf Erkundung sowie zudem 20 Nebenmissionen. Davon war auf der Gamescom noch nichts zu sehen, als wir Shadow of the Tomb Raider schon anspielen konnten.

Sehen Sie hier unseren Ersteindruck von der Gamescom 2018 zu Shadow of the Tomb Raider.

Apocalypse wow!

Beim Wettlauf mit Trinity um bestimmte Artefakte löst Lara in Mexiko eine Katastrophe aus. Den Weltuntergang, um genauer zu sein. Lara muss nach erfolgreicher Bergung des Artefakts mit ansehen, wie eine Flutwelle das mexikanische Dorf zerstört, in dem sie gerade noch mit den Bewohnern an einem Tisch saß. Kinder werden in die Fluten gerissen, Häuser brechen auseinander, Menschen treiben im Wasser davon. Ist Lara wirklich daran schuld? Die Antworten liegen in Peru. Dort spielt der Großteil der Handlung von Shadow of the Tomb Raider.

Die peruanische Stadt Paititi ist optisch einer der Höhepunkte in Shadow of the Tomb Raider. Foto: Square Enix

Egal ob es die mexikanische Kleinstadt ist, die vom Wasser verschluckt wird, der dichte peruanische Dschungel oder die liebevoll gestalteten Gräber (in einem befindet sich ein altes Schiff der Konquistadoren!): Die Grafik von Shadow of the Tomb Raider ist wunderschön! Die Entwickler schaffen vor allem in den Dschungel-Abschnitten oder den düsteren Tropfsteinhöhlen und Gräbern eine dichte Atmosphäre. Stark ist hier auch, wie die Entwickler die Kameraperspektive einsetzen, um Dichte oder Weite zu erzeugen. Der Spieler rückt so noch einen Schritt näher ans Geschehen heran. Ergänzt wird das Bild hier durch den guten Sound. Es macht zudem Spaß, all den Abenteuer- und Erkundungsaufgaben neben der Haupthandlung nachzugehen. Tomb-Raider-Spiele sind eben nicht nur Action-Adventures, sondern auch Jump'n'Runs, Puzzlespiele und Survival-Games. Der Spieler entscheidet, was ihm am meisten Freude bringt.

Es wird düster um Lara: Shadow of the Tomb Raider erinnert in Zügen an die Rambo-Filme. Foto: Square Enix

Lara als lautloser Killer

In Shadow of the Tomb Raider gibt es natürlich auch Waffen und dementsprechend Kämpfe mit Gegnern. Jaguare etwa werden jägertypisch mit Pfeil und Bogen erledigt. Für die gepanzerten Trinity-Soldaten braucht es da mehr Durchschlagskraft: Maschinengewehre, Pistolen, Schrotflinten. Lara greift, wie sollte es auch anders sein, in Shadow of the Tomb Raider auch gerne aus dem Schatten heraus an. Das Spiel erinnert ein wenig an die Rambo-Filme, wenn Lara sich mit Schlamm einschmiert, sich in einem Gebüsch versteckt und die Fieslingen mit ihrer Spitzaxt  aus dem Hinterhalt erlegt. Solche Action-Passagen sind selten im neuen Teil, dafür aber intensiver.

Nebenschauplätze

Schade ist, dass Shadow of the Tomb Raider "schlauchiger" wirkt, als seine Vorgänger. Das bedeutet, dass der Spieler durch das Leveldesign eingeschränkt und so zum nächsten Ziel geleitet wird. Das bezieht sich vor allem auf die Dschungel-Abschnitte. Die großen Städten Kuwaq Yaku, Paititi und San Juan sind nahezu frei zu erkunden.

Kletterpassagen wie in dieser Höhle sind eine der großen Stärken von Shadow of the Tomb Raider. Foto: Square Enix

Apropos Erkundung: Wir haben schon erwähnt, wie schön Shadow of the Tomb Raider aussieht. In dieser optisch hervorragenden Welt machen die Sprung- und Kletterpassagen in Höhlen, Gräbern oder im Dschungel gleich doppelt Spaß, und so mancher Absturz von einem Felsen in spitze Holzpfähle wird umso leichter verziehen. Das Erkunden und Rätseln sind große Stärken von Shadow of the Tomb Raider.

Das hat uns nicht gefallen

Überall im virtuellen Peru liegen Gegenstände herum, die Lara einsammeln kann und aus denen sie Waffen, Kleidung oder Verbesserungen für ihre Ausrüstung herstellen kann. Das ist schön, hat uns beim Spielen nach einiger Zeit aber genervt und abgelenkt. Denn wenn der Sammeldrang größer ist, als der Erkundungsdrang, bleibt die Story schon mal links liegen.

Die Charaktere bleiben weitestgehend blass: Weder Lara (rechts) oder Jonah, ihr Freund aus den ersten beiden Teilen, entwickeln sich im Spiel merklich. Foto: Square Enix

Auch wenig überzeugend ist der Bösewicht in Shadow of the Tomb Raider. Dessen und auch Laras Motivation sind recht simpel (herrschen und rächen) und entwickeln sich im Laufe des Spiels auch nicht. Das haben die Vorgänger des Spiels besser gemacht.

Besonders frustrierend waren aber die langen Ladezeiten. Wir haben Shadow of the Tomb Raider auf einer Xbox One getestet. Allein der Spielstart dauert bis zu zwei Minuten. Eine sogenannte "Schnellreise" zwischen zwei Lagerfeuern, die als Lade- und Speicherpunkt dienen, dauert mindestens ebenso lang. Puh. Vielleicht kann hier ein Patch in der Zukunft Abhilfe schaffen.

Fazit

Nichtsdestotrotz ist Shadow of the Tomb Raider ein tolles Actionspiel für Xbox One, Playstation 4 und PC. Wer die beiden Vorgänger gespielt hat, wird das Spiel mögen, obwohl die Story diesmal Schwächen aufweist. Weil es in Shadow of the Tomb Raider aber so viel zu tun und zu entdecken gibt, verzeihen wir dem Spiel seine Schwächen. Gerade der Moment nach einem erfolgreich abgeschlossenen Grab ist befriedigend. Zudem holt das Spiel grafisch auch aus der alten Konsolengeneration Xbox One und PS4 alles raus.


Info:

Square Enix hat uns ein Rezensionsexemplar von Shadow of the Tomb Raider zur Verfügung gestellt. Wir haben das Spiel auf der Xbox One getestet.

Shadow of the Tomb Raider ist am 14. September für Xbox One, Playstation 4 und PC erschienen. Das Spiel kostet etwa 50 Euro.


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